28.08.2025 Kenntnisprüfungen für internationale Ärzt*innen: Neun Kandidat*innen stellen sich heute in Marburg dem Praxistest

Neun Ärztinnen und Ärzte aus Ländern wie Syrien, Pakistan oder Nordmazedonien stellen sich heute im Marburger Maris einer anspruchsvollen Kenntnisprüfung. Sie ist Voraussetzung für die deutsche Approbation – und entscheidet damit über ihre berufliche Zukunft.

ausländische Ärzte kurz vor ihren Kenntnisprüfungen der Landesärztekammer im Maris
Foto: Kerstin Thies
ausländische Ärzte kurz vor ihren Kenntnisprüfungen der Landesärztekammer im Maris

Heute ist ein entscheidender Tag für neun Ärztinnen und Ärzte aus Nicht-EU-Ländern wie Russland, Tadschikistan, Pakistan, Syrien, der Türkei oder Nordmazedonien. Im Maris Marburg legen sie ihre Kenntnisprüfungen ab – Voraussetzung, um die deutsche Approbation zu erhalten und sich hierzulande zur Fachärztin oder zum Facharzt weiterzubilden.

Die Prüfungen werden mehrmals im Jahr im Maris durchgeführt und von der Landesärztekammer Hessen im Auftrag des Hessischen Landesamtes für Gesundheit und Pflege organisiert. Geprüft wird in drei Abschnitten: einer 20-minütigen praktischen Prüfung sowie einem 30-minütigen schriftlichen- und einem 60-minütigen mündlichen Teil.

„Die Kenntnisprüfung ist ein zentrales Instrument, um die Qualität und Sicherheit der medizinischen Versorgung in Deutschland zu gewährleisten. Gleichzeitig eröffnet sie qualifizierten Ärztinnen und Ärzten aus aller Welt eine berufliche Zukunft in Deutschland“, erklärt Eleni Koutsidou von der Landesärztekammer Frankfurt, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Alexander Leichner für die Organisation vor Ort verantwortlich ist.

Inhaltlich stehen Innere Medizin und Chirurgie im Fokus, ergänzt um ein sogenanntes „Defizitfach“. Dieses Fach wird vom Landesamt festgelegt und umfasst Fachrichtungen, die in den Herkunftsländern der Prüflinge häufig weniger stark vertreten sind – etwa Allgemeinmedizin oder Psychosomatik. „Für diese Fächer müssen die Kandidat*innen oft gezielt nachlernen, um den hiesigen Anforderungen gerecht zu werden. Voraussetzung für die Zulassung zur Kenntnisprüfung ist zudem eine bestandene Fachsprachprüfung“, so Koutsidou.

Einen besonderen Beitrag leisten auch die Schauspielpatient*innen, die realistische Behandlungssituationen simulieren. Kathrin Thiemann, die regelmäßig in dieser Rolle im Marburger Maris mitwirkt, erzählt, was sie an ihrer Tätigkeit begeistert: „Ich liebe es, in andere Rollen zu schlüpfen und finde es sehr lehrreich, verschiedene Krankheitsbilder aus Patient*innenperspektive zu betrachten. Anders als sonst mit Studierenden ist der enorme Druck spürbar, dem hier die Prüflinge ausgesetzt sind, da an diesen Prüfungen Existenzen hängen.“

 „Wenn es dann geschafft ist und die Prüflinge bestanden haben, ist es unglaublich schön, diese enorme Freude und Erleichterung der Ärzt*innen zu spüren“, ergänzt Alexander Leichner von der Landesärztekammer. Über die Frage, was sie an ihrem Job besonders mag, denkt Eleni Koutsidou nicht lange nach: „Das Schönste ist, dass ich Menschen aus so vielen Ländern treffe und so viele schöne Begegnungen entstehen.“

Für die Kandidat*innen geht es heute um weit mehr als ein Zertifikat: Es ist der Schlüssel zu einer beruflichen Zukunft in Deutschland – und ein wichtiger Schritt, um das Gesundheitssystem mit dringend benötigten Fachkräften zu stärken.