Hauptinhalt

Vom Marburger Studenten zum
... zum Präsidenten des Bundesverfassungsschutzes

Das Foto zeigt Thomas Haldenwang, den Präsidenten des Bundesverfassungsschutzes.
Foto: Bundesamt für Verfassungsschutz.

Was fällt Ihnen spontan zu Marburg ein?

Marburg ist eine malerische Studentenstadt mit historischer Altstadt in ländlicher Umgebung mit hohem Freizeitwert und natürlich einer Top-Uni.

Wo haben Sie damals gewohnt?

Ich habe zwei Jahre in der Weidenhäuser Straße in einem uralten Fachwerkhaus gewohnt, später dann über einer Gaststätte in der Biegenstraße. Heute befindet sich dort ein modernes Hotel.

Warum haben Sie gerade an der Philipps-Universität studiert?

An die Philipps Universität hat mich die ZVS (Zentrale Vergabestelle für Studienplätze) geschickt. Eigentlich wollte ich nur zwei Semester bleiben, dann habe ich die Stadt so geliebt, dass ich insgesamt sechs Jahre dort gelebt habe.

Warum haben Sie Rechtswissenschaften studiert?

Rechtliche Fragestellungen insbesondere aus dem Staats- und Verfassungsrecht haben mich schon als Jugendlicher sehr interessiert. Außerdem vermutete ich, dass mir meine gewisse Redebegabung in einem juristischen Beruf nützlich sein könnte.

Was war damals Ihr Berufswunsch?

Richter oder Staatsanwalt.

Was haben Sie neben dem fachlichen Wissen gelernt?

Ich habe in einer Wohngemeinschaft mit sehr wunderbaren, aber auch unterschiedlichen Menschen gelebt. Konflikte gab es zahlreich. Das war eine Schule fürs Leben.

Haben Sie einzelne Professorinnen oder Professoren in besonderer Erinnerung?

Die juristische Fakultät verfügte damals über eine ganze Reihe herausragender Professoren. Professorinnen gab es damals nicht. Ich kam mit allen Lehrkräften gut zurecht, da ist keiner besonders herauszustellen.

Wie haben Sie Ihr Studium finanziert?

Auch wenn ich von meinen Eltern gut unterstützt wurde, habe ich in den Ferien meist in unterschiedlichen Fabriken gejobbt. Ich habe Medikamente zusammengerührt, Tapeten gewickelt, Telefonzellen zusammengeschraubt und Aluminiumprofile gesägt. Die Erfahrungen an der Basis der Arbeitswelt möchte ich nicht missen.

Was ist Ihre schönste Erinnerung an die Studienzeit?

Ich habe in Marburg meine Frau kennengelernt. Wir sind jetzt seit 37 Jahren zusammen.

Was haben Sie in Ihrer Freizeit gemacht?

Sehr viel Sport, tolle Uni-Feten, nächtelange Skat- und Doppelkopfrunden, Wanderungen in der Umgebung, mich mit vielen guten Freundinnen und Freunden getroffen.

Haben Sie noch Kontakt zu ehemaligen Kommilitoninnen und Kommilitonen?

Wir waren eine eingeschworene Clique von zirka 20 Juristinnen und Juristen. Alle sind in ihren verschiedenen juristischen Berufen vom Anwalt zum Professor, von der Richterin zur Bundestagsjuristin sehr erfolgreich. Wir sind über ganz Deutschland verstreut. Gelegentlich gibt es auch Treffen.

Wie sind Sie zu Ihrer heutigen Position gekommen?

Darüber könnte ich ein Buch schreiben. Es ist der herausforderndste, aber auch zufriedenstellendste Beruf, den ich mir vorstellen kann.

Thomas Haldenwang

Seit Ende 2018 leitet Thomas Haldenwang das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV). Sein akademisches Rüstzeug hat der Jurist in Marburg erworben. 1960 in Wuppertal geboren, studierte er von 1981 bis 1988 an der Philipps-Universität Rechtswissenschaften. Nach einem Referendariat am Oberlandesgericht Düsseldorf war er von 1991 bis 2000 im Bundesinnenministerium tätig. Im Jahr 2000 wechselte er in das Bundesverwaltungsamt.

Sechs Jahre später kehrte Haldenwang in das Bundesinnenministerium zurück. Von 2009 an war er im Bundesamt für Verfassungsschutz tätig, wurde Ende 2012 zum Ständigen Vertreter des Vizepräsidenten und im August 2013 zum Vizepräsidenten ernannt. Als Thomas Haldenwang im November 2018 in der Nachfolge von Hans-Georg Maaßen zum Präsidenten des Bundesamts ernannt wurde, kündigte er an, seine Behörde werde künftig das rechtsextreme Lager stärker ins Visier nehmen.

„Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus sind aktuell die größte Gefahr für die Demokratie in Deutschland“, erklärte der oberste Verfassungsschützer im März 2020. „Als Frühwarnsystem dürfen wir unser Augenmerk nicht nur auf gewaltorientierte Extremisten legen, sondern müssen auch diejenigen im Blick haben, die verbal zündeln.“

Text: Ellen Thun

Der Fragebogen war im Marburger Unijournal Nr. 61 aus dem Sommer 2020 abgedruckt. Das komplette Heft finden Sie hier.