24.03.2013
Mehr als Bücher
Bibliotheksleiter Hubertus Neuhausen stellt sein Bibliothekskonzept vor
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Bei der Präsentation der Buch- und Zeitschriftenbestände im Neubau soll ein möglichst direkter Zugang das leitende Prinzip sein: Die Bestände der ehemaligen dezentralen Bibliotheken (ca. 1,1 Mio. Bände) sowie die Neuerwerbungen ab 2011 aus der ZB werden in einem sogenannten Freihandbereich den Benutzer/innen direkt zugänglich gemacht und nach der Ordnung der Wissenschaftsfächer angeboten. Innerhalb dieses Freihandbereiches sind die Arbeitsplätze in 20 sogenannten „Leseinseln“ direkt bei den Buchbeständen der einzelnen Wissenschaftsfächer angesiedelt. So sind ausreichend Leseplätze für alle Benutzer/innen vorhanden, und eine intensive Arbeit ist direkt bei einem fachlichen Bestand möglich. Im Gegensatz zur bisherigen Situation ermöglicht die neue ZB mühelos die Beschäftigung mit einem fächerübergreifenden Anliegen, da die Buchbestände der benachbarten geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen in einem Gebäude aufgestellt sind. In den Magazinen der neuen ZB werden 1,4 Millionen Bände bereit gehalten, die den Altbestand enthalten. Diese Bestände sind gerade für die geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung wichtig. Die neueren Magazinbestände (ab 1958, sog. „Buchstabensignaturen“) werden in einem Freihandmagazin für die Benutzer direkt zugänglich sein, die älteren Bestände innerhalb kürzester Zeit auf Bestellung zur Verfügung gestellt werden. Die Anforderungen an eine Universitätsbibliothek haben sich in den letzten Jahren erheblich gewandelt: Im zunehmenden Maße bieten Bibliotheken heute elektronische Medien (E-Journals, E-Books und Datenbanken) an, die nicht nur über das Netz außerhalb der Philipps-Universität, sondern auch in der Bibliothek selbst bequem zugänglich sein müssen. Die UB Marburg hat die Aufgabe gerne angenommen, die Philipps-Universität mit lizenzpflichtiger elektronischer Literatur und Informationsangeboten zu versorgen, die dafür erforderliche Erschließung zu leisten und die nötigen Schulungsangebote zur Verfügung zu stellen. Dieser Herausforderung wollen wir uns auch in den nächsten Jahren weiterhin stellen und zeitgemäße Angebotsformen entwickeln und anbieten. Universitätsbibliotheken haben heute zunehmend die Funktion eines „Learning-Centers“, des zentralen Lernortes für die Studierenden einer Universität. Es gilt heute als vollkommen selbstverständlich für die Studierenden, das Lernen aus Büchern mit e-Learning-Angeboten über das Internet zu kombinieren (in Marburg die über das Internet zugängliche e-Learning-Plattform Ilias). Daher wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Hochschulrechenzentrum das heutige Gebäude der UB Marburg, aber auch in der Planung das neue Gebäude im Campus Firmanei mit PC-Pools sowie mit einer umfassenden Versorgung mit W-Lan ausgestattet. Die modernen Geistes- und Sozialwissenschaften beziehen sich nicht nur auf gedruckte Quellen in Büchern und Zeitschriften, es werden heute die vielfältigsten Formen von multimedialen Angeboten in Lehre und Forschung integriert. Ein/e moderne/r Shakespeare-Forscher/in beschäftigt sich bspw. nicht nur mit der Textgrundlage, sondern bezieht in die literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung auch moderne Theaterinszenierungen in Form von Verfilmungen, Opern etc. mit ein. Für die modernen Orient-, aber auch Geschichts-, Sozial- und Politikwissenschaften spielen Filme, wie sie bspw. auf der bekannten Internetplattform YouTube angeboten werden, aber auch Mitschnitte aus dem Fernsehen im akademischen Unterricht und für die wissenschaftliche Auseinandersetzung eine erhebliche Rolle. In den Leseinseln gibt es Computer- sowie Laptop-Arbeitsplätze, und es wird ein „Medienzentrum“ geben, u. a. mit Computerarbeitsplätzen mit Kopfhörern für AV-Medien einschließlich Filmen, Kabinen mit Fernsehern, die über einen internationalen Satellitenempfang verfügen, mit Abspielgeräten für Schallplatten- und Musik-CDs ebenfalls mit Kopfhörern sowie mit hoch technisierten Gruppenarbeitsräumen für multimediale Bearbeitungen. Es soll eine Lern- und Forschungsumgebung mit bibliotheksfachlicher und technischer Beratung zur Verfügung gestellt werden, in der an einem Ort alleine oder in Gruppen ein zeitsparendes und effektives fächerübergreifendes Arbeiten mit den unterschiedlichsten Medientypen einschließlich eines Internetzuganges möglich ist. Eine wesentliche Voraussetzung ist dafür eine enge Zusammenarbeit mit dem HRZ. Neben den neuen Möglichkeiten, die die aktuelle technische Entwicklung und die E-Medien bieten, spielt der hervorragende Altbestand der Universitätsbibliothek eine wesentliche Rolle für das Selbstverständnis der UB. Im Neubau im Campus Firmanei können große Teile des Altbestandes zum ersten Mal unter angemessenen klimatischen Bedingungen aufbewahrt werden. Er wird in einem eigenen Sonderlesesaal mit guten Öffnungszeiten und angemessener Klimatisierung zur Benutzung angeboten. Schließlich war es möglich, für die akademische Lehre ein kleines Digitalisierungszentrum aufzubauen, in dem Bücher aus dem Altbestand für die Lehre digitalisiert werden. Eine große Universitätsbibliothek ist immer auch ein Ort der Begegnung und des Austauschs und ein zentraler Platz des studentischen Lebens. Ein großzügiges Foyer, eine Cafeteria mit Außenanlagen und ein attraktiver Vorplatz an einem der Ausgänge der ZB sollen dafür einen geeigneten Rahmen bieten. Mit dem Standort im Campus Firmanei liegt die neue ZB mitten in der Stadt. Sie steht den Bürger/innen Marburgs mit ihren vielfältigen Möglichkeiten zur Verfügung und kann so dem geistigen Leben in der Stadt wichtige Impulse vermitteln. Die Universitätsbibliothek sieht sich auch als kulturelle Einrichtung in der Stadt Marburg. Sie verfügt über eine große Ausstellungsfläche und einen Vortragsraum, so dass sie auch weiterhin Ausstellungen präsentieren und die unterschiedlichsten Veranstaltungen ausrichten kann. Eine Zusammenarbeit mit anderen kulturellen Einrichtungen in Marburg wird bereits praktiziert und soll nach Bezug des Neubaus weiter ausgebaut werden. |

