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Atomenergie

Atomenergie hat in Deutschland einen Anteil von 31,2 Prozent an der Stromerzeugung. Das ist zwar ein deutlich geringerer Anteil als der von Braun- und Steinkohle (46,7 Prozent), aber dennoch um einiges mehr als der Anteil von Wasser- oder Windkraft (3,9 Prozent) und der von Erdgas (7,9 Prozent)[1]. Die Kernenergie ist damit ein wichtiger Bestandteil in der deutschen Energieversorgung.

Abb. 1: Stromerzeugung in Deutschland

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Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie 2007c, eigene Grafik


Noch deutlicher wird dies bei der Betrachtung des Anteils der Kernenergie an der Grundlast; also an dem rund um die Uhr bereitgestellten Strom. Hier liegt der Anteil von Atomenergie mit 50, 3 Prozent über dem von Braunkohle mit 44,3 Prozent und dem von Laufwasser mit 5,4 Prozent. Strom aus Solar- oder Windenergie kann hingegen nicht zur Grundlast eingesetzt werden, da hier keine kontinuierliche Stromproduktion möglich ist[2].

Technik

Um mithilfe von Kernenergie elektrischen Strom zu erzeugen, werden in Kernkraftwerken gesteuerte Kettenreaktionen von Kernspaltungen durchgeführt. Kernkraftwerke sind, wie zum Beispiel auch Kohlekraftwerke, Wärmekraftwerke. Das bedeutet, dass zunächst Wärme erzeugt wird, die über verschiedene Schritte in Strom umgewandelt wird. Bei Kernspaltungen entsteht  durch die Freisetzung von Kernbindungsenergie Wärme, die dazu verwendet wird ein Kühlmedium (z.B. Wasser) zu erhitzen. Der dabei entstehende Dampf (Wasserdampf) treibt Turbinen an. Deren Bewegungsenergie wird über einen Elektrogenerator in elektrische Energie umgewandelt[3].

Politik

Zur Diversifikation der Energiequellen und zur Reduzierung der Importabhängigkeit scheint sich Atomenergie besonders gut anzubieten. So wird der Großteil des Bedarfs an Uran aus Kanada und Australien importiert; also aus innen- und außenpolitisch stabilen Regionen und gilt damit als langfristig gesichert. Preissteigerungen bei Rohstoffen zur Energieerzeugung in der Atomenergie wirken sich sehr viel weniger auf den Strompreis aus als dies bei fossilen Brennstoffen wie Kohle oder Gas der Fall ist. Das liegt daran, dass der Brennstoff selbst nur einen kleinen Teil von etwa drei bis fünf Prozent der Stromerzeugungskosten ausmacht. Die langfristige Nutzung der Atomenergie könnte steigenden Strompreisen also entgegenstehen[4].

Da Atomkraftwerke bei der Erzeugung von Energie kein Kohlenstoffdioxid ausstoßen, scheint die Atomenergie in Anbetracht des globalen Klimawandels und der Notwendigkeit zur Reduzierung klimarelevanter Gase ebenfalls attraktiv. Mit den Atomkraftwerken in Deutschland wird der CO2-Ausstoß jährlich um etwa 150 Millionen Tonnen reduziert[5]. Auch im Lebenszyklusvergleich (ins Glossar) zu anderen emissionsarmen Energietechnologien steht die Atomenergie gut da (siehe Abb. 2).

Abb. 2: Emissionen im Lebenszyklusvergleich

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Quelle: Mayer-Spohn u.a. 2007

Trotz dieser eindeutig positiven Aspekte wird kaum eine andere Energietechnologie so kontrovers diskutiert wie die Atomenergie. Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Sicherheitsgefahren
  • Wirtschaftlichkeit von Atomenergie
  • Umweltrisiken
  • Endlagerungsproblematik


Sicherheitsgefahren

Ein Aspekt ist, dass immer eine Restgefahr von Unfällen in Atomkraftwerken besteht, die sich massiv auf die Menschen und die Umwelt auswirken können. Atomenergieproduzenten versichern, dass die Reaktoren sicher seien, da zum Beispiel bei Störfällen Ersatz-Systeme existieren, die bei einem Systemausfall einspringen können und damit den SuperGAU verhindern. Die Sicherheitsanforderungen, die (deutsche) Atomreaktoren erfüllen müssen sind immens, aber trotz allem besteht immer ein Restrisiko von katastrophalen Unfällen[6]. Vor allem seit den terroristischen Anschlägen des 11. September 2001 kam die Angst vor einem möglichen Terroranschlag auf ein Atomkraftwerk hinzu. Dieser Gefahr sicherheitstechnisch entgegenzutreten erweist sich als äußerst schwierig und es wurden bisher kaum politische Maßnahmen daraus abgeleitet[7].

Wirtschaftlichkeit

Die Atomenergie hat darüber hinaus mit der mangelnden Wirtschaftlichkeit zu kämpfen. Die Brennstoff- und Betriebskosten sind zwar im Vergleich zu anderen Energietechnologien äußerst günstig, sie können die hohen Anfangsinvestitionen jedoch nicht ausgleichen. Hinzu kommen außerdem hohe Kosten durch immer neue Sicherheitsvorschriften und Wartungsarbeiten[8]. Im Vergleich zu anderen Energietechnologien rentiert sich die Atomenergie nicht, erst recht nicht bei einer fortschreitenden Liberalisierung der Strommärkte. Während die Kosten für neue Kernkraftwerke mit 2000 Dollar pro Kilowatt kalkuliert werden, liegen sie bei Kohlekraftwerken bei 1200 Dollar pro Kilowatt und bei Erdgaskraftwerken sogar nur bei 500 Dollar pro Kilowattstunde[9]. Atomenergie kann nur wettbewerbsfähig sein, wenn der CO2-Ausstoß fossiler Energietechnologien mit hohen Kosten verknüpft wird[10].

Umweltrisiken

Wie oben schon erwähnt leisten Atomkraftwerke aktuell durchaus einen Beitrag zur Einsparung von CO2-Emissionen und scheinen dadurch das Ziel einer umweltverträglichen Energieerzeugung zunächst zu unterstützen. Doch um diesen Beitrag zu erweitern müsste man fossile Energieerzeugung mit nuklearer ersetzten. Doch hier zeigen sich die Grenzen der Atomenergie besonders deutlich: sollen nur 10 Prozent der weltweiten fossilen Energieproduktion durch Atomenergie ersetzt werden, so müssten mehr als 1000 Atomkraftwerke gebaut werden. Damit einher gingen nicht nur immense Investitionskosten, sondern auch die Produktion radioaktiven Abfalls und steigender Sicherheitsrisiken. Die Kontrolle zur Verhinderung von militärischem Missbrauch wäre kaum mehr möglich. Darüber hinaus wären die Uranressourcen sehr viel früher erschöpft. Geht man von einem aktuellen Uranverbrauch von 67 000 Tonnen pro Jahr aus, wird die Reichweite auf etwa 60 bis 70 Jahre geschätzt, wobei es auch optimistischere Annahmen gibt, die 200 Jahre prognostizieren. Mit einer Vervielfachung des Verbrauches würden diese Ressourcen dementsprechend schneller zu Neige gehen[11].

Abfallproblematik

Ein weiteres zentrales Problem bei der Nutzung von Kernenergie ist der Umgang mit dem bei der Energieerzeugung entstehenden radioaktiven Abfall[12]. Bislang gibt es weltweit (!) keine dauerhafte Lösung für die Endlagerung, obwohl kein Zweifel über die Notwendigkeit besteht[13]. In der EU fällt jährlich etwa 40 000 m³ radioaktiver Abfall an, der drei Eigenschaften besitzt: er ist wegen der (unterschiedlich starken) radioaktiven Strahlung zum Teil hochgiftig (radiotoxisch), die Halbwertszeit ist extrem lang und ein Teil der Abfälle produziert durch den Zerfall erhebliche Wärmemengen[14]. Bisher wird dieser Müll jedoch nur zwischengelagert. Besonders die Zwischenlager sind auf die Gefahr eines terroristischen Angriffs zum Beispiel durch einen gezielten Flugzeugabsturz nicht ausgelegt[15]. Die Lagerung in tiefen Erdschichten gilt als die sicherste, bringt jedoch weitere Probleme mit sich. So ist es schwer Gemeinden zu finden, in denen ein Endlager errichtet werden kann, da mit großem Widerstand der Bevölkerung zu rechnen ist. Auch die Frage nach der Kennzeichnung des Lagerortes ist noch nicht geklärt, da die Kennzeichnung aufgrund der langen Lagerzeiten über Generationen hinweg bestehen bleiben muss und der Verlust der Information gravierende Folgen für nachfolgende Generationen haben könnte[16].

Zusammenfassend lässt sich damit feststellen, dass die Atomenergie zwar ein wichtiger Energieträger in der aktuellen Energieversorgung ist, jedoch den Ansprüchen, die sich aus dem Zieldreieck ergeben, bei genauerem Hinsehen eigentlich nicht genügen kann, da weder Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit, noch die Umweltverträglichkeit langfristig gegeben sind.

 

 

Zuletzt aktualisiert: 05.02.2008 · Glasd

 
 
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