Forschungsschwerpunkte/Forschungsmethoden
Erwachsenenbildung/Weiterbildung (EB/WB) ist ein überaus dynamischer
Wachstumsbereich, in dem die klassischen Einrichtungen der öffentlich
geförderten EB (VHS, Kirchen, Gewerkschaften) längst von anderen
Segmenten überholt worden sind, wie die kommerzielle EB/WB
(Sprachenschule, Reiseanbieter, Fitness- und Sporteinrichtungen), die
alternative EB im Umfeld der neuen sozialen Bewegungen und vor allem
die betriebliche WB, die mit einem enormen Kapital- und Personaleinsatz
zum bedeutendsten Wachstumssegment der letzten fünfzehn Jahre
gehört.
Dieses breite institutionelle Spektrum ist Ausdruck der
gesellschaftlichen wie biographischen Bedeutung, die das lebenslange
Lernen mittlerweile für alle Erwachsenen gewonnen hat - und zwar in
allgemeiner, beruflicher und mitbürgerlicher Hinsicht. Die
Erwachsenenbildungsforschung steht damit vor der wichtigen Aufgabe, die
vielfältigen Formen des Lernens im Erwachsenenalter empirisch
gehaltvoll zu rekonstruieren und die Erziehungswissenschaft als eine
lebenslaufbezogene Wissenschaft zu profilieren.
Vor diesem Hintergrund sind meine eigenen Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte: Biographie- und TeilnehmerInnenforschung, Institutionen- und Professionsforschung, Theorie der Erwachsenenbildung und des lebenslangen Lernens, zu verorten, die auf diese unterschiedlichen Institutionalisierungskontexte des Lernens Erwachsener bezogen sind. Durch die Kombination von drei unterschiedlichen Zugängen - einem historischen, einem vergleichenden sowie einem empirisch-qualitativen Zugang - versuche ich in einer mehrperspektivischen Fokussierung, die Erwachsenenbildung/Weiterbildung einerseits als komplexe, sozial und individuell bedeutsame Realität in den Blick zu bekommen, sie andererseits aber auch an die praktischen Erfahrungen institutioneller und individueller Akteure rückzubinden. Forschungsmethodisch bin ich insbesondere mit historischen, vergleichenden und qualitativen Forschungsmethoden (narratives bzw. thematisch fokussiertes Interview, teilnehmende Beobachtung, Fallanalyse) vertraut.
In biographischer Perspektive interessieren mich vor allem die
Rekonstruktion individueller Bildungsbiographien, die Vielfalt
institutioneller Aneignungskontexte und biographischer Aneignungsformen
(Bildung, Genuß, Geselligkeit, Tätigkeit) sowie die Muster
biographischer Selbstpräsentation (beispielsweise
Selbstpädagogisierung).
In institutioneller Perspektive beschäftige ich mich sowohl mit
klassischen Institutions- und Organisationskontexten der
Erwachsenenbildung (Volkshochschule, Heimvolkshochschule, Funkkolleg)
als auch mit Lernorten jenseits der traditionellen
Erwachsenenbildungseinrichtungen (Verein, Bücherei, Reisen, Fernsehen,
Betrieb).
In professionsbezogener Perspektive untersuche ich insbesondere die
unterschiedlichen Vermittlungsformen, die Erwachsenenbildner und
Erwachsenenbildnerinnen in diesen differenten Institutionskontexten
anwenden. Methodenfragen als einem zentralen Aspekt professionellen
Handelns bin ich dabei in vielfältiger Weise nachgegangen (u.a.
Vortrag, Arbeitsgemeinschaft, Reisen, individualisierende
Büchereiarbeit, Animation, Selbstlernmethoden, medial inszeniertes
Lernen).
Theoretische Zielperspektive dieser verschiedenen Studien ist der
Versuch, die bildungstheoretischen und zeitdiagnostischen Einzelbefunde
in einer Theorie lebenslangen Lernens zusammenzuführen, die die
klassischen, lebensweltlich-gebundenen, medialen und betrieblichen
Institutionskontexte der Erwachsenenbildung/Weiterbildung gleichermaßen
umfaßt und in die dabei auch das Erkenntnispotential
historisch-vergleichender Forschung eingebunden ist.

