01.04.2026 Damit Feedback ankommt: Schauspielpersonen-Training im Maris

Wie gelingt gutes Feedback in der medizinischen Ausbildung? „Es ist alles andere als einfach, gleichzeitig realistische Patient*innen darzustellen und zugleich darauf vorbereitet zu sein, nach dem Gespräch ein wertschätzendes konstruktives Feedback an Studierende, die daraus lernen, zu geben“, sagt Andrea Schönbauer, SP-Programm-Leitung im Maris. In intensiven Trainings schärfen die Schauspielpersonen des Maris diese Doppelrolle und tragen so entscheidend dazu bei, die Gesprächskompetenz angehender Ärztinnen und Ärzte zu stärken.

Foto: Kerstin Thies
Maris-Schauspielpersonen Ulrike Zinser (links) und Gabi Dübbelde trainieren Feedback im simulierten Ärzt*innen-Patient*innen-Gespräch

Einmal im Jahr bietet das Maris ein besonderes Training für jede Schauspielperson an: das Feedbacktraining. Es richtet sich an alle, die im Maris in unterschiedlichen Gesprächstrainings für Studierende in der Psychosomatik, Inneren Medizin, Pädiatrie, Psychiatrie und Ethik eingesetzt sind.
Im Zentrum des Trainings steht eine anspruchsvolle Doppelrolle: Schauspielpersonen sollen nicht nur realistische Patient*innen darstellen, sondern im Anschluss auch konstruktives Feedback zur Gesprächsführung der angehenden Ärztinnen und Ärzte geben. Wie das gelingt, wird in Kleingruppen intensiv geübt.

Ein gutes ärztliches Gespräch braucht Struktur
Die Schauspielpersonen geben nicht nur Feedback zur Art und Weise der Gesprächsführung, sondern auch zu den wissenschaftlich nachgewiesenen sinnvollen Phasen eines solchen Gesprächs, das zur Diagnosestellung und Therapie führen soll und in der Lernsituation zwischen zehn und zwanzig Minuten dauert. Im Idealfall berichten nach der Begrüßung zunächst die Patient*innen über ihre Beschwerden und finden ein offenes Ohr bei ihrer Ärztin oder ihrem Arzt. Es folgt eine Phase mit gezielten Nachfragen für die Anamnese. Anschließend wird gemeinsam überprüft, ob alle Informationen richtig verstanden wurden und ob noch Fragen offen sind. Den Abschluss bilden eine Zusammenfassung, die Besprechung des weiteren Vorgehens und die Verabschiedung.

Konstruktiv und wertschätzend: Feedback geben lernen
Die Rückmeldung der Schauspielperson beinhaltet sowohl den Eindruck, den die Studierenden machen im Auftreten, Körperausdruck und Gesprächsverhalten oder Formulieren von Nachfragen, als auch zu den Phasen des Gesprächs. Ein anderer wesentlicher Bestandteil des Trainings ist das Erlernen von Feedbackregeln. Die Teilnehmenden üben, ihre Rückmeldungen in Ich-Botschaften zu formulieren, konkrete Situationen möglichst präzise zu beschreiben und dabei auf Bewertungen zu verzichten. Ebenso wird vermittelt, wie Verbesserungsvorschläge freundlich und konstruktiv formuliert werden können – stets aus der Perspektive der Patientin oder des Patienten.

„Man ist immer auf zwei Ebenen unterwegs“
Ulrike Zinser, Vorstandsvorsitzende des Fördervereins Maris und seit 2013 als Schauspielperson tätig, nimmt regelmäßig am Feedbacktraining teil. Sie beschreibt die besondere Herausforderung ihrer Aufgabe so: „Zu Beginn durfte ich lernen, dass ich als Schauspielerin immer zwei Ebenen berücksichtigen muss: Zum einen bin ich in der Rolle der Patientin Frau XY, zum anderen muss ich mir während des Gesprächs merken, was mir später bei dem Feedback wichtig ist.“
Gerade diese Doppelperspektive mache das Training so wertvoll. „Am Anfang habe ich im Training auch gelernt, was meine Rolle in den jeweiligen Situationen ist. Ich muss kein Fachwissen über medizinische Aspekte haben, sondern bin eine normale Patientin“, erklärt Zinser. Besonders wichtig sei ihr ein respektvoller Umgang im Feedback an die Studentin oder den Studenten, der aus dem Gespräch etwas lernen soll: „Als Tipp finde ich wichtig, dass man zwar konkret rückmeldet, wie das Gesprächsverhalten ankam, aber wertschätzend und positiv bleibt, insbesondere dann, wenn nicht alles gut lief. Gerade in einer sehr fordernden Ausbildung finde ich es wichtig, die persönlichen Stärken zu fördern und Empathie, Zugewandtheit und Freundlichkeit zu würdigen.“

Lernen im Dialog 
Neben der Weiterentwicklung der Schauspielfähigkeiten hebt Zinser auch die persönliche Bereicherung als Motivation für Ihre Tätigkeit hervor: „Von Anfang an hat mir das Schauspielen Spaß gemacht, das Schlüpfen in andere Rollen. Der zweite Punkt ist der Kontakt mit jungen Menschen und die Möglichkeit, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.“ 

Mitmachen im Maris: Schauspielpersonen gesucht
Immer wieder verstärken neue Schauspielpersonen das Team. Aktuell werden aufgrund der zu besetzenden Rollen insbesondere Männer im Alter zwischen 30 und 50 Jahren gesucht. Interessierte können sich gerne an Susanne Müller (susanne.mueller@uni-marburg.de, Tel. +49 6421-28-25051) oder Frank Düllmann (frank.duellmann@staff.uni-marburg.de¸ Tel. +49 6421-28-25052) wenden.