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Die bauliche Entwicklung

Allgemein

Die Entwicklung der Philipps-Universität lässt sich auch an ihren Bauten ablesen. Das teilweise bis ins 11. Jahrhundert zurückdatierende Landgrafenschloss gehört ebenso zum Gebäudebestand wie die im 19. Jahrhundert errichtete Alte Universität oder das in den 1920er Jahren fertig gestellte Kunstgebäude. In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden unter anderem die Universitätsverwaltung und das Zentrale Hörsaalgebäude an der Biegenstraße errichtet und in den Sechziger und Siebziger Jahren trug man mit den Hochhäusern an der Wilhelm-Röpke-Straße sowie den Neubauten der Chemie auf den Lahnbergen den steigenden Studierendenzahlen Rechnung.

Die Campusplanungen

Die Philipps-Universität wird baulich neu geordnet: Mit den Mitteln des Landeshochschulprogramms HEUREKA (Hochschul-Entwicklungs- und Umbauprogramm: RundErneuerung, Konzentration und Ausbau von Forschung und Lehre in Hessen) werden bis 2020 zwei neue Standorte ausgebaut und weiterentwickelt: der innerstädtische geistes- und gesellschaftswissenschaftliche Campus Firmanei und der außerstädtische Campus Lahnberge als Standort der Natur- und Lebenswissenschaften. Das Investitionsvolumen beläuft sich insgesamt auf mehr als 400 Millionen Euro.

Zwei Standorte – die Weichen werden gestellt (1960 bis 1985)

Die Grundsatzentscheidung für die Etablierung zweier Standorte wurde bereits Mitte des 20. Jahrhunderts getroffen: Ende der 1950er Jahre wurde deutlich, dass sich der Platzbedarf der schnell wachsenden Marburger Universität nicht mehr allein mit dem historischen Gebäudebestand in der Innenstadt decken ließ. Die Universität musste sich außerhalb der Innenstadt entwickeln.  Univerisität und Land trafen die Entscheidung, zwei Standorte zu realisieren: Die Naturwissenschaften und die Medizin sollten ein neues Zentrum auf den Lahnbergen bilden, die geisteswissenschaftlichen Fächer sollten jenseits der Lahn, in unmittelbarer Nachbarschaft der geplanten Stadtautobahn einen modernen Standort erhalten. Es folgte eine Zeit großer Bauaktivität: Zu Beginn der 1960er Jahre wurden unter anderem das Zentrale Hörsaalgebäude (1960-1964) und die Universitätsbibliothek (1964-1967) errichtet. Mit den Hochhäusern der Philosophischen Fakultät (Philfak) an der Wilhelm-Röpke-Straße (1963-1967) sowie den sogenannten Systembauten auf den Lahnbergen (1972-1979) reagierte die Universität auf die explosionsartig angestiegenen Studierendenzahlen. Der neue medizinische Standort auf den Lahnbergen wurde 1984 mit Fertigstellung des ersten Bauabschnitts des Universitätsklinikums etabliert.

In den 2000er Jahren wurden auf dem Campus Lahnberge die Zentrale Medizinische Bibliothek (2005) sowie mehrere Forschungsbauten, wie etwa das Biomedizinische Forschungszentrum (2005) und das BSL4-Labor (2007) errichtet. Allerdings wurde der Ausbau des Campus Lahnberge nur zum Teil realisiert: Die Physik, Pharmazie und Teile der Medizin blieben weiterhin im Lahntal.

HEUREKA – die Campusentwicklung gewinnt an Profil (2007-2020)

Neuen Schwung in die Marburger Campusplanungen brachte das 2007 von der hessischen Landesregierung ins Leben gerufene HEUREKA-Programm: Ausgangslage war die Privatisierung des Universitätsklinikums und die darauffolgende Unternehmensentscheidung, die noch in der Nordstadt verbliebenen Kliniken auf die Lahnberge umzusiedeln.

Die mögliche Nachnutzung der Klinikgebäude schuf neue Chancen: Die Hochhäuser der Philfak sowie die Uni-Bibliothek an der Stadtautobahn waren in die Jahre gekommen und energetisch problematisch; vieles sprach dafür, die geistes- und gesellschaftslwissenschaftlichen Institute in die Innenstadt zu holen. Zugleich konnte man damit die Nordstadt stärken, der durch den Wegzug der Kliniken eine Verödung drohte.

Im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs und im Zusammenspiel mit umfangreichen Beteiligungsprozessen wurde 2007 eine Planung für den geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen „Campus Firmanei“ am Fuße der historischen Marburger Oberstadt entwickelt. Der Campus umfasst ein circa zwölf Hektar großes Gebiet, zu dem das ehemalige Klinikviertel zwischen Pilgrimstein und Deutschhausstraße und der Alte Botanische Garten ebenso gehören, wie das Areal um die ehemalige Brauerei. Im April 2018 wurde das Herzstück des Campus Firmanei eröffnet: die neue Universitätsbibliothek.

Parallel zur Entwicklung des innerstädtischen Campus Firmanei gingen Universität und Land daran, den Campus Lahnberge zu stärken. Als Grundlage für die weitere bauliche Entwicklung des Campus wurde der "Masterplan Lahnberge"(2009) in Auftrag gegeben. Dieser regelt sowohl die weitere Bebauung als auch die Anordnung der verschiedenen Fächer sowie die Verkehrsführung und Freiflächen. Ein zentrales Bauprojekt auf den Lahnbergen ist der 2014 eröffnete Neubau des Fachbereichs Chemie. Ebenfalls 2014 erhielt das LOEWE-Zentrum für Synthetische Mikrobiologie einen Neubau.

Zugleich war die Philipps-Universität höchst erfolgreich in der Einwerbung von gleich vier Forschungsbauten, von denen zwei bereits fertiggestellt sind: Auf dem Campus Lahnberge wurde 2014 der Forschungsbau für das Zentrum für Tumor- und Immunbiologie eröffnet; auf dem ehemaligen Brauereigelände am Pilgrimstein wurde 2016 ein neuer Forschungsbau für den Deutschen Sprachatlas eingeweiht. Zwei weitere Forschungsbauten befinden sich noch in Planung und im Bau.

Ausblick

Auf dem Campus Lahnberge soll bereits Ende 2019 ein neuer Forschungsbau für Synmikro fertiggestellt werden. Noch im Herbst 2019 soll dort mit dem Bau eines neuen Lehrgebäudes für die Anatomie begonnen werden. Außerdem steht bereits ab Sommer 2019 der Ausbau des Parkhauses Nord auf dem Programm.

Mit den ersten infrastrukturellen Vorarbeiten für den Bau einer sogenannten "Umwelttrasse" wurde im ersten Quartal des Jahres begonnen. Der Bau der "Umwelttrasse" – einer dem Bus- und Radverkehr vorbehaltenen Fahrspur - soll nach jetzigem Planungsstand 2020 starten.

Derweil wird auch rund um den Campus Firmanei weiter gebaut: Ende des Jahres sollen die ersten Vorarbeiten für den vierten Forschungsbau der Uni beginnen: Auf dem früheren Brauereigelände am Pilgrimstein erhält das Deutsche Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg (DDK) einen Neubau in unmittelbarer Nachbarschaft zum Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas. Und last but not least werden historische Bauten, wie etwa das Gebäude Ketzerbach 63 sukzessive für geistes- und gesellschaftswissenschaftliche Fächer umgebaut und saniert.

Die Uni Marburg baut auch weiterhin - auf gute und nachhaltig gestaltete Architektur, die die Voraussetzungen schafft für hervorragende Forschung und Lehre.