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Vom Marburger Studenten zum/zur…

Prominente Alumni im Gespräch

Eine Reihe bekannter Persönlichkeiten hat an der Philipps-Universität studiert. Einige von ihnen haben in den vergangenen Jahren im Marburger UniJournal über ihre Zeit in Marburg und ihren Werdegang berichtet. Unter der Überschrift „Vom Marburger Studenten zum…“ veröffentlichen wir ausgewählte Interviews.

Vom Marburger Studenten zum/zur…

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen ... Architekturkritiker der FAZ: Dieter Bartetzko... Architekturkritiker der FAZ: Dieter Bartetzko

    Marburger Alumnus Dieter Bartetzko, Architekturkritiker der FAZ
    Foto: FAZ

    Der 1949 in Rodalben/Pfalz geborene Dieter Bartetzko gelangte auf Umwegen zum Journalismus: Nach einem abgebrochenen Pädagogik-Studium arbeitete er zwei Jahre in einer Werbeagentur und absolvierte dann seinen Zivildienst in einem Kinderkrankenhaus. Anschließend studierte er Kunstgeschichte, Germanistik und Soziologie in Berlin, Frankfurt und Marburg, wo er 1983 auch promoviert wurde. Er arbeitete für den Hessischen Rundfunk und die Frankfurter Rundschau und trat nebenbei als Jazzsänger, Chansonnier und Moderator auf. Seit 1994 ist er im Feuilleton der FAZ Redakteur im Ressort Architektur, Denkmalpflege und Archäologie. Im Jahr 2006 wurde er vom Bund Deutscher Architekten mit dem Preis für Architekturkritik ausgezeichnet.

    Was fällt Ihnen spontan zu Marburg ein?
    Eine vom turbulenten studentischen Leben und ihrer faszinierenden Altstadt geprägte, beneidenswert intakte Stadt, die allerdings im vergangenen Jahrzehnt mit Allerwelts-Malls und austauschbarer neuer Architektur einiges an Einzigartigkeit verloren hat.

    Wo haben Sie damals gewohnt?
    In einem der wenigen Industriegebiete (Willy-Mock-Straße) am Rand der Stadt; ein lehrreicher, zuweilen sogar erfrischender Kontrast zur Altstadt-Idylle.

    Warum haben Sie ausgerechnet in Marburg studiert?

    Das Kunsthistorische Institut war eines der fortschrittlichsten der Bundesrepublik; offen für neue Sichtweisen, mutig und experimentierfreudig.

    Und warum die Fächer Kunstgeschichte, Germanistik und Soziologie?

    Ein Zug der Zeit: Man erkannte stärker als zuvor Kunst als Erzeugnis kultureller, gesellschaftlicher, politischer und ideologischer Prozesse ihrer Zeit.

    Was haben Sie in Ihren Studienjahren neben dem fachlichen Wissen gelernt?

    Geduld und Offenheit gegenüber Andersdenkenden; Mitgefühl mit Menschen, denen Konkurrenzdruck, mangelndes Selbstbewusstsein oder die mangelnde Rücksicht ihrer Umwelt das Rückgrat brechen.

    Was war Ihr damaliger Berufswunsch?

    Denkmalpfleger.

    Zu welchem Thema haben Sie Ihre Examensarbeit verfasst?

    Ich habe die Theatralik von NS-Architektur promoviert.

    An was erinnern Sie sich besonders ungern?

    An den Dünkel saturierter Promovenden, an die mühselige Wohnungssuche, an ideologische Grabenkämpfe, in denen Rechthaberei über Sachargumente siegte.

    Haben Sie sich neben dem Studium engagiert?
    Als Sänger während einiger studentischer Protestaktionen und Demonstrationen; ansonsten war ich als junger Vater und zwischenzeitlicher Pendler zwischen Marburg und Frankfurt zu beschäftigt.

    Was würden Sie heute anders machen, wenn Sie noch einmal Studienanfänger wären?

    Ich würde noch weitgespannter, neugieriger und unbefangener studieren, als ich es ohnehin tat.

    Was ist Ihre schönste Erinnerung an die Studienzeit?

    Eine Rom-Exkursion, die meine bis heute andauernde Liebe zu den Meisterwerken Berninis und Borrominis weckte.

    Möchten Sie der Philipps-Universität einen Wunsch mit auf den Weg geben?
    Nicht dem Trend der Vereinnahmung der Wissenschaften durch Konzerne und überhaupt kommerzielle oder private Interessen nachzugeben. Die Geisteswissenschaften zu pflegen. Die Freiheit des Geistes zu verteidigen. Statt auf vordergründige Effektivität auf ein umfassendes, immer über die Fachgrenzen hinaus schauendes Studium zu setzen.

    Quelle: Uni Journal, Sommer 2013

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen … Hessischen Ministerpräsidenten a.D.: Walter Wallmann… Hessischen Ministerpräsidenten a.D.: Walter Wallmann

    Marburger Alumnus Walter Wallmann, ehemaliger Hessischer Ministerpräsident
    Foto: Bundesarchiv, Lothar Schaack

    Walter Wallmann wurde 24. September 1932 in Uelzen geboren. Er war einer der prägendsten hessischen Politiker der vergangenen Jahrzehnte. Er studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Marburg und Frankfurt am Main. 1965 wurde er an der Philipps-Universität zum Dr. jur. promoviert. Seine politische Karriere begann der Christdemokrat als Mitglied des hessischen Landtags. 1972 errang er ein Bundestagsmandat, fünf Jahre später wurde er Oberbürgermeister von Frankfurt. Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl berief Helmut Kohl ihn zum ersten Bundesumweltminister. Von 1987 bis 1991 war Wallmann Hessischer Ministerpräsident.

    Was fällt Ihnen spontan zu Marburg ein?
    Das alte Audi-Max der Universität, das Schloss, die Elisabeth-Kirche und das Rathaus – alles Orte, von denen eine eigene Atmosphäre ausgeht.

    Warum haben Sie gerade hier studiert?
    Weil ich in der damals schwierigen Zeit (1951) über einen meinen Eltern bekannten Privatdozenten der Medizin ein Zimmer vermittelt bekam.

    Und warum Rechts- und Staatswissenschaften?
    Als Schüler war ich historisch und, daraus sich entwickelnd, frühzeitig auch politisch interessiert. Dass man dann natürlicherweise mit Fragen des Verfassungsrechts in Berührung kommt, liegt auf der Hand – der Schritt, sich für ein Studium der Rechte zu entscheiden, war für mich konsequent.

    Was war Ihr damaliger Berufswunsch?
    Das hat sich mit der Zeit entwickelt – in der Referendarzeit am Landgericht Marburg habe ich entschieden, Richter zu werden.

    Haben Sie sich neben dem Studium engagiert?
    In den Jahren 1956/57 war ich Vorsitzender des Ältestenrats. Die damit einhergehende Arbeit im Studentenwerk hat viel Zeit in Anspruch genommen. Der damals die ganze Welt erschütternde Ungarnaufstand erforderte unseren vollen Einsatz zur Hilfe für die ungarischen Kommilitoninnen und Kommilitonen – vielen konnten wir beim Unterkommen an westdeutschen Universitäten helfen.

    Haben Sie Erinnerungen an einzelne Professoren?
    Natürlich, ich erinnere mich sehr genau und gern an meinen Doktorvater, Professor Hall; des Weiteren an die Professoren Schwinge, Reinhardt, Herrfahrdt, Bruns, Schulz-Scheffer, Müller-Freienfels und Wolf, an dessen Institut ich nach dem Examen als wissenschaftlicher Assistent beschäftigt war. Ich kannte die genannten Herren durch meine Tätigkeit im AStA und im Ältestenrat fast alle persönlich – auch Professor Grabowsky, mit dem mich ein sehr persönliches Verhältnis verband und bei dem ich zeitweise intensiv Philosophie hörte.

    Was ist Ihre schönste Erinnerung an die Studienzeit?
    Der Heiratsantrag, den ich einer Zahnmedizin-Studentin, meiner Ehefrau, in Marburg machte.

    Woran erinnern Sie sich besonders ungern?
    Ich hatte immer ein irgendwie schlechtes Gewissen, dass ich meinen Eltern „auf der Tasche lag“ – Bafög gab es noch nicht; man musste im Übrigen als Nicht-Hesse Studiengebühren zahlen: Das alles war belastend.

    Was würden Sie heute anders machen?
    Diese häufig gestellte Frage halte ich für eine hypothetische. Es ist so gekommen, wie es gekommen ist und ich denke, dass man das als Fügung auch entsprechend akzeptieren muss.

    Wann waren Sie zuletzt an unserer Universität?
    Als mein Sohn seinen juristischen Doktor entgegennehmen konnte.

    Welchen Wunsch möchten Sie der Philipps-Universität mit auf den Weg geben?
    Dass sie sich stets ihrer großen historischen Tradition erinnert, ihrem Auftrag als Stätte der Forschung und Lehre im Sinne von Humanitas gerecht wird und sich – gegebenenfalls – gegen äußere, außeruniversitäre Einflüsse mit Erfolg zur Wehr setzt.

    Quelle: UniJournal Januar 2011

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen … Bundesminister der Justiz a.D.: Hans-Jochen Vogel… Bundesminister der Justiz a.D.: Hans-Jochen Vogel

    Marburger Alumnus Hans-Jochen Vogel, Bundesminister der Justiz
    Foto: Peter Schinzler

    Hans-Jochen Vogel, geboren 1926 in Göttingen, ist einer der wegweisenden SPD-Politiker der letzten Jahrzehnte. Unter ande­rem war er Oberbürgermeister von München, Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau (1972-74), Bundes­minister der Justiz (bis 1981) und Regierender Bürgermeister von Berlin. 1950 in die SPD eingetreten, hat er seit den 70er Jahren alle führenden parteipolitischen Ämter bekleidet bis hin zum Kanzlerkandidaten und zum Fraktions- und Parteivor­sitzenden. Vogel studierte Rechtswissenschaften im Sommersemester 1943 in München und von 1946 bis 1948 in Marburg. Hier legte er im November 1948 seine 1. Staatsprüfung ab. 1950 promovierte er in München.

    Herr Vogel, welche drei Dinge fallen Ihnen spontan zu Marburg ein?
    Seine ins Mittelalter zurückreichende Geschichte, die Tatsache, dass die Stadt den Zwei­ten Weltkrieg fast unbeschädigt überstand, und seine schöne Umgebung.

    Warum haben Sie gerade in Marburg studiert?
    Weil meine Eltern damals in Gießen wohnten und die Mar­burger Juristenfakultät für mich die nächst erreichbare war.  Bei meiner ersten Vorsprache im Februar 1946 hegte der zustän­dige Vertreter der Fakultät ge­wisse Bedenken, ob man mich zum Studium zulassen könne, weil ich gerade erst 20 Jahre alt war. Mein Hinweis, dass ich jedenfalls für den Kriegsdienst nicht zu jung gewesen sei und meine Jugend ein Mangel dar­stelle, der sich von Tag zu Tag mindere, schien dann aber doch überzeugend.

    Wo haben Sie in Marburg gewohnt?
    Zunächst unter dem Spiegelslust-Turm, dann in der Wil­helmstraße und schließlich in Zwischenhausen.

    Warum haben Sie gerade Rechtswissenschaften studiert?
    Weil unter meinen Vorfahren und Verwandten mütterlicher­seits zurück bis zum Ur-Ur-Großvater viele Juristen waren und mich Rechtsfragen schon in meiner Jugend interessierten. Werden wollte ich Anwalt oder Richter.

    Wer hat Sie bei der Studienwahl beeinflusst?
    Es war meine eigene Entschei­dung. Meine Eltern – ich war  ja trotz zwei Jahren Militär­dienst, Verwundung und Kriegs­gefangenschaft 1946 noch nicht volljährig – haben meine Wahl aber ohne weiteres ak­zeptiert. Die Mutter sogar mit Freude.

    Wie haben Sie Ihr Studium finanziert?
    Das Geld war bis zur Wäh­rungsreform im Juli 1948 kein Problem. Eher die Verpflegung, die Kleidung und die Heizung. Da musste man schon ein wenig Schwarzhandel treiben, um seine elementaren Bedürfnisse befriedigen zu können.

    Haben Sie an einen Ihrer Professoren eine besondere Erinnerung?
    Ja – an Professor Reinhard bei­spielsweise. Er war ein vorzügli­cher Zivil- und Handelsrechtler. Ebenso an Fritz von Hippel, den Rechtsphilosophen. Seine Analyse „Die nationalsozialis­tische Herrschaftsordnung als Warnung und Lehre“ besitze ich noch heute.

    Was ist Ihre schönste Erinnerung während der Studienzeit gewesen?
    Dass ich schon mit 19 Jahren beinahe in den studentischen Ältestenrat gewählt worden wäre und an der Ausarbeitung einer studentischen Verfassung mitarbeiten durfte. Die sah übri­gens eine Art Wahlpflicht vor.

    An was erinnern Sie sich dabei besonders ungern?
    Dass wir im 1. Staatsexamen ei­ne zusätzliche Arbeit schreiben mussten, weil einige Kandidaten die Regeln nicht ganz eingehal­ten hatten.

    Was haben Sie in Ihrem Studium neben dem fach­lichen Wissen gelernt?
    Gewisse demokratische Grund­kenntnisse und schrittweise auch eine klarere Vorstellung von den Verbrechen des NS-Ge­waltregimes und den Ursachen, die dorthin geführt haben. Zuckmayers Drama „Des Teufels General“, das 1947 in Marburg aufgeführt wurde, hat dazu auch einen Anstoß gegeben.

    Haben Sie sich neben dem Studium engagiert?
    Nein, noch nicht. Ich habe aber Veranstaltungen der politischen Parteien besucht und mir so ei­ne gewisse Übersicht verschafft.

    Sehen Sie Ihr Studium als Voraussetzung für Ihren beruflichen Werdegang?
    Ja, auch für mein späteres politi­sches Engagement.

    Was würden Sie heute als Studienanfänger anders machen?
    Kaum etwas. Vielleicht würde ich das Ganze gemächlicher an­gehen. Wir haben ja damals im Rekordtempo studiert.

    Haben Sie noch Ihre Examensarbeit?
    Wir mussten für die 1. Staats­prüfung mehrere Arbeiten auf den verschiedenen juristischen Spezialgebieten schreiben. Wir erfuhren dann nur die Noten; ausgehändigt wurden sie uns nicht. Vielleicht liegen sie noch in irgendeinem Archiv.

    Haben Sie noch Kontakt zu Kommilitonen?
    Einige Kontakte dauerten sehr lange an. Aber die meisten dieser ehemaligen Kommilitonen leben nicht mehr. Darunter auch Alfred Dregger, der im Bundestag als Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion amtierte, während ich Vorsitzender der SPD-Fraktion war.

    In welcher Funktion waren Sie zuletzt in einer Universität?
    Ich bin seit mehreren Jahren und auch gegenwärtig noch Mitglied des Kuratoriums der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

    Was halten Sie von Studienbeiträgen?
    Nicht sehr viel.

    Was wünschen Sie heute der Philipps-Universität?
    Dass sie sich der guten Phasen ihrer Geschichte erinnert und ihren Studentinnen und Stu­denten nicht nur Fachwissen, sondern auch Vorstellungen von ihrer gesellschaftlichen Verant­wortung vermittelt. Am besten durch Professoren, die nicht nur mit Worten, sondern auch mit der eigenen Lebensführung predigen.

    Quelle: UniJournal Mai 2008

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen … Vorstandsvorsitzenden der DVAG: Reinfried Pohl… Vorstandsvorsitzenden der DVAG: Reinfried Pohl

    Marburger Alumnus Reinfried Pohl, Vorstandsvorsitzender der DVAG
    Foto: DVAG

    Dr. Reinfried Pohl, geboren 1928 in Zwickau, gründete 1975 die Deutsche Vermögensberatung (DVAG),die heute Deutschlands größter eigenständiger Finanzvertrieb ist. Pohl studierte ab 1948 Rechtswissenschaften in Marburg und wurde hier im Jahr 1953 promoviert. Seine langjährigen und nachhaltigen Verdienste um Universität und Stadt spiegeln Auszeichnungen wie die Ehrensenatorwürde (1988) und zwei Ehrenpromotionen (2003) der Philipps-Universität sowie die Ehrenbürgerwürde der Stadt Marburg (2006) wider.

    Welche drei Dinge fallen Ihnen spontan zu Marburg ein?
    1. Andere Städte haben eine Universität, Marburg ist eine. 2. Hier fühle ich mich seit nahezu 60 Jahren zuhause. 3. Marburg ist nicht nur eine ausgezeichnete Schmiede für Hochschulabsolventen, sondern – von mir auserwählt – auch Sitz der Holding des größten eigenständigen Finanzvertriebs Deutschlands, der von mir gegründeten Deutschen Vermögensberatung, sowie des einzigen 5-Sterne-Hotels in der Region.

    Warum haben Sie an der Philipps-Universität studiert?
    Ich kam 1948 als mittelloser Flüchtling aus der damaligen Sowjetischen Besatzungszone nach Marburg. Mein wertvollstes Gepäck waren zwei Empfehlungsschreiben des seinerzeitigen Vorsitzenden der ostdeutschen liberalen Partei mit der Bitte, mir Hilfe zu gewähren, insbesondere für den Erhalt eines Studienplatzes. Das eine Schreiben war an den Oberbürgermeister der Stadt Gießen gerichtet, das andere an den der Stadt Marburg. Die Wahl fiel mir nicht schwer!

    Wo haben Sie gewohnt?
    Eine kurze Zeit pendelte ich noch zwischen Gießen und Marburg, wo ich bei meinem älteren Bruder in dessen Flüchtlingsunterkunft wohnte. Über mein Engagement im AStA war ich zusammen mit der Stadtverwaltung für die Wohnungsvergabe an Studenten zuständig. So kam ich zu einer kleinen Wohnung in der Frankfurter bzw. später in der Violastraße.

    Warum haben Sie Rechtswissenschaften studiert?
    Ich wollte einfach Jura studieren. Aus Jux und Tollerei hatte ich allerdings beim Abitur als Berufswunsch noch Förster angegeben. Dabei kann ich keinem Tier was zuleide tun. So meldete ich mich eben für Jura, und das war auch gut so.

    Welche Rolle spielten Ihre Eltern bei der Studienwahl?
    Von meinem Vater konnte ich da wenig mit auf den Weg bekommen. Er wurde 1945, bei Kriegsende, als Sudetendeutscher sofort verhaftet und nach Bautzen verschleppt. Dort ist er umgekommen. Prägender war da sicher meine Mutter, ohne sie hätte ich meinen erfolgreichen Weg nie beschreiten können. Aber sie überließ mir voll die Wahl meines Studienfaches.

    Wie haben Sie Ihr Studium finanziert?
    Ich habe vom ersten Tag an als Werkstudent gearbeitet, war lange Zeit Buchhalter bei einem Farbengroßhändler.

    Was ist Ihr größter Erfolg während der Studienzeit gewesen?
    Meine Promotion, die ich in Rekordzeit absolvierte: Staatsexamen im März, das Thema der Doktorarbeit stand Anfang Mai fest, und schon am 3. Dezember 1953 bestand ich die mündliche Prüfung. Das war ein sehr glücklicher Tag für mich.

    An was erinnern Sie sich ungern?
    An die Ungewissheit über das Schicksal meines Vaters und die wirtschaftlich schwierigen und entbehrungsreichen Zeiten.

    Was haben Sie neben dem fachlichen Wissen gelernt?
    Ich habe gelernt, wie man auch mit beschränkten finanziellen Mitteln haushalten kann und dass wirtschaftlicher Druck zu Höchstleistungen anspornen kann. Das logische Denken und die Genauigkeit, die das Jurastudium abverlangen, schärfen bis heute meine strategischen Entscheidungen.

    Haben Sie sich neben dem Studium engagiert?
    Oh, ja! Ich war auch politisch sehr engagiert, z.B. war ich Boss der Jungliberalen und Chef der Liberalen Hochschulgruppe. Damals habe ich auch den liberalen Hochschulverband für ganz Deutschland mitbegründet.

    Sehen Sie Ihr Studium als notwendige Voraussetzung für Ihren beruflichen Werdegang?
    Nun, natürlich hat mir mein Studium geholfen, systematisch zu denken und Problemlösungen zu entwickeln. Ein Studium ist jedoch kein Garantieschein für späteren beruflichen Erfolg. Wichtig sind auch Tugenden wie Fleiß, Ausdauer, Beharrlichkeit, aber auch die Fähigkeit, andere Menschen von einer Idee zu begeistern und sie zu Höchstleistungen zu motivieren. Das kann man nicht im Lehrbuch studieren, sondern man hat es im Blut oder muss es tagtäglich trainieren.

    Was würden Sie heute als Student anders machen?
    Heute würde ich wohl als selbstständiger Vermögensberater neben dem Studium tätig sein und damit gutes Geld verdienen. Eine frühzeitige Beschäftigung mit dem Thema „Selbstständigkeit“ eröffnet ganz neue Perspektiven für die künftige berufliche Karriere. Und ansonsten? Ich habe doch an einer der schönsten Universitäten Deutschlands ein zukunftsorientiertes Fach studiert. Das war doch goldrichtig!

    Zu welchem Thema haben Sie promoviert?
    Zu einem recht brisanten politischen Inhalt: „Der Sozialisierungsartikel 41 in der hessischen Verfassung“. Ich kam dazu, dass er rechtsunwirksam ist.

    Wann waren Sie zuletzt in der Philipps-Universität?
    Als Ehrensenator der Universität wie auch als Ehrendoktor der Fachbereiche Rechtswissenschaften und Medizin bin ich immer wieder in der Universität. Daneben fördert ja auch die von mir gegründete Dr. Reinfried Pohl-Stiftung in mannigfaltiger Weise Forschung und Lehre an dieser Hochschule, und dies fakultätsübergreifend. Ich nenne hier auch mein Engagement für die Forschungsstelle für Finanzdienstleistungsrecht.

    Was wünschen Sie heute der Philipps-Universität?
    Ich würde mich freuen, wenn die Philipps-Universität künftig auch zu den staatlich anerkannten und geförderten Elite-Universitäten zählen würde. Sie hat es verdient!

    Quelle: UniJournal Februar 2007

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen … Forschungsvorstand der Shering AG: Rainer Metternich… Forschungsvorstand der Shering AG: Rainer Metternich

    Marburger Alumnus Rainer Metternich, Forschungsvorstand der Shering AG
    Foto: Wiley Verlag GmbH

    Marburger Alumnus Rainer Metternich, Forschungsvorstand der Shering AG
    Foto: Wiley Verlag GmbH
    Professor Dr. Rainer Metternich, Jahrgang 1955, studierte an der Philipps-Universität und promovierte hier 1985. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter war er zunächst an der Har­vard University tätig. Dann wechselte er in die Industrie. Zunächst bei Sandoz Ltd. und später bei der Novartis Inter­national AG übernahm er in leitenden Positionen die Durch­führung mehrerer Forschungsprogramme in Europa und den USA. Im Jahr 2000 trat er in die Schering AG ein, wo er seit Anfang 2006 für Forschung, Vorklinische Entwicklung und Personal zuständig ist. Metternich ist Honorarprofessor an der TU Berlin, Mitglied des wissenschaftlichen Fachbeirats des Max-Planck-Instituts für Molekulare Physiologie und ge­hört dem Vorstand der Gesellschaft Deutscher Chemiker an.

    Herr Professor Metternich, welche drei Dinge fallen Ihnen spontan zu Marburg ein?
    Die Lahnberge, die Altstadt mit ihrem wunderschönen Fach­werk und die Alte Universität mit der Universitätskirche.

    Warum haben Sie gerade an der Philipps-Universität studiert?
    Sie war (und ist) bekannt für ihre hervorragende chemische Fakultät und bot auch meiner Frau die Möglichkeit, Theologie zu studieren.

    Wo haben Sie in Marburg gewohnt?
    Zuerst in der Ritterstraße un­terhalb vom Landgrafenschloss, danach in der Liebigstraße im Südviertel.

    Warum haben Sie Chemie studiert, was war Ihr damaliger Berufswunsch?
    Das Fach faszinierte mich, insbesondere wenn es um den Aufbau ganz neuer Stoffe und Verbindungen ging. Mein Ziel war es, als Forscher in einer Akademie oder in der Industrie zu arbeiten.

    Wer hat Sie in Ihrer Studienwahl beraten oder beeinflusst?
    Meine Chemielehrerin am Fürst-Johann-Ludwig-Gymnasium in Hadamar.

    Haben Sie an einen Ihrer Professoren besondere Erinnerungen?
    Vor allem mein Doktorvater, Professor Dr. Reinhard Hoff­mann, bot mir exzellente Förde­rung und die Ermutigung, auch  in schwierigsten Phasen nicht aufzugeben.

    Was ist Ihre schönste Erinne­rung oder Ihr größter Erfolg während Ihrer Studienzeit?
    Das waren wissenschaftliche Durchbrüche bei Diplom-und Doktorarbeit und die Geburt meiner ersten beiden Kinder.

    An was erinnern Sie sich be­sonders ungern?
    Ich habe eigentlich nur positive Erinnerungen an mein Studium und ganz generell an meine Zeit in Marburg.

    Was haben Sie in Ihren Stu­dienjahren neben dem fachli­chen Wissen gelernt?
    Ausdauer und Geduld. Außerdem habe ich durch die Begegnung mit vielen Mitstudenten unter­schiedlichster Herkunft sehr viel Menschenkenntnis gesam­melt.

    Haben Sie sich neben dem Studium engagiert?
    Neben dem Studium habe ich mich meiner damals jungen Fa­milie gewidmet!

    Sehen Sie Ihr Studium als notwendige Voraussetzung für Ihren beruflichen Werde­gang?
    Ein klares Ja! Ich habe während Studium und Doktorarbeit ganz maßgebliche Erkenntnisse gewonnen, die mich bis heute prägen.

    Was würden Sie heute anders machen, wenn Sie noch einmal ein 20-jähriger Studienanfän­ger wären?
    Nichts! Ich würde alles wieder so machen wie damals.

    Zu welchem Thema haben Sie Ihre Examensarbeit geschrie­ben?
    Über „Gamma-alkoxy-allyl-und crotyl-boronsäureester alsHomo-Enolat-Äquivalente zur Synthese von 2,6-Didesoxy-hexosen“. Sowohl meine Di­plom- als auch die Doktorarbeit haben auch heute noch einen festen Platz in meinem Arbeits­zimmer.

    Haben Sie zu ehemaligen Kom­militonen noch Kontakt?
    Ja, gelegentlich bei runden Ge­burtstagen meines Doktorvaters und bei Vortragsreisen.

    Sie sind Honorarprofessor an der TU Berlin. Pflegen Sie auch Kontakte zu anderen Hochschulen?
    Aufgrund meiner regen Vor­tragstätigkeit und meines Engagements in der Gesellschaft Deutscher Chemiker, in der Max-Planck-Gesellschaft und im akademischen Umfeld Ber­lins habe ich intensive Kontakte zu anderen deutschen und aus­ländischen Universitäten.

    Was wünschen Sie der Philipps-Universität heute?
    Einen Geist, der von Innovation und Streben nach Exzellenz geprägt ist, und darüber hinaus Offenheit für die wissenschaft­liche Kooperation mit der In­dustrie.

    Quelle: UniJournal Juli 2006

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen … Bundesfinanzminister a.D.: Hans Eichel… Bundesfinanzminister a.D.: Hans Eichel

    Hans Eichel, geboren 1941 in Kassel, ist gelernter Pädagoge. Von 1961 bis 1968 studierte er Germanistik, Geschichte und Politik an der Philipps-Universität sowie der FU Berlin und arbeitete nach dem Referendariat bis 1975 als Studienrat in Kassel. SPD-Mitglied seit 1964, saß er von 1989 bis 2001 der SPD-Hessen vor, ab 1984 gehörte er dem SPD-Parteivorstand, ab 1999 dem Präsidium an. Eichel war Oberbürgermeister von Kassel (bis 1991), Hessischer Ministerpräsident (bis 1999) und schließlich Bundesfinanzminister. Seit den Wahlen 2005 ist Eichel direkt gewählter Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Kassel.

    Herr Eichel, was fällt Ihnen spontan zu Marburg ein?
    Vieles: Heilige Elisabeth, Philipps-Universität, die schöne Fachwerk-Oberstadt, Begegnung Luther-Zwingli, Alt-Weidenhausen: altes Fachwerk und ganz moderne Häuser

    Warum studierten Sie gerade an der Philipps-Universität?
    Weil es – zunächst – für einen Kasseläner sehr bequem war; und weil viele meiner Klassenkameraden ebenfalls dort ihr Studium begannen. Die heutige Universität Kassel wurde ja erst 1971 gegründet.

    Wo wohnten Sie in Marburg?
    Im Südviertel.

    Wer beeinflusste Sie bei Ihrer Studienwahl?
    Niemand.

    Warum wollten Sie Lehrer für Deutsch und Geschichte werden?
    Sehr früh war mir klar, dass ich zunächst einen „anständigen“ Beruf lernen wollte, um dann auf dieser Basis in die Politik zu gehen – deshalb habe ich zusätzlich Politologie studiert.

    Wie finanzierten Sie Ihr Studium?
    Meine Eltern haben mein Studium bezahlt.

    Warum studierten Sie ab 1962 im Rahmen des BRD Berlin-Austauschs an der FU Berlin?
    Die Freie Universität Berlin hatte einen besonderen Ruf, wir wussten, dass Studierende dort mehr Mitwirkungsmöglichkeiten als an anderen deutschen Universitäten hatten. Außerdem reizte mich die Stadt, ich wollte „hinter die Mauer sehen“, was man als Westdeutscher durfte und ich reichlich getan habe: „Distel“ und Komische Oper, Brechts Ensemble am Schiffbauer Damm und die Museumsinsel…

    Warum kamen Sie nach drei Semestern zurück?
    Berlin war von Anfang an nur als Station gedacht. 1964 begann mein politisches Engagement bei den Jusos in Kassel. Auch in der Marburger Kommunalpolitik (SPD) habe ich mich engagiert, zusammen mit zum Beispiel Dr. Hanno Drechsler, dem späteren Oberbürgermeister von Marburg.

    Sehen Sie Ihr Studium als politische Reifezeit?
    Zu meiner Meinungsbildung hat es beigetragen.

    Was haben Sie neben dem fachlichen Wissen gelernt?
    Selbstständig zu arbeiten.

    Während der Studentenrevolution befanden Sie sich im Examen. Hatten Sie da Zeit für Politik?
    Ja, ich konnte und wollte mich nicht heraushalten, schließlich habe ich mich als Teil der 68er-Bewegung verstanden: Im Frühjahr 1968 wurde ich Juso-Vorsitzender in Kassel, dort führte ich die Demonstrationen gegen die Notstandsgesetzgebung an und gegen den  sowjetischen Einmarsch in Prag. In Marburg nahm ich an Demonstrationen und Protestveranstaltungen teil.

    Haben Sie an Ihre Professoren besondere Erinnerungen?
    Ja, zum Beispiel an den Politologen Wolfgang Abendroth, weil er durch seine Biografie (verfolgt im Dritten Reich und in der SBZ) besonders glaubwürdig und als Mensch (aber auch als Professor und Sozialist) überzeugend war. Gut in Erinnerung ist mir auch Johannes Klein, weil er als sehr Konservativer (George-Jünger) wegen seiner jüdischen Frau nach Schweden emigriert war und nach dem Ende des Nationalsozialismus– konsequent – als linker Sozialdemokrat zurückgekehrt war, und natürlich der Erziehungswissenschaftler Wolfgang Klafki, weil er seine wissenschaftlichen Positionen sehr klar darlegte (schwierig in den Erziehungswissenschaften).

    Was ist Ihre schönste Erinnerung an die Studienzeit?
    Die Oberseminare bei Wolfgang Abendroth, das waren interdisziplinäre Diskussionen mit hohem Anspruch und völliger Gleichberechtigung der Diskutanten (gleich, ob junger Student oder Ordinarius), nur die Kraft des Arguments zählte.

    Und Ihr größter Erfolg?
    Das Staatsexamen, weil ich damit das Studium bestanden hatte – und das noch sehr gut.

    An was erinnern Sie sich besonders ungern?
    Meine schlechte Note in Althochdeutsch im Staatsexamen.

    War Ihr Studium notwendige Voraussetzung für Ihren beruflichen Werdegang?
    Es war nützlich, aber nicht zwingend notwendig.

    Welches Thema behandelte Ihre Examensarbeit?
    Meine Staatsexamensarbeit ging über das „Volkslied“.

    Haben Sie noch Kontakt zu Universitäten?
    In den letzten Jahren habe ich an der Humboldt-Universität und der Kölner Universität Vorträge zu Finanzpolitik und europäischer Integration gehalten.

    Wie beurteilen Sie die Zukunft des deutschen Bildungswesens?
    Die Föderalismusreform geht in die falsche Richtung. Wir brauchen mehr gesamtstaatliche Verantwortung in Bildung und Forschung.

    Was denken Sie über Studiengebühren?
    Grundsätzlich bin ich gegen Studiengebühren im Erststudium und in der Regelstudienzeit. Die Finanzausstattung der Hochschulen wird so nicht nachhaltig verbessert. Wenn aber Studiengebühren eingeführt werden, müssen sie so gestaltet werden, dass sie niemanden vom Studium abhalten und den Wettbewerb der Hochschulen um die Studenten und die Qualität der Lehre fördern.

    Was wünschen Sie der Philipps-Universität?
    Einen modernen Geist mit Stolz auf die Tradition.

    Quelle: UniJournal April 2006

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen … Direktor des deutschen Literaturarchivs: Ulrich Raulff… Direktor des deutschen Literaturarchivs: Ulrich Raulff

    Marburger Alumnus Ulrich Raulff, Direktor des Deutschen Literaturarchivs
    Foto: Dt. Literaturarchiv Marbach

    Professor Dr. Ulrich Raulff (Jahrgang 1950) studierte Philosophie und Geschichte in Marburg, Frankfurt und Paris. In Marburg wurde er 1977 promoviert, 1995 habilitierte er sich in Berlin. Stipendien führten ihn unter anderem an das Getty Research Institute in die USA. 1994 wurde er Redakteur bei der FAZ, später Feuilleton-Chef. Ab 2001 war Raulff Leitender Redakteur der Süddeutschen Zeitung. Seit 2004 ist er Direktor des Schiller-Nationalmuseums und des Deutschen Literaturarchivs Marbach. 2005 verlieh ihm das Land Baden-Württemberg die Ehrenprofessur.

    Herr Professor Raulff, was fällt Ihnen spontan zu Marburg ein?
    Prasselkuchen von Café Klingelhöfer, das Asthmatreppchen in die Altstadt und zwei unterdes verstorbene Freunde..

    Warum haben Sie gerade an der Philipps-Universität studiert?
    Weil sie damals den denkbar schlechtesten Ruf genoss – in politischer Hinsicht.

    Wo haben Sie in Marburg gewohnt?
    Die längste Zeit und am liebsten in der Haspelstraße im Südviertel.

    Warum haben Sie die Fächer Kunstgeschichte und Neuere Deutsche Literatur studiert?
    Keines davon hab ich studiert, leider. Stattdessen Philosophie und Geschichte: weil zwischen diesen beiden Fächern meine Welt lag – und liegt, bis heute.

    Wer hat Sie in der Studienwahl beraten oder beeinflusst?
    Mein persönlicher Dämon.

    Haben Sie an einen Ihrer Professoren besondere Erinnerungen?
    Ja, an Karl Christ, den ich bis zum heutigen Tage menschlich liebe und als Lehrer verehre. Außerdem mochte ich Kamper, Warnke, Mattenklott und Schlaffer.

    Was ist Ihre schönste Erinnerung an die Studienzeit?
    Das leise Frösteln im Rücken in den Oktobertagen meines ersten Semesters, morgens auf dem Weg zur PhilFak.

    An was erinnern Sie sich besonders ungern?
    Ideologisch belastete Seminare bei den Anglisten, die mir mein anfängliches Studienfach vermiesten und die ich fluchtartig verließ.

    Was haben Sie in Ihren Studienjahren neben dem fachlichen Wissen gelernt?
    Wollen Sie das wirklich wissen? Ich finde, das wäre indiskret meinen damaligen Freundinnen gegenüber.

    Haben Sie sich neben dem Studium engagiert?
    Siehe die vorige Antwort.

    Sehen Sie Ihr Studium als notwendige Voraussetzung für Ihren beruflichen Werdegang?
    Unbedingt. Alles war notwendig, jede einzelne Lektüre, aber das gilt auch schon für die Schulzeit.

     Was würden Sie heute anders machen, wenn Sie noch einmal Studienanfänger wären?
    Mehr Kunstgeschichte hören und in der Geschichte fleißiger sein (es ist leider ein reines Fleißfach, und ich war zu faul).

    Zu welchem Thema haben Sie Ihre Examensarbeit verfasst?
    Das war eine aus heutiger Sicht ziemlich unreife Dissertation über Michel Foucaults Theorie der Machtausübung in der Moderne.

    Haben Sie zu ehemaligen Kommilitonen noch Kontakt?
    Ja, zu einer ganzen Reihe von ihnen; einige waren Arbeitskollegen (und Freunde) bei der Frankfurter Allgemeinen und bei der Süddeutschen Zeitung.

    Wann waren Sie zum letzten Mal in einer Universität?
    Vor ein paar Wochen, in Tübingen. Ich unterrichte nicht mehr, habe aber viel mit Universitäten und akademischen Kollegen zu tun.

    Was wünschen Sie heute der Philipps-Universität?
    Eine so dichte, intensive Atmosphäre aus Liebe, Gelehrsamkeit und Streit, wie ich sie damals kennengelernt habe (war das der berühmte pädagogische Eros?).

    Quelle: UniJournal Februar 2006

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen …Landesbischöfin: Margot Käßmann…Landesbischöfin: Margot Käßmann

    Marburger Alumna Margot Käßmann, Landesbischöfin
    Foto: Wikipedia Fotowerkstatt

    Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann, geboren 1958 in Marburg, war von 1999 bis 2010 Landesbischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Bevor sie das Amt der Landesbischöfin antrat, war sie von 1994 bis 1999 Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Fulda. 1985 erhielt sie die Ordination zur Pfarrerin. Margot Käßmann studierte Evangelische Theologie an den Universitäten in Tübingen, Edinburgh, Göttingen und von 1981 bis 1983 an der Philipps-Universität. Im Jahr 1989 promovierte sie an der Ruhr-Universität Bochum.

    Frau Dr. Käßmann, was fällt Ihnen spontan zu Marburg ein?
    Meine Schulzeit an der Elisabethschule, Café Vetter!, der Aufstieg zum Schloss.

    Warum haben Sie gerade an der Philipps-Universität studiert?
    Die theologische Fakultät der Philipps-Universität hat eine große Tradition. Zudem habe ich die Prüfung bei der evangelischen Landeskirche Kurhessen- Waldeck abgelegt, die traditionell mit der Philipps-Universität verbunden ist.

    Wo haben Sie in Marburg gewohnt?
    Bald nach unserem Zusammenziehen in Marburg haben mein Mann und ich geheiratet und ein Jahr später kam auch noch unsere erste von vier (!) Töchtern dazu. So haben wir lustig zu dritt in einer kleinen Wohnung in der Frankfurter Straße 14a gelebt.

    Warum haben Sie Theologie studiert?
    Ich habe Theologie studiert, weil ich Interesse an den existentiellen Zusammenhängen hatte. 1974/75 war ich im elften Schuljahr in den USA. Da kamen Fragen auf: Wie stehst Du zum Vietnam-Krieg? Was bedeutet Christsein in Deutschland nach Auschwitz? Wie verhält sich christlicher Glaube zum Rassismus? Bewundert habe ich Martin Luther King: ganz fromm und ganz politisch zugleich.

    Wer hat Sie in der Studienwahl beraten oder beeinflusst?
    Beeinflusst hat mich genau diese Situation in den USA. Ich war plötzlich mit den ganz großen Fragen des Lebens konfrontiert. Zudem starb in diesem Jahr mein Vater. Mir schien Theologie eine gute Wahl, all das intensiv zu reflektieren.

    Haben Sie an einen Ihrer Professoren besondere Erinnerungen?
    Ich erinnere mich an Otto Kaiser, den ich am Abend vor der Geburt unserer Tochter beim Spaziergang im Cappeler Wald getroffen habe und der erstaunt war, mich eine Woche später schon wieder im Seminar zu sehen. Und an ein Seminar mit Hans-Martin Barth und Heinrich Leipold, das sehr intensiv die Fragen und Herausforderungen der Ökumene bearbeitete.

    Was ist Ihre schönste Erinnerung an die Studienzeit?
    Eigentlich war das die erste Proseminararbeit in Kirchengeschichte bei Heribert zur Mühlen in Tübingen zu Luthers reformatorischer Entdeckung. Sie wurde mit „sehr gut“ bewertet und das war eine Bestätigung: Du kannst studieren. Das war für mich keine selbstverständliche Erfahrung, ich war mir nicht sicher, ob mir das liegt.

    An was erinnern Sie sich besonders ungern?
    Da muss ich passen. Und ich habe gern studiert. Allerdings habe ich mich zu Anfang manchmal einsam gefühlt in so einem großen Betrieb.

    Was haben Sie in Ihren Studienjahren neben dem fachlichen Wissen gelernt?
    Meine ersten Semester habe ich in Tübingen, Edinburg und Göttingen zugebracht. In diesen Jahren reift ein Mensch, was die Beziehungen angeht. Da ich aus einer Familie kam, in der Generationen zuvor niemand studiert hatte, war wichtig, die Angst vor der Aura des Universitätsmilieus zu verlieren. Auch bei meinen Töchtern sehe ich heute, dass in den ersten Studienjahren nach dem Abitur ein ungeheurer Reifeprozess liegt, von der Jugendlichen zur Erwachsenen eben.

    Haben Sie sich neben dem Studium engagiert?
    Die evangelische Studierendengemeinde war für mich ein Ort des Engagements. Zudem der Ökumenische Rat der Kirchen. Und die Familie!

    Sehen Sie Ihr Studium als notwendige Voraussetzung für Ihren beruflichen Werdegang?
    In jedem Fall. Die vielfältigen theologischen Impulse an den vier Orten, an denen ich studiert habe, begleiten mich bis heute.

    Was würden Sie heute anders machen, wenn Sie noch einmal Studienanfängerin wären?
    Vielleicht würde ich nicht an einer Universität wie Tübingen beginnen, sondern an einer kirchlichen Hochschule oder einer kleineren Universität, um zunächst Griechisch und Hebräisch abzuleisten (Latein hatte ich schon). Von einer kleinen Universität in eine große zu gehen ist leichter als umgekehrt.

    Zu welchem Thema haben Sie Ihre Examensarbeit verfasst, besitzen Sie diese noch?
    In meiner Examensarbeit habe ich die Bücher von Adolf von Harnack und Gerhard Ebeling zum „Wesen des Christentums“ in ihrem theologischen Ansatz miteinander verglichen. Das war für mich ein äußerst spannender Prozess. Die Arbeit, die ich bei Professor Wilfried Härle geschrieben habe, besitze ich noch heute.

    Haben Sie zu ehemaligen Kommilitonen noch Kontakt?
    Ja, mit Einzelnen gibt es Kontakt. Und kürzlich war ich in Marburg zum Jubiläum der Elisabethschule und da gab es sogar noch Kontakte zu ehemaligen Mitschülerinnen.

    Wann waren Sie zum letzten Mal in einer Universität?
    Im Wintersemester 1991/92 konnte ich an der Philipps-Universität einen Lehrauftrag zum Thema Ökumene wahrnehmen. Zum letzten Mal zu Besuch war ich am 6. Mai 2005, als ich im Rahmen des Rudolf-Otto-Symposions einen Vortrag über Gewalt und ihre Überwindung aus evangelischer und katholischer Sicht hielt.

    Was wünschen Sie heute der Philipps-Universität?
    Ich wünsche ihr, dass sie die Theologie als Teil der Auseinandersetzung der Wissenschaften ernst nimmt. Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften scheinen mir heute viel zu getrennt voneinander zu existieren. Die theologische Fakultät hat eine große Tradition. Ich hoffe, dass sie in Marburg erhalten bleibt als Wissenschaft, mit der die Auseinandersetzung auch für die anderen Fakultäten weiterhin lohnt.

    Quelle: UniJournal Oktober 2005

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen …Richter am Bundesverfassungsgericht: Hans-Joachim Jentsch…Richter am Bundesverfassungsgericht: Hans-Joachim Jentsch

    Marburger Alumnus Hans-Joachim Jentsch, Richter am Bundesverfassungsgericht
    Foto: Sascha Fromm

    Hans-Joachim Jentsch, geboren 1937 in Fürstenwalde, war von 1996 bis 2005 Richter am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Zu seinen bedeutendsten beruflichen Stationen zählen: Mitglied des Deutschen Bundestags (1976-82), Oberbürgermeister in Wiesbaden (1982-85), Mitglied des Hessischen Landtags (1987-90) und Justizminister des Freistaats Thüringen (1990-94). Jentsch studierte bis 1961 Rechtswissenschaften an der Philipps-Universität und wurde im Jahr 1966 nach Ablegung des 1. und 2. Staatsexamens ebendort promoviert. Im Februar dieses Jahres bestellte ihn die Jenaer Friedrich-Schiller-Universität nun auch zum Honorarprofessor.

    Herr Professor Jentsch, welche drei Dinge fallen Ihnen spontan zu Marburg ein?
    In Marburg habe ich meine Frau kennengelernt; wir werden in diesem Jahr vierzig Jahre verheiratet sein. Hier habe ich als studentischer Universitätsältester zudem gelernt, in – teilweise heftigen – politischen Auseinandersetzungen meinen Standpunkt zu vertreten und gleichzeitig nach Gemeinsamkeiten mit Andersdenkenden zu suchen. Und schließlich war auf Grund der vergleichsweise geringen Studentenzahl damals alles sehr persönlich.

    Warum haben Sie gerade an der Philipps-Universität studiert?
    Weil ein älterer Schulkamerad, der spätere Europaabgeordnete und Kasseler Rechtsanwalt Axel N. Zarges, dort studierte. Wir waren beide bereits seit Schulzeiten bei den Jungen Europäischen Föderalisten, JEF, aktiv.

    Welche Welt- oder Universitätsereignisse während Ihrer Studienzeit sind Ihnen noch präsent?
    Noch gut in Erinnerung ist mir der Auftritt des damaligen Präsidenten der Volkskammer der DDR, Dieckmann, der die Studentenschaft spaltete. Weiterhin stand ich damals unter dem Eindruck des so hoffnungsvollen Schrittes auf dem Weg zur Einigung Europas, der 1957 geschlossenen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft.

    Warum haben Sie Rechtswissenschaftenstudiert, was war Ihr damaliger Berufswunsch?
    Sie schienen mir eine besonders gute Voraussetzung, um an der Gestaltung von Staat und Gesellschaft teilzuhaben. Ich war politisch sehr interessiert und für die Einigung Europas engagiert.

    Wer hat Sie in der Studienwahl beraten oder beeinflusst?
    Eigentlich niemand. Mein Vater war Beamter, meine Mutter Hausfrau. Beide haben nicht studiert.

    Wie haben Sie Ihr Studium finanziert?
    An den hessischen Hochschulen herrschte Unterrichtsgeldfreiheit. Meinen Lebensunterhalt haben meine Eltern finanziert. In den Semesterferien habe ich selbst Geld verdient.

    Haben Sie an einen Ihrer Professoren besondere Erinnerungen?
    Ja, zum Beispiel an die kurzweiligen Vorlesungen des Strafrechtslehrers Karl Alfred Hall oder an Erich Schwinge und seine Auseinandersetzung mit der damals jüngsten deutschen Vergangenheit.

    Zu Ihrer Zeit waren Sie einer von rund 850 Jura-Studenten in Marburg, heute sind es mehr als doppelt so viele. Wie haben Sie Ihr Studium damals empfunden?
    Es herrschte eine recht familiäre Atmosphäre. Man kannte sich untereinander und hatte zu den Professoren engen Kontakt. Nach der Wende habe ich diesen Zustand als Lehrbeauftragter an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena wieder gefunden.

    Was ist Ihre schönste Erinnerung oder Ihr größter Erfolg während der Studienzeit gewesen?
    Die Antwort habe ich bereits auf die erste Frage hin gegeben. Und dort steht sie am Anfang der Antwort. Meine Frau, die Medizin studierte, war damals in den Asta kooptiert worden; dort gab es wohl keine gewählte Studentin.

    An was erinnern Sie sich besonders ungern?
    Aus heutiger Sicht: dass wir beim Streit um hochpolitische Fragen (etwa die Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zur DDR, um die heftig gestritten wurde) im akademischen Raum nicht sachbezogener und damit für die ganze Gesellschaft vorbildlicher gerungen haben.

    Haben Sie sich neben dem reinen Fachstudium engagiert?
    Ja, als studentischer Universitätsältester: Es gab damals die studentische Vollversammlung, an der alle Studenten teilnehmen konnten und die der studentische Universitätsälteste leitete. Weiterhin gab es den Asta und den Ältestenrat. Den Ältestenrat bildeten die fünf Fakultätsältesten; sie wurden von den Studenten ihrer Fakultät gewählt und bestimmten den Universitätsältesten. Der Ältestenrat war die Beschwerdeinstanz für Entscheidungen des Asta.

    Waren Sie schon während des Studiums in einer politischen Partei?
    Ich war in erster Linie bei den JEF europäisch engagiert und trat dann dem Ring Christlich Demokratischer Studenten, RCDS, bei und 1960 der CDU.

    Was haben Sie in Ihren Studienjahren neben dem fachlichen Wissen gelernt?
    Europapolitisch und in der studentischen Selbstverwaltung tätig, habe ich gelernt, für die Gestaltung von Gemeinschaften auf unterschiedlichen Ebenen Konzepte zu entwickeln und für sie einzutreten.

    Sehen Sie Ihr Studium als notwendige Voraussetzung für Ihren beruflichen Werdegang beziehungsweise für Ihre derzeitige Tätigkeit?
    Ja, meine Erwartungen, siehe oben, sind aufgegangen. Gerade für meine politischen Ämter war das Studium der Rechtswissenschaften eine gute Grundlage.

    Was würden Sie heute anders machen, wenn Sie noch einmal ein 20-jähriger Studienanfänger wären?
    Ich würde unbedingt ein oder zwei Semester im Ausland studieren, selbst wenn es die Studienzeit verlängern sollte.

    Zu welchem Thema haben Sie ihre Examensarbeit geschrieben?
    Zu der „Beurteilung summarischer Exekutionen durch das Völkerrecht“. Vielleicht schreibe ich im Ruhestand eine zweite Auflage.

    Wann und in welcher Funktion waren Sie zum letzten Mal in einer Universität?
    Ich bin seit vielen Jahren Lehrbeauftragter an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Schiller- Universität in Jena und inzwischen dort auch Honorarprofessor.

    Zu Ihrer Studienzeit zählte die Philipps-Universität weniger als siebentausend Immatrikulierte, heute sind es über 17.000. Wo sind Ihrer Meinung nach Chancen und Gefahren?
    Die Gefahr ist natürlich, dass man in der Masse untergeht. Das muss aber nicht sein, wenn man mit Freunden und anderen, die gleiche Interessen verfolgen, kleine Einheiten bildet, die Nähe vermitteln und wechselseitige Unterstützung. Man erlernt damit zugleich ein Verhalten, das später in unserer Gesellschaft in hohem Maße erforderlich ist.

    Was würden Sie heute der Philipps-Universität wünschen?
    Kluge und kompetente Lehrer sowie neugierige, leistungsbereite und weltoffene Studenten.

    Quelle: UniJournal Juli 2005

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen …Intendant des hessischen Rundfunks: Helmut Reitze…Intendant des hessischen Rundfunks: Helmut Reitze

    Marburger Alumnus Helmut Reitze, Intendant des Hessischen Rundfunks
    Foto: HR Pressestelle

    Dr. Helmut Reitze, geboren 1952 im hessischen Guldenberg, leitete von Januar 2003 bis Februar 2016 als Intendant den Hessischen Rundfunk, bei dem er 1974 als freier Redakteur startete. Zu seinen bedeutendsten beruflichen Stationen zählen Korrespondententätigkeit für das ZDF in Washington (1987 bis 1990) und Brüssel (1992 bis 1993) und die Position als Stellvertretender Chefredakteur des ZDF (1995 bis 2002). Von 1974 bis 1978 studierte Reitze Volkswirtschaft an der Philipps-Universität und wurde 1980 an der Universität Mainz promoviert.

    Herr Reitze, welche drei Dinge fallen Ihnen spontan zu Marburg ein?
    Andere Städte haben eine Uni, Marburg i s t eine Uni! Oberstadt. War eine tolle Zeit!

    Warum haben Sie gerade an der Philipps-Universität studiert?
    Weil der Fachbereich Volkswirtschaft einen Schwerpunkt „Ordnungspolitik“ hatte, der den Systemvergleich Marktwirtschaft/Zentralverwaltungswirtschaft in den Mittelpunkt stellte.

    Wo haben Sie in Marburg gewohnt?
    Zuerst im Studentenwohnheim „Jung-Stilling-Haus“, danach in einer kleinen Wohnung auf dem Richtsberg.

    Warum haben Sie Volkswirtschaft studiert, was war Ihr damaliger Berufswunsch?
    Ich habe mich schon als Schüler für Wirtschaft interessiert. Außerdem wollte ich schon immer Ökonomie, Management und Journalismus verbinden.

    Wer hat Sie in der Studienwahl beraten oder beeinflusst?
    Niemand.

    Haben Sie an einen Ihrer Professoren besondere Erinnerungen?
    Ja, besonders gute Erinnerungen habe ich an meinen Doktorvater, Professor Dr. Walter Hamm. Interessant und innovativ waren die Anregungen von Professor Dr. Jochen Röpke.

    Was ist Ihre schönste Erinnerung oder Ihr größter Erfolg während der Studienzeit gewesen?
    Schöne Erinnerungen sind zahllos. Ein Erfolg war der schnelle Abschluss als Diplom Volkswirt nach neun Semestern. Der größte Erfolg war, meine Frau Maria gefunden zu haben – im gleichen Studium.

    An was erinnern Sie sich besonders ungern?
    Die Fußmärsche hoch in die Oberstadt.

    Was haben Sie in Ihren Studienjahren neben dem fachlichen Wissen gelernt?
    Den Wert von Bildung allgemein. Investitionen in das eigene „Human capital“ lohnen sich, intellektuelle Zusammenarbeit macht Spaß.

    Haben Sie sich neben dem Studium engagiert?
    Nebenbei habe ich als Journalist für die Hessische Allgemeine und den Hessischen Rundfunk gearbeitet, um mein Studium zu finanzieren

    Sehen Sie Ihr Studium als notwendige Voraussetzung für Ihren beruflichen Werdegang beziehungsweise für Ihre derzeitige Tätigkeit?
    Ja, unbedingt.

    Was würden Sie heute anders machen, wenn Sie noch einmal ein zwanzigjähriger Studienanfänger wären?
    Nichts. Zuerst eine Berufsausbildung, dann unbedingt ein Studium.

    Zu welchem Thema schrieben Sie Ihre Examensarbeit, haben Sie sie bis heute aufgehoben?
    Wettbewerbspolitische Beurteilung des geplanten Europäischen Stilllegungsfonds für die Binnenschiffahrt“,1977. Ich habe sie noch, genau wie die Dissertation.

    Haben Sie zu ehemaligen Kommilitonen noch Kontakt?
    Ja. Zu meiner Frau Maria ist der Kontakt sehr intensiv, zu anderen Mitgliedern der Arbeitsgruppe auch. Wir haben uns regelmäßig getroffen.

    Wann und in welcher Funktion sind Sie zum letzten Mal in einer Universität gewesen?
    An der Universität Gießen war ich vor drei Jahren Dozent, in Marburg war ich bei einem Ehemaligentreffen und in der Universität Mainz, wo ich promoviert habe, war ich vor kurzem „Gasthörer“ bei einer Jubiläumsvorlesung.

    Was würden Sie heute der Philipps-Universität wünschen?
    Alles Gute!

    Quelle: UniJournal April 2005