01.04.2026 Damit Feedback ankommt: Schauspielpersonen trainieren im Maris
Wie gelingt gutes Feedback in der medizinischen Ausbildung? Im Maris lernen Schauspielpersonen, realistische Patient*innen darzustellen – und zugleich wertschätzende, konstruktive Rückmeldungen zu geben. In intensiven Trainings schärfen sie ihre Doppelrolle und tragen so entscheidend dazu bei, die Gesprächskompetenz angehender Ärztinnen und Ärzte zu stärken.
Einmal im Jahr bietet das Maris ein besonderes Training für seine Schauspielpersonen an: das Feedbacktraining. Das freiwillige Angebot richtet sich an alle, die im Maris in unterschiedlichen Lehr- und Prüfungssituationen im Einsatz sind – etwa in der Humanmedizin oder Pharmazie, bei Prüfungen der Landesärztekammer für ausländische Ärzt*innen oder in Gesprächstrainings für Studierende, beispielsweise in der Psychosomatik.
Im Zentrum des Trainings steht eine anspruchsvolle Doppelrolle: Schauspielpersonen sollen nicht nur realistische Patient*innen darstellen, sondern im Anschluss auch konstruktives Feedback zur Gesprächsführung der angehenden Ärztinnen und Ärzte geben. Wie das gelingt, wird in Kleingruppen intensiv geübt.
Strukturierte Gespräche als Grundlage
Die simulierten Ärzt*innen-Patient*innen-Gespräche folgen einem klaren Ablauf und dauern in der Regel rund zehn Minuten. Nach der Begrüßung beginnt eine patient*innen-zentrierte Phase, in der die Beschwerden geschildert werden. Es folgt die ärzt*innen-zentrierte Phase mit gezielten Nachfragen und Anamnese. Anschließend wird gemeinsam überprüft, ob alle Informationen richtig verstanden wurden und ob noch Fragen offen sind. Den Abschluss bilden eine Zusammenfassung, die Verabschiedung und die Besprechung des weiteren Vorgehens.
Konstruktiv und wertschätzend: Feedback geben lernen
Ein wesentlicher Bestandteil des Trainings ist das Erlernen von Feedbackregeln. Die Teilnehmenden üben, ihre Rückmeldungen in Ich-Botschaften zu formulieren, konkrete Situationen möglichst präzise zu beschreiben und dabei auf Bewertungen zu verzichten. Ebenso wird vermittelt, wie Verbesserungsvorschläge freundlich und konstruktiv formuliert werden können – stets aus der Perspektive der Patientin oder des Patienten.
Die Teilnehmenden übernehmen die Rollen von Ärzt*in, Patient*in und Beobachter*in. Nach dem Gespräch schildert zunächst die Ärztin / der Arzt seine Eindrücke, gefolgt von der Rückmeldung der Schauspielperson aus Patient*innensicht. Abschließend erfolgt eine gemeinsame medizinisch-fachliche Einordnung.
„Man ist immer auf zwei Ebenen unterwegs“
Ulrike Zinser, Vorstandsvorsitzende des Fördervereins Maris und seit 2013 als Schauspielperson tätig, nimmt regelmäßig am Feedbacktraining teil. Sie beschreibt die besondere Herausforderung ihrer Aufgabe so: „Zu Beginn durfte ich lernen, dass ich als Schauspielerin immer zwei Ebenen berücksichtigen muss: Zum einen bin ich in der Rolle der Patientin Frau XY, zum anderen muss ich mir merken, was mir ‚als Ulrike‘ später bei dem Feedback wichtig ist.“
Gerade diese Doppelperspektive mache das Training so wertvoll. „Am Anfang habe ich im Training auch gelernt, was meine Rolle in den jeweiligen Situationen ist. Ich muss kein Fachwissen über medizinische Aspekte haben, sondern bin eine normale Patientin“, erklärt Zinser. Besonders wichtig sei ihr ein respektvoller Umgang im Feedbackprozess: „Als Tipp finde ich wichtig, dass man immer wertschätzend und positiv bleibt. Gerade in einer sehr fordernden Ausbildung finde ich es wichtig, die persönlichen Stärken zu fördern und Empathie, Zugewandtheit und Freundlichkeit zu würdigen.“
Ein weiterer zentraler Punkt sei das bewusste Verlassen der Rolle nach dem Gespräch: „Die Tutor*innen erinnern uns regelmäßig daran – das finde ich sehr hilfreich.“
Lernen im Dialog
Neben der fachlichen und methodischen Weiterentwicklung hebt Zinser auch die persönliche Motivation hervor: „Von Anfang an hat mir das Schauspielen Spaß gemacht, das Schlüpfen in andere Rollen. Der zweite Punkt ist der Kontakt mit jungen Menschen und die Möglichkeit, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.“
Das Feedbacktraining im Maris zeigt damit eindrücklich, wie wichtig die Perspektive der Patient*innen für die medizinische Ausbildung ist – und wie sehr eine gute Feedbackkultur zum Lernerfolg beiträgt.
Mitmachen im Maris: Schauspielpersonen gesucht
Wer Interesse hat, selbst als Schauspielperson im Maris mitzuwirken, ist herzlich willkommen: Aktuell werden insbesondere Männer im Alter zwischen 30 und 50 Jahren gesucht. Interessierte können sich gerne an Susanne Müller (susanne.mueller@uni-marburg.de, Tel. +49 6421-28-25051) oder Frank Düllmann (frank.duellmann@staff.uni-marburg.de¸ Tel. +49 6421-28-25052) wenden.