30.09.2026 Magisch
Vom Botanischen Garten in die JAV: Antje Reichert lernt gerne dazu; aber es gibt Erfahrungen, mit denen sollte niemand alleinegelassen werden.
English version below: Magical
„Das habe ich noch nie gemacht!“ Antje Reichert kniet auf dem Rasen und hält den Holzrahmen, damit Stefan Roth besser sägen kann. Die Auszubildende und ihr Ausbilder bauen an diesem Tag ein Insektenhotel für den Alten Botanischen Garten der Uni Marburg.
Reichert lernt Garten- und Landschaftsbau an der Uni. Aber nicht nur das: Die mehrfache Mutter gehört seit der jüngsten Wahl der Jugend- und Auszubildendenvertretung an; die JAV vertritt die Interessen des beruflichen Nachwuchses.
Dass sie helfen solle, ein Holzgerüst aufzustellen, hat Reichert erst frühmorgens erfahren; tags zuvor hatte sie sich noch darauf eingestellt, Bodenplatten zu verlegen. „Es gibt einen Plan, aber der ist nicht in Stein gemeißelt“, erläutert Reichert. „Es ist halt jeden Tag anders, jede Baustelle, jedes Gelände ist anders“, sagt sie. „Ich finde es erstaunlich, dass ich mit über 30 Jahren so viele Sachen noch nie gemacht habe.“
Dabei hat sie schon jede Menge gemacht: Zunächst absolvierte sie eine Kaufmännische Lehre, ehe sie in Berlin Sozial- und Kulturanthropologie studierte. „Das Studium ist total vielfältig“, schwärmt sie, „es gibt Anthropologien für jeden Lebensbereich.“
Während des anschließenden Masterstudiums bekam Reichert ihr erstes Kind. Weil ihr Mann eine Stelle in Marburg erhielt, zog die Familie an die Lahn. Reichert engagierte sich in einer Landwirtschaftsgenossenschaft und stattete ein Freiwilligenjahr bei der Lebenshilfe ab, für die sie Grünpflege betrieb. „Immer wenn ich im Garten rumbuddlte, ging es mir am Besten“, bekennt sie. „Wie ein Pflanzenleben funktioniert, das hat etwas Magisches!“ Wegen der Kinder absolviert Reichert ihre Ausbildung in Teilzeit.
Warum engagiert sie sich in der JAV? „Ich finde es wichtig, dass Leute Unterstützung finden, wenn sie das brauchen“, bekennt die Mittdreißigerin. Reichert hatte selbst schon Ärger im Job; ganz zu Beginn der Ausbildung war das, sie fürchtete sogar, gekündigt zu werden. Als sie sich an die JAV wendete, erhielt sie noch am selben Tag eine Rückmeldung. „Die haben mich auch zu Gesprächen mit Vorgesetzten begleitet“, berichtet Reichert. Das habe sie als sehr unterstützend empfunden. „Meine Vorgänger haben einen ganz großartigen Job gemacht. Deshalb will ich das weiterführen.“
Text: Johannes Scholten
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Magical
From the Botanical Gardens to the JAV: Antje Reichert loves learning new things; but there are some experiences that nobody should have to face alone.
“I’ve never done this before!” Antje Reichert is kneeling on the grass, holding the wooden frame steady so that Stefan Roth can saw more easily. Today, the trainee and her supervisor are building an insect hotel for the Old Botanical Garden at the University of Marburg.
Reichert is studying horticulture and landscaping at the university. But that’s not all: the mother of several children has been a member of the Youth and Trainee Representative Committee (JAV) since the most recent election; the committee represents the interests of young people in vocational training.
Reichert only found out early that morning that she was to help erect a wooden frame; the day before, she had been expecting to lay paving slabs. “There’s a plan, but it’s not set in stone,” explains Reichert. “It’s just different every day; every building site, every site is different,” she says. “I find it amazing that, at over 30, there are still so many things I’ve never done before.”
Yet she has already done a great deal: she first completed a commercial apprenticeship before studying social and cultural anthropology in Berlin. “The course is incredibly varied,” she enthuses, “there’s a branch of anthropology for every area of life.”
During her subsequent Master’s degree, Reichert had her first child. As her husband was offered a job in Marburg, the family moved to the Lahn. Reichert became involved in an agricultural co-operative and completed a year of voluntary service with Lebenshilfe, for whom she carried out grounds maintenance. “Whenever I was pottering about in the garden, that’s when I felt at my best,” she admits. “There’s something magical about how plants grow!” Because of her children, Reichert is completing her training part-time.
Why is she involved with the JAV? “I think it’s important that people find support when they need it,” says the woman in her mid-thirties. Reichert had faced difficulties at work herself; this was right at the start of her apprenticeship, and she even feared she might be sacked. When she turned to the JAV, she received a response on the very same day. “They also accompanied me to meetings with my line managers,” reports Reichert. She found this very supportive. “My predecessors did a absolutely brilliant job. That’s why I want to carry on their work.”
Author: Johannes Scholten
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