19.03.2026 Unser Forschungsverbund „GenderFUTURE in MINT“ ist erfolgreich in die Transferphase gestartet
Trotz erfolgreicher Laufzeitverlängerung bis zum 31. August 2026 geht es nun mit großen Schritten auf das Projektende zu. In den Bereichen Nachhaltigkeit, Gleichstellung und MINT hat das Marburger Teilprojekt des Forschungsverbundes GenderFUTURE in Zusammenarbeit mit verschiedenen Netzwerken und Praxispartnern seine Forschungsergebnisse aus dem Leitfaden „Greening MINT - Nachhaltigkeit als Türöffner für Frauen*. MINT-Studiengänge geschlechtergerecht gestalten - Hochschulentwicklung partizipativ unterstützen“ (i.E.) vorgestellt. Diese Transferveranstaltungen konnten nicht nur unsere Teilnehmenden inspirieren, sondern auch dazu, wie eigene Unternehmen und Hochschulen GreenMINT, sog. Nachhaltige MINT-Studiengänge, als Türöffner nutzen können.
Hebel zur Öffnung von Fach- und Unternehmenskulturen für Frauen* in MINT zusammen mit dem Bündnis für Frauen von MINT vernetzt
In unserer ersten Veranstaltung, einem digitalen Lunch Talk am 10. Februar, waren wir im Austausch mit circa 30 Akteur:innen aus Organisationen und Unternehmen des Bündnisses der Frauen (MINT vernetzt). Es ging um die Fragestellung, wie Fach- und Unternehmenskulturen für Frauen* in MINT geöffnet werden können. Ausgehend von unseren Befunden aus dem Hochschulkontext zu Steuerungslogiken, Organisations- und Fachkulturen kam die Community - Mitarbeitende an Hochschulen bis Gleichstellungsbeauftragte aus Unternehmen - darüber in den Austausch, welche Parallelen sowie Unterschiede sie in ihrer eigenen Organisation wahrnehmen.
Im zweiten Teil stellte das Projektteam die Rolle der Zukunfts- und Innovations, ein partizipatives Format, das alle relevanten Zielgruppen in einen Raum bringt (Weber 2014; Adler und Weber 2019; Weber und Heidelmann 2022), zur Weiterentwicklung von Organisationen und Hochschulen vor. Im Anschluss konnten sich die Teilnehmenden in unterschiedliche Gruppen austauschen, von allgemeinen Q&A und dem Austausch ihrer „Best Practices“ bis hin zur Diskussion darüber, wie aus einmaligen Events ein ganzheitlicher Organisationsentwicklungs-prozess entsteht und Gleichstellung so nachhaltig institutionalisiert werden kann. Die zahlreiche Teilnahme und der rege Austausch von Praxisakteuren, wie beispielsweise Hamburgs Karriere Kompetenzzetrum für Frauen oder FemNetzwerk, deuten darauf hin, dass das Projektthema der Öffnung von MINT-Kulturen für Frauen an Hochschulen auch für andere Organisationstypen fruchtbar gemacht werden konnte.
Nachhaltigkeit öffnet Türen: Potenziale für mehr Frauen in MINT-Studiengängen mit der DGhochN
Auch in unserer zweiten gut besuchten Veranstaltung, dem digitalen Vortrag „Nachhaltigkeit öffnet Türen: Potenziale für mehr Frauen in MINT-Studiengängen“ am 19. Februar in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk DGhochN, ging es um die Vorstellung unseres Leitfadens, diesmal mit Fokus auf Nachhaltigkeit. Die Teilnehmenden teilen ein gemeinsames Interesse daran, ihre Hochschulen nachhaltiger zu gestalten. Genau hier setzt unser Projekt an, da, so unsere Annahme, Gleichstellung im Kontext von MINT bereits adressiert wird: der Nexus Nachhaltigkeit und Geschlecht, also inwiefern Nachhaltigkeit ein Türöffner für Frauen* im MINT-Bereich werden kann, jedoch noch nicht.
Prägend für diese Veranstaltung war, dass der Raum von Anfang an dialogisch war, was im zweiten Teil durch Austausch in Kleingruppen noch intensiviert wurde. Die vielfältigen Ergebnisse des Austauschs von Erfahrungsberichten über bisher gescheiterte Gleichstellungsmaßnahmen an Hochschulen, über der Entwicklung neuer Ideen bis hin zu Inklusionsstrategien konnten am Ende im Plenum zusammengetragen werden.
„It´s coming home” an der THM Friedberg mit dem Gender- und Frauenforschungszentrums (gFFZ)
Nachdem wir unseren Forschungsverbund bereits im Jahr 2024 im Rahmen eines Vernetzungsworkshops des Hessischen Gender- und Frauenforschungszentrums (gFFZ) vorstellen durften, war es nun wie „coming home“, als wir, diesmal an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) Friedberg am 23. Februar unsere Transferergebnisse vorstellen konnten. Einige Menschen waren uns bereits bekannt, andere waren neu für uns. Besonders gefreut hat uns, dass wir auch Kolleg*innen unserer eigenen Universität vor Ort begrüßen konnten und der Workshop neben Gleichstellungsbeauftragten, Expert*innen der Hochschuldidaktik und des Marketings auch bei Studierenden auf reges Interesse gestoßen ist.
Im zweiten Teil der Veranstaltung haben wir ein „Zukunfts- und Innovationslabor im Miniaturformat“ durchgeführt, welches insbesondere auch Studierenden Raum gegeben hat, ihre Perspektiven zur Öffnung von MINT-Studiengängen zu teilen. In Form eines Strategieworkshops haben Akteur*innen, die sich entweder auf zentraler Ebene, in den Fachbereichen oder in Projekten verorten, über ihre Strategien und Erfahrungen zur Frage, wie insbesondere ingenieurwissenschaftliche Studiengänge für Frauen* geöffnet werden können, ausgetauscht. Als konkrete nächste Schritte haben die Teilnehmenden unteranderen die Bedeutsamkeit, Studierende in diesen Prozess einzubeziehen, Bedarfe innerhalb der Fachbereiche abzufragen und Kooperationen, insbesondere mit Schulen aufzubauen, abgeleitet, bevor sie sich nach einem gemeinsamen Mittagessen auf die Heimreise begeben haben.
Summing-up
Kulturwandel ist zentral, um MINT-Studiengänge für Frauen* zu öffnen und wird nicht nur an Hochschulen, aber auch in Unternehmen, Vereinen und anderen Organisationformen benötigt. In diesem Kontext weisen Zukunfts- und Innovationslabore ein großes Potenzial auf, da sie nicht nur alle relevanten Akteure eines Systems miteinander in einen Raum bringen, sondern auch durch System- und Bewusstseinsbildung kulturelle Öffnungen ermöglichen.
Viele Praxisakteur*innen haben ein hohes Interesse an der Gleichstellung von Frauen* in MINT-Fächern und Berufen haben. Doch gleichzeitig wünschen sich die Beteiligten, dass mehr Räume geschaffen werden können, dass nicht nur (Geistes- und Sozial-) Wissenschaftler*innen, sondern auch die Akteure der zu verändernde Fachbereiche ihr Interesse darauf fokussieren. Genau hier setzt unser Leitfaden an. Schauen Sie gerne bald auf unserer Projektwebseite nach.
Literaturverzeichnis
Adler, Annett; Weber, Susanne Maria (2019): Future and Innovation Labs as heterotopic Spaces. In: Susanne Maria Weber, Inga Truschkat, Christian Schröder, Luisa Peters und Andreas Herz (Hg.): Organisation und Netzwerke, Bd. 26. Wiesbaden: Springer VS (Organisation und Pädagogik), S. 375–383.
Weber, Susanne Maria (2014): Change by Design!? Wissenskulturen des „Design“ und organisationale Strategien der Gestaltung. In: Susanne Maria Weber, Michael Göhlich, Andreas Schröer und Jörg Schwarz (Hg.): Organisation und das Neue: Beiträge der Kommission Organisationspädagogik. Wiesbaden: Springer VS, S. 27–48.
Weber, Susanne Maria; Heidelmann, Marc-André (2022): Images – Imagination – Imaginaries. Epistemic Organizing and Epistemologies of the Visual. In: Carolina Cambre, Edna Barromi-Perlman und David Hermann (Hg.): Visual Pedagogies. Concepts, Cases and Practices (Visual Pedagogies, Methodologies, and Educational Research, 2), S. 37–57.