Hauptinhalt

Reue und Bedauern (Regret) in der medizinischen Entscheidungsfindung

Hintergrund

„Regret“ bezeichnet das Gefühl, dass man sich hätte anders entscheiden sollen. Dieses Gefühl stellt sich ein, wenn sich eine Situation anders entwickelt als gedacht oder erhofft. Bei Entscheidungen unter Unsicherheit ist „regret“ ein häufiger Begleiter.

Häufig stellen sich Menschen im Moment der Entscheidung einen möglichen „regret“ vor. Sie versuchen, Reue oder Bedauern zu minimieren, zu verdrängen oder zu unterdrücken. Wir sprechen in diesem Fall von „anticipated regret“.

Wir gehen davon aus, dass Reue und Bedauern, bzw. deren Vermeidung, ein gewichtiges Motiv bei medizinischen Entscheidungen sind.

Projektziel

Exploration der Bedeutung von Reue und Bedauern bei diagnostischen Entscheidungen in der hausärztlichen Praxis.

Methoden

1) Qualitative Sekundärauswertung von 83 teilstrukturierten Interviews mit Hausärzten zu ihrem Vorgehen bei häufigen Beratungsanlässen (Kopfschmerz, Thoraxschmerz, Bauchschmerz, Beinödeme, Hautbefunde). Dabei geht es um bereits erfahrene Reue (unerwartete negative Verläufe in der Vergangenheit), Reaktionen darauf und die Vermeidung von künftiger Reue („anticipated regret“).

2) In einem faktoriellen Survey äußern sich Hausärzte (>300) zu Reue und Bedauern nach diagnostischen Fehlentscheidungen (Fallvignetten). Variiert werden die Schwere von ursprünglich angenommener Erkrankung und tatsächlicher Ursache (weiterer Verlauf) bei Patienten mit Brustschmerz.

Stand des Projekts

Beide Projekte befinden sich in der Auswertung.

Projektleitung

Prof. Dr. med. Norbert Donner-Banzhoff, MHSc

Projektmitarbeiterinnen

Judith Voss, Svenja Baumann (Doktorandinnen)

Ansprechpartner in Marburg

Dr. Jörg Haasenritter, MSc (2); Prof. Dr. med. Norbert Donner-Banzhoff, MHSc