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Wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge in Marburg

Ökonomisch betrachtet schließt ein Studierender bei seiner Einschreibung einen Vertrag mit seiner Hochschule ab, der auf den Erhalt eines berufsqualifizierenden Abschlusses zielt und mit Rechten und Pflichten für beide Parteien ver­bunden ist. Der Studierende hat die Pflicht, sich mit vollem Einsatz dem Studium zu widmen (was das heißt, soll hier nicht vertieft werden), und das Recht, eine (Aus-)­Bildung zu erhalten, die ihn für den Arbeitsmarkt quali­fiziert. Für die Lehrenden gilt dies entsprechend umgekehrt.

Was heißt das? Nimmt man das Ergebnis des (jüngsten) Treffens der europäischen Bildungs­minister, das Frame­work for Qualifications of The European Higher Education Area, als Basis, so gilt: Alle Hochschulabschlüsse sind Teil eines lebenslangen Lernprozesses. Sie sollen

das Wissen des Studierenden verbreitern; das Wissen des Studierenden vertiefen; dem Stu­die­renden die Fähigkeit geben, sich neues Wissen zu erschließen.

Was folgt daraus für eine wirt­schaftswissenschaftliche Universitätsausbildung? Das hängt zunächst vom Studien­gang ab, für den sich der Studierende entscheidet. In Marburg stehen verschiedene Wege zur Wahl:

  • zwei Diplomstudiengänge (Betriebs­wirt­schafts­lehre und Volkswirtschaftslehre), in die vor­­­aus­sichtlich noch bis SoSe 2007 aufgenommen wird,
  • oder alternativ zunächst ein im Vergleich zum Diplom um 3 Semester verkürzter Studiengang mit dem Ab­schluss Bachelor of Science in Business Ad­mi­ni­stration oder Bachelor of Science in Economics (ab WiSe 2006/07),
  • daran anschließend und darauf aufbauend ein Studien­gang zum Master of Science in Business Admi­ni­stration oder zum Master of Science in Economics and Insti­tutions,

oder ein interdisziplinäres weiterführendes Studium zum Master of Arts in International Development Studies oder zum Master of Arts in European Inte­gration (ab WiSe 2005/06).

Zusätzlich gibt es ein Angebot von Weiter­bildungs­studien­gängen, auf die an anderer Stelle ein­ge­gangen wird.

Vorgesehen ist, dass nur ein Teil aller Bachelor  in einen Master-Studiengang übergehen. Der Bachelor ist damit künftig der berufsqualifizierende Ab­schluss, während ein Master entweder für eine Tätigkeit in der Forschung  oder für eine spezi­alisierte Tätigkeit außerhalb der Universität aus­bildet.

Die Unterteilung in Bachelor/Master of Arts oder of Science weist auf Schwerpunktsetzungen in Bezug auf die genannten Lernziele hin. Während erstere ein stärkeres Gewicht auf problemorientiertes Lernen (und damit auf un­mit­telbare Wissens­vertiefung und verbreiterung) legen, betonen letztere das methodenorientierte Ler­nen (und damit die Fähigkeit zur Wissens­er­schließung).

Um die Wichtigkeit eines gut bestückten Methoden-Werkzeugkastens für den Start des lebenslangen Lernens im Beruf zu betonen, hat sich unser Fachbereich entschieden, die (Basis-) Ab­schlüsse in BWL und VWL als Bachelor bzw. Master of Science zu gestalten.

Im Bachelor sind dabei die ersten beiden Studienjahre für Betriebs- und Volkswirte nahezu gleich, da die beiden Wissenschaften gleiche Sachverhalte aus unter­schied­lichen Perspektiven beleuchten. Diese erste Studien­phase vermittelt den Studierenden zunächst Fähig­kei­ten in den sogenannten Hilfswissenschaften (Mathe­ma­­tik, Statistik, Jura). Darüber hinaus erlernen die Studierenden grundlegende Methoden betriebs- und volks­wirtschaftlicher Analyse. Im dritten Studienjahr spezialisieren sich die Studierenden in ihrer gewählten Fachrichtung.

Der volkswirtschaftliche Studiengang zeichnet sich dabei durch eine institutionen­ökonomische Ausrichtung aus. Die Frage, wie mit Institutionen (Regeln) umzugehen ist, wird sowohl aus Sicht der Unternehmen, die ihr Handeln an herrschende Gesetze anpassen müssen, als auch der Regelsetzer (z.B. Staaten oder übergeordnete Instanzen wie etwa die EU) diskutiert. Absolventen sind damit für Tätigkeiten in Unternehmen wie in öffentlichen Einrich­tungen hervor­ragend vorbereitet.

Der betriebs­wirt­schaftliche Studiengang zeichnet sich durch ein breites Angebot betriebs­wirt­schaftlicher Teil­disziplinen aus, das es den Studierenden gestattet, sich ein eigenes Profil zu wählen. Durch eine gute betriebs­wirtschaftliche Allgemein­bildung und eine Vertiefung in zwei bis drei Teilbereichen sind Absolventen auf den Einsatz in allen Unternehmensbereichen exzellent vor­bereitet. Die jeweilige Vertiefung wird dann in den beiden Master-Studiengängen BWL und VWL fortgesetzt.

Die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen ist ein wesentlicher Aspekt aller Studiengänge. Darüber hinaus ermöglicht das Studium sowohl einen Auslandsaufenthalt als auch eine Zusammenarbeit mit Unternehmen, sodass die Absolventen an ihren jeweiligen Wirkungsstätten sofort einsetzbar sind.

Die beiden weiterführenden Master European Integration und Development Studies sollen Studierende, die bereits über einen Hochschulabschluss und evtl. Berufserfahrung verfügen, auf ein konkretes Arbeitsgebiet vorbereiten. Da sowohl die europäische Integration als auch die inter­na­tionale Entwicklungszusammenarbeit breit ge­fä­cherte Kom­petenzen  erfordern, sind diese Studiengänge inter­dis­ziplinär in Zusammenarbeit mit den Fachbereichen Rechts­wis­senschaften, Gesellschaftswissenschaften und Philo­sophie, Geschichte und Kulturwissenschaft sowie Geo­graphie gestaltet. Beide Studiengänge sind forschungs­orientiert und sehen zur Vorbereitung auf das jeweilige Arbeitsgebiet einen ausgedehnten Praktikumsteil vor. Absolventen dieser Studiengänge sind damit für die Zusammenarbeit in Gruppen unterschiedlicher fachlicher oder kultureller Herkunft, wie sie in internationalen Gremien und Verbänden, NGOs oder multinationalen Unternehmen zu finden sind, hervorragend geeignet.

Bachelor- und Masterstudiengänge sind auf die ver­schie­denen Phasen des lebenslangen Lernprozesses angepasst und können damit ideal das jeweilige Ausbildungsziel erfreichen. Das Diplom soll dagegen alle bisher angesprochenen Ausbildungsbedürfnisse befriedigen.  Um dies zu ermöglichen, gilt seit dem Sommersemester 2005 in Marburg eine Diplomprüfungsordnung, die einige gedankliche Anleihen bei den dargestellten Bachelor- und Masterkonzepten macht.  Dazu gehört eine starke Methodenfundierung sowie eine Modulari­sierung der Prü­fungen, die den Studierenden eine eigene Profilbildung erlaubt und gleichzeitig die Möglichkeit eröffnet, Praxis- und Auslandserfahrung in das Studium einzubeziehen. Dass dieser moderne und den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes zugewandte Studiengang bald Geschichte sein wird, zeigt, in welchem Umbruch sich unsere Universitätslandschaft befindet.

Evelyn Korn, Prüfungsausschussvorsitzende 

Zuletzt aktualisiert: 16.05.2007 · Steymann

 
 
 
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