22.12.2008
AnthroLab: Vortrag Dr. Lioba Rossbach de Olmos
Erster Vortag des neuen "Marburger Anthrolab" in der Völkerkunde
Zeit:
15.01.2009
18:00 h
Ort:
Kugelhaus, Seminarraum 1 OG., Kugelgasse 10,
Referent/Beteiligte:
Dr. Lioba Rossbach de Olmos
Weitere Informationen:
Zufall oder Planbarkeit: Multilokale Feldforschungen zur afrokubanischen Santería-Religion
Die ethnologische Feldforschung erfolgte lange Jahre in der
Annahme, dass ein zeitlich und örtlich begrenzter Aufenthalt mit
Beobachtungen und Gesprächen einen kontrollier- und planbaren Zugang zu
den regelhaften Strukturen, Funktionen und Mustern einer fremden Kultur
gewährt. Unter dem Eindruck der heutigen Globalisierung und Migration,
die komplexe Kulturkontakte und -mischungen hervorbringen, ist diese
Annahme kaum aufrechtzuerhalten. Mit den Kulturen wurden auch die
Ethnologen mobil und haben neue Instrumente, wie die "multi-lokale" und
"transnationale" Forschung, entwickelt. Das Problem der Kontrollier-
und Planbarkeit ist damit aber nicht gelöst, sondern eher verschärft:
Denn die an mehreren Schauplätzen zusammengetragenen Daten sind in
hohem Maße Ergebnis von Unwägbarkeiten, in denen sich das kulturell
Fremde nicht mehr als regelhaft, sondern primär als bruchstückhaft
darstellt. Was dies für die Ethnologie bedeutet, wird anhand von
jüngsten Feldforschungserfahrungen zur afrokubanischen
Santería-Religion in Deutschland und in Kuba thematisiert. Welchen
Einfluss hätte es auf die Ergebnisse des in der Marburger Völkerkunde
durchgeführten Santería-Projektes, wenn die Ethnologin nicht den einen,
sondern einen anderen ihr aus Deutschland bekannten Orakelpriester in
Kuba getroffen hätte?
Dr. Lioba Rossbach de Olmos
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im
Fachgebiet Völkerkunde des Instituts für Vergleichende Kulturforschung
der Philipps-Universität Marburg
Vorstellung des Projekts siehe hier.


