Bedeutende Persönlichkeiten der Philipps-Universität
Goclenius
Eobanus Hartmann
Schütz
Papin Wolff
Lomonossow
Savigny
Bunsen
Zeller
Sybel
Liebknecht
Duden
Cohen
Vietor
Braun
Kossel
Dehio
Natorp
Yersin
Troeltsch
Aschoff
Otto Loewi Breitscheid
Sauerbruch
Le Fort
Hamann
Meerwein Hahn Ortega y Gasset Barth
Benn
T. S. Eliot
Heidegger
Pasternak Reuter
Berthold
Ziegler Wittig Düker
Röpke
Heinemann
Gadamer Zenker Butenandt
Arendt
Abendroth Schimmel Habermas
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Johann Feige (1482-1543): Der kenntnisreiche Verwaltungsbeamte und geschickte Diplomat half dem Landgrafen Philipp, dessen engster Vertrauter er war, 1527 die Universität zu gründen. Als ihr erster Kanzler trieb er den wissenschaftlichen Ausbau voran. -> mehr Euricius Cordus (1486-1535): Der deutsche Humanist, Dichter, Arzt und Botaniker war von 1527 bis 1533 Professor der Medizin an der neu gegründeten Universität Marburg. Cordus gilt als Mitbegründer der wissenschaftlichen Botanik in Deutschland und legte den ersten Botanischen Garten in Marburg an. (Euricius Cordus-Medaille des Fachbereichs Medizin) Eobanus Hessus (1488-1540) wirkte von 1536 bis 1540 als Professor der Geschichte in Marburg. Luther bezeichnete den großen deutschen Humanisten als „König der Dichter“. Adam Krafft (1493-1558): Der evangelische Kirchenreformer Hessens wurde 1525 wurde er von Landgraf Philipp zum landgräflichen Prediger und Visitator ernannt, zwei Jahre später zum Professor an der neu gegründeten Universität Marburg. (Gedenktafel am Haus Barfüßerstraße) Andreas Hyperius (1511-1564), reformierter Theologe und Reformator, der die wissenschaftliche Predigtlehre begründete. Adam Lonitzer (Lonicerus) (1528-1586): Der deutsche Naturforscher, Arzt und Botaniker studierte von 1541 bis 1545 Philosophie und Mathematik in Marburg, wo er 1553 einen Lehrstuhl für Mathematik erhielt. Sein Standardwerk umspannte das vorhandene Wissen über Pflanzen und deren medizinisch-pharmazeutische Wirkung. Carl von Linné ehrte ihn deshalb durch die Namensgebung der Gattung Lonicera. Catharinus Dulcis (1540-1626) wurde 1606 an die Philipps-Universität auf die wohl deutschlandweit erste Professur für französische und italienische Sprache berufen: damit erlangten beiden Sprachen eine Bedeutung, die weit über den praktischen Sprachunterricht hinausging - vgl. ausführliche Darstellung zu Dulcis. Rudolph Goclenius der Ältere (1547-1628): Nach seinem Studium u.a. in Marburg lehrte er ab 1581 Logik und Mathematik bzw. ab 1603 Logik und Ethik an der Philipps-Universität. Als so genannter Hexentheoretiker analysierte er die Tatbestände der Gotteslästerung und des Teufelspaktes und schuf damit Grundlage und Legitimation der neuzeitlichen Hexenprozesse. Hermann Vultejus (1555-1634): Der Rechtsgelehrte und Theologe folgte 1580 einem Ruf als Professor für Altgriechisch und Rechtswissenschaft an die Philipps-Universität und wurde 1592 deren Rektor. Johannes Hartmann (1568-1631): Der Naturforscher wurde 1609 in Marburg zum ordentlichen Professor für Chymiatrie ernannt, wodurch gleichzeitig der weltweit erste Lehrstuhl für Chemie geschaffen war. Hartmann gründete außerdem das erste chemische Universitätslaboratorium in Deutschland, in dem die Studierenden die „Kräfte und Massen der Natur“ in Experimenten erforschen konnten. Heinrich Schütz (1585-1672): Der Komponist der ersten deutschen Oper und des ersten modernen deutschen Oratoriums gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Kirchenmusik vor Johann Sebastian Bach. Neben seinem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Marburg (um 1610) erlernte er das Orgelspiel und beschäftigte sich mit Kompostionstechniken. (Erinnerungstafel am Kugelhaus) Johann Balthasar Schupp (1610-1661): Der Theologe, geistliche Lyriker und satirische Schriftsteller studierte um 1625 Theologie und Philosophie in Marburg, wo er dann ab1635 Professor für Geschichte und Beredsamkeit wurde. Schupp veröffentlichte neben seinen theologischen Schriften auch satirische Erzählungen, die ihm ein Publikationsverbot einbrachten. Denis Papin (1647-1712): Der französischer Physiker, Mediziner und Mathematiker lehrte von 1687 bis 1695 an der Philipps-Universität neben Mathematik und Hydraulik auch Sonnenuhrkunde und Astronomie. Bei seiner 1690 entwickelten Versuchsdampfmaschine handelte es sich um die erste funktionierende Wärmekraftmaschine überhaupt. (-> mehr) (Erinnerungstafel an der Mauer der Alten Universität und am Haus Markt 15) Eberhard Werner Happel (1657-1690), der 1663 Mathematik, Medizin und Jura in Marburg studiert hatte, wurde vor allem bekannt durch höfische Geschichtsromane, Übersetzungen aus dem Lateinischen sowie historische Werke. Christian Wolff (1679-1754): Der herausragende Universalgelehrte war nicht nur Jurist und Mathematiker, sondern neben Leibniz der bedeutendste Philosoph der frühen Aufklärung in Deutschland. Von 1723 bis 1740 lehrte er in Marburg Philosophie, einer seiner Schüler war der spätere Gründer der Moskauer Universität Michail Lomonossow. (-> mehr) (Christian-Wolff-Vorlesung des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften und Philosophie) Johann George Estor (1699-1773): Der bedeutende Jurist kam 1738 von Jena nach Marburg und wurde 1768 zum Kanzler der Philipps-Universität berufen. Seine über 9.000 Bände umfassende, rechtswissenschaftliche Bibliothek vermachte er der Universität. (Erinnerungstafel am Haus Mainzer Gasse 31) Michail Lomonossow (1711-1765): Der russische Universalgelehrte, Dichter und Gründer der Universität Moskau, verheiratet mit einer Marburgerin, studierte von 1736 bis 1739 bei Christian Wolff in Marburg. 1745 wurde er als Professor für Chemie an die Akademie der Wissenschaften berufen und forschte zur Geografie, Kartografie, Geologie, Meteorologie, Mineralogie, Metallurgie, Astronomie, Physik und Chemie; außerdem verfasste er Idyllen, Tragödien und Oden. - vgl. Lomonossow in Marburg (Erinnerungstafel am Haus Wendelgasse 2, Bronzetafel an der Alten Universität, Lomonossow-Haus im Studentendorf, ) Johann Stephan Pütter (1725-1807): Der bedeutende deutsche Staatsrechtsgelehrte und Publizist studierte in Marburg bei Christian Wolff, bevor er 1739 nach Halle und Jena wechselte. Nach seiner Habilitation in Marburg folgte er 1746 einem Ruf nach Göttingen. Ernst Gottfried Baldinger (1737-1804) erneuerte als Professor der Medizinischen Fakultät die Heilkunde an der Universität Marburg. (Ernst Baldinger-Straße auf den Lahnbergen) Johann Heinrich Jung (1740-1817), genannt Jung-Stilling, lehrte von 1787 bis 1803 als Professor für Finanz- und Kameralwissenschaften an der Universität Marburg. Der bedeutende Augenarzt, Wirtschaftswissenschaftler und Schriftsteller war befreundet mit Goethe und Lavater. (Erinnerungstafel am Haus Hofstatt 11) Georg Friedrich Creuzer (1771-1858) war von 1800 bis 1804 Professor an der Philipps-Universität, ein bekannter Vertreter der Romantik und enger Freund Goethes, der Geschwister Brentano sowie der Brüder Grimm. Friedrich Karl von Savigny (1779-1861) studierte und lehrte die Rechte in Marburg von 1795 bis 1808. Um den bedeutenden Rechtshistoriker und späteren Justizminister, der eine mystische Geschichtsauffassung vertrat und gegen die Kodifikation des bürgerlichen Rechts eintrat, versammelten sich in Marburg zahlreiche Romantiker, u.a. die Brüder Grimm, Clemens und Bettina Brentano und Achim von Arnim. (Gedenktafel Ritterstraße 15 - unterer Forsthof, Savigny-Straße) Brüder Grimm: Wilhelm (1786-1859) und Jacob Grimm (1785-1863) studierten von 1802 bis 1806 an der Philipps-Universität Rechtswissenschaften bei Savigny. In Marburg wurden sie Sprachwissenschaftler, hier begründeten sie die Germanistik und schufen die erste deutsche Märchensammlung. (Gedenktafel am Wohnhaus Barfüßerstraße 35, Brüder Grimm-Preis der Philipps-Universität) Christian Ludwig Gerling (1788-1864) war von 1817 bis zu seinem Tode Professor für Mathematik, Astronomie und Physik und erster Direktor des Mathematisch-physikalischen Instituts der Philipps-Universität Marburg. Auf Drängen seines Lehrers Carl Friedrich Gauß und im Auftrag des Kurfürsten in Kassel führte er die erste präzise Landvermessung in Hessen durch. 1841 gründete er die Sternwarte am Renthof. Mehr auf www.parallaxe-steinzeit.de Sylvester Jordan (1792-1861): Der Jurist und Politiker war von 1821 bis zu seinem Tod Professor der Rechte an der Philipps-Universität, außerdem Mitschöpfer der ersten hessischen Verfassung und Mitglied des Paulskirchenparlaments von 1848.(Wohnhaus Nikolaistraße 1, Gedenktafel am Landgrafenschloss, Sylvester-Jordan-Straße) August Vilmar (1800-1868): Der Literaturhistoriker und Verfasser der „Geschichte der deutschen Nationalliteratur“ war Professor der Theologie an der Philipps-Universität von 1855 bis 1866. (Erinnerungstafel am Haus Renthof 4) Ernst Koch (1807-1858), der in Marburg bei Sylvester Jordan Jura studierte, schrieb 1834 den Roman „Prinz Rosa Stramin“, aus dem der vielzitierte Satz stammt: „Göttingen hat eine Universität, Marburg ist eine.“ (Gedenktafel am Haus Untergasse 10 oder Markt 13) Robert W. Bunsen (1811-1899), der als Professor für Chemie von 1838 bis 1851 in Marburg lehrte, perfektionierte den nach ihm benannten Bunsenbrenner und entwickelte das Bunsen Fotometer. In Marburg beschäftigte sich der Forscher, dem die Chemie des 19. Jahrhunderts entscheidende Impulse verdankt, vor allem mit der Untersuchung von Arsenverbindungen. (Erinnerungstafel am Deutschen Haus, Bunsen-Straße) Karl Theodor Bayrhoffer (1812-1888), Philosoph und Freidenker, studierte und promovierte an der Philipps-Universität und war dort auch bis 1846 Professor für Philosophie. Bruno Hildebrand (1812-1878) lehrte Staatswissenschaften in Marburg. Der Begründer der Sozialstatistik gilt als einer der bedeutendsten Nationalökonomen seiner Zeit. (Bildnis im Landgrafenschloss - Universitätsmuseum) Eduard Zeller (1814-1908): Der deutsche Theologe und Philosoph war um 1852 Professor an der Philipps-Universität. In seinen „Lebenserinnerungen eines Neunzigjährigen“ schildert der Ehrenbürger Marburgs seine Jahre an der Lahn. Er gilt nicht nur als einer der ersten Vertreter des Neukantianismus, sondern auch als bedeutender Interpret der Philosophie der Antike. Carl Ludwig (1816-1895) studierte Medizin in Erlangen und Marburg, wo er 1839 auch promovierte. Nach Stationen in Marburg, Zürich und Wien baute er 1869 in Leipzig die zur Zeit ihrer Gründung einzigartige und modellhafte „Physiologische Anstalt“ auf. Wilhelm Ferdinand Roser (1817-1888) lehrte als Professor für Chirurgie von 1850 bis zu seinem Tode in Marburg. Der Direktor der Chirurgischen Klinik war Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und galt als hervorragender Operateur. (Denkmal Ketzerbach/ Ecke Wilhelm-Roser-Straße, Portrait in der Alten Aula der Universität) Walter Stoeckel (1817-1895): Der Gynäkologe und Geburtshelfer hatte zu Beginn der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts maßgeblichen Anteil an der Einrichtung einer fortschrittlichen gynäkologischen Klinik an der Berliner Charité. Heinrich von Sybel (1817-1895) war Professor für Geschichte an der Philipps-Universität von 1845 bis 1856. Der bedeutende Historiker und ältester Schüler Heinrich Rankes war Direktor der Preußischen Staatsarchive in Berlin und Mitglied des Reichstags. (Gedenktafel Sybelstraße 1, Portrait in der Alten Aula) Hermann Kolbe (1818-1884): Der bedeutende deutsche Chemiker war von 1842 bis 1847 Assistent von Robert Bunsen, dessen Nachfolge er antrat. Von 1851 bis 1865 hatte er einen Lehrstuhl für Chemie an der Philipps-Universität. John Tyndall (1820-1893) studierte von 1848 bis 1850 bei Robert Bunsen an der Philipps-Universität. In seinem Buch „Meine schönste und lehrreiche Studienzeit“ beschreibt der bedeutende irische Physiker seine Zeit in Marburg. Frichrich Wilhelm Beneke (1824-1882): Gründer und langjähriger Leiter des ersten Pathologisch-Anatomischen Instituts der Philipps-Universität - noch heute arbeiten Kinderheilstätten an der See nach seinen Vorstellungen der klimatischen Heilmittel zur Stärkung einer schwachen Konstitution. (Gedenktafel am Wohnhaus Am Plan 3) Edward Frankland (1825-1899): Der englische Chemiker arbeitete um 1846 unter Robert Bunsen in Marburg, 1863 wurde er Professor für Chemie am Royal Institute in London. Mit seiner Arbeit über die Bindungskapazität der Atome schuf er die Grundlage der Strukturchemie. Wilhelm Liebknecht (1826-1900) studierte von 1846 bis 1848 Philolsophie in Marburg. Der Journalist und Politiker nahm an der Märzrevolution 1848 teil und pflegte enge Verbindung zu Karl Marx und Friedrich Engels. Der Chefredakteur des "Vorwärts" (ab 1890) war von 1867-70 mit August Bebel erster Abgeordneter im Norddeutschen Reichstag und ab 1874 Mitglied des Reichstags. (Wohnhaus Wettergasse 9) Johann Peter Grieß (Griess) (1829-1888): Der deutsche Chemiker studierte von 1851 bis 1853 in Marburg Philologie, ab 1856 Chemie bei Hermann Kolbe. Konrad Duden (1829-1911): Der Wegbereiter der deutschen Einheitsrechtschreibung promovierte 1854 an der Philosophischen Fakultät der Philipps-Universität in absentia (d.h. aufgrund der schriftlich eingereichten Arbeit und ohne die übliche mündliche Prüfung) mit der Dissertation "De Sophoclis Antigona". 1871 gründete er den „Allgemeinen Bildungsverein“ und veröffentlichte 1872 „Die deutsche Rechtschreibung“ und 1880 sein Hauptwerk „Das Vollständige orthographische Wörterbuch der deutschen Sprache“. Carl Justi (1832-1912): Der Kunsthistoriker und Biograf bedeutender Künstler studierte Theologie und Philosophie in Marburg von 1854 bis 1860, er lehrte dort von 1867 bis 1871. Sein Bruder Ferdinand war Professor für Germanische Philologie an der Philipps-Universität. (Wohnhaus Ritterstraße 7, Carl-Justi-Straße) Ludwig Bickell (1838-1901) gründete das „Hessische Altertumsmuseum“ (heute Teil des Universitätsmuseums) und das Plattenarchiv Marburg mit Tausenden von Aufnahmen aus Hessen. Bickell war ein Pionier der Fotografie; er arbeitete zudem noch als Bezirkskonservator und Heimatkunstforscher. (Erinnerungstafel im Haus Kugelgasse 1, Ludwig-Bickell-Treppe) Ludwig Mond (1839-1909), der bei Robert Bunsen und Hermann Kolbe in Marburg Chemie studierte und nach dem das Mondgas benannt wurde, war nicht nur Chemiker, sondern auch ein bedeutender Mäzen und Kunstsammler. Hermann Cohen (1842-1918) war seit 1873 Dozent an der Philipps-Universität und ab 1900 Professor und Direktor des neu gegründeten Philosophischen Seminars (bis 1912). Der deutsche Philosoph jüdischen Glaubens gilt als einer der wichtigsten Vertreter deutsch-jüdischen Denkens im 20. Jahrhundert. Zusammen mit Paul Natorp war Cohen der Begründer und zugleich bedeutendste Repräsentant der Marburger Schule des Neukantianismus. Zu seinen Schülern gehörten neben Nicolai Hartmann auch Ernst Cassirer und José Ortega y Gasset. (Erinnerungstafel Lahntor-Alte Universität, Gedenktafel am Wohnhaus Universitätsstraße 62) Ludwig Enneccerus (1843-1928): Der Mitarbeiter am Bürgerlichen Gesetzbuch, der auch im Berliner Reichtag vertreten war, lehrte als Professor für Römisches Recht und Deutsches Bürgerliches Recht an der Philipps-Universität. (Erinnerungstafel am Haus Barfüßerstraße 26) Wilhelm Pfeffer (1845-1920): Der Botaniker und Pflanzenphysiologe, der - mit Unterbrechungen - von 1865 bis 1868 Pharmazie an der Universität Marburg studierte, gilt als einer der Begründer der modernen Pflanzenphysiologie. Wilhelm Viëtor (1850-1918) machte als Professor der englischen Philologie von 1884 bis 1918 den anglistischen Lehrstuhl der Philipps-Universität zu einem der angesehensten in Deutschland. Viëtor begründete die wissenschaftliche Phonetik und reformierte den modernen Sprachunterricht. (Erinnerungstafel am Haus Barfüßertor 15) Ferdinand Braun (1850-1918) studierte in Marburg auf Lehramt und unterrichtete von 1877 bis 1880 als Professor für mathematische Physik an der Philipps-Universität. Der Physiker und Nobelpreisträger von 1909 entwickelte den für die drahtlose Telegrafie wichtigen „Braunschen Sender“ und mit der „Braunschen Röhre“ den wichtigsten Bestandteil des Fernsehgeräts und des Radarempfängers. (Gedenktafel am Haus Hofstatt 2) Adolf von Harnack (1851-1930): Der Kirchenhistoriker und Kulturpolitiker lehrte von 1879 bis 1888 an der Philipps-Universität. Später war er Präsident der Kaiser Wilhelm-Gesellschaft und Generaldirektor der Preußischen Staatsbibliothek. (Von-Harnack-Straße) Theodor Birt (1852-1933) war von 1882 bis 1921 Professor der Philologie und der Beredsamkeit an der Philipps-Universität. Der Dichter und Verfasser zahlreicher Bücher zur Geschichte der Antike schrieb unter anderem „Marburger Licht- und Schattenbilder“. (Erinnerungstafel am Haus Ritterstraße 13) Albrecht Kossel (1853-1927): Der Mediziner und Physiologe, der 1910 den Nobelpreis für Medizin erhielt, war von 1895 bis 1901 Direktor des Physiologischen Instituts in Marburg. Er forschte über den Zellkern und die Proteine und entdeckte die Nukleinbasen Adenin, Thymin und Cytosin. 1910 erhielt er den Nobelpreis für Medizin. Emil von Behring (1854-1917), der von 1895 bis zu seinem Tode Professor der Hygiene an der Philipps-Universität war, wurde für seine Arbeit 1901 mit dem ersten Nobelpreis für Medizin geehrt. Mit dem Geld des Nobelpreises gründete der Entdecker der Serumtherapie und der Tetanus-Impfstoffe die Behringwerke in Marburg, die als „Standort Behringwerke“ weiter bestehen, 1914 zum Ehrenbürger der Stadt Marburg ernannt. (Erinnerungsstätten nahe der Elisabethkirche (früher war hier das Hygieneinstitut, Gedenktafel am Wohnhaus in der Wilhelm-Roser-Straße, Mausoleum am Rande der Behringwiese, Behring-Ausstellung in der Robert-Koch-Straße 6, Behringpreis und Behring-Lecture) Paul Natorp (1854-1924) habilitierte sich 1881 bei Hermann Cohen an der Philipps-Universität, wo er 1885 außerordentlicher Professor wurde. Von 1893 bis zu seiner Emeritierung 1922 hatte er das Ordinariat für Philosophie und Pädagogik inne. Zusammen mit Hermann Cohen gilt er als Mitbegründer der Marburger Schule, einer Richtung des Neukantianismus innerhalb der Philosophie. (Gedenktafel am Wohnhaus Barfüßertor 25, Paul Natorp-Straße) Eugen Korschelt (1858-1946) war Direktor des Zoologischen Institut und wurde durch seine Forschungsarbeiten über Probleme der Regeneration und Transplantion bekannt. (Erinnerungstafel am alten Zoologischen Institut Ketzerbach) Arthur Heffter (1859-1925) von 1906 bis 1908 Professor der Pharmakologie in Marburg. 1897/8 konnte er Mescalin nach Selbstversuchen aus dem Peyotekaktus isolieren, was die erste Isolation einer natürlich vorkommenden psychedelischen Substanz in reiner Form war. Deshalb bekam das 1992 in Lafayette Staat Indiana U.S.A. gegründete Institut, das hauptsächlich über Drogen forscht, seinen Namen. Kurt Hensel (1861–1941) hatte von 1901 bis 1930 einen Lehrstuhl an der Universität Marburg inne. Trotz mehrerer Rufe an andere Universitäten blieb er bis zu seinem Tod in Marburg. Kurt Hensel ist vor allem bekannt für seine Einführung der p-adischen Zahlen in die Zahlentheorie – ein Konzept, das zu den herausragenden geistigen Leistungen des 20. Jahrhunderts gerechnet werden kann. Auch als Pionier für die Theorie der Funktionenkörper trat er hervor. Nach ihm sind das Henselsche Lemma und der Henselsche Ring benannt. Alexandre Yersin (1863-1943) studierte von 1884 bis 1885 in Marburg Medizin. Der bedeutende schweizerisch-französische Arzt und Bakteriologe entdeckte den Erreger der Pest, der ihm zu Ehren als Yersinia pestis benannt wurde. Gustav Jenner (1865-1920): Der Komponist und Dirigent, der bei Johannes Brahms Komposition studiert hatte, war von 1895 bis zu seinem Tod Universitätsmusikdirektor und Dirigent des akademischen Konzertvereins in Marburg. Philipp Scheidemann (1865-1939): führender Politiker der Weimarer Republik (Wohnhaus Zwischenhausen 18) Walter Troeltsch (1866-1933), der von 1902 bis zu seiner Emeritierung Nationalökonomie an der Philipps-Universität lehrte, untersuchte in seiner Arbeit vor allem die Ursachen und Wirkungen von Arbeitslosigkeit. Zu seinen bekanntesten Schülern gehören Gustav Heinemann und Wilhelm Röpke. Ludwig Aschoff (1866-1942), Professor für Pathologie an der Philipps-Universität von 1903 bis 1931, entdeckte den nach ihm und seinem japanischen Schüler Suam Tawara benannten Aschoff-Tawara-Knoten im Reizleitsystem des Herzens und forschte über Immunologie und Bakterienabwehr. (Aschoff-Medaille der Medizin) Walter Bloem (1868-1951) studierte von 1887 bis 1893 Jura an der Philipps-Universität. Der Schriftsteller, sein Roman „Der krasse Fuchs“ spielt in Marburg, gehörte dem Corps Teutonia an. (Gedenktafel am Haus auf der Wasserscheide) Rudolf Otto (1869-1937): Der Marburger Theologieprofessor gehört zu den bedeutendsten Religionshistorikern, er gründete die Religionskundliche Sammlung, eine der bedeutendsten in Europa. (Erinnerungsstätte in der „Neuen Kanzlei“) Walter Stoeckel (1871-1961): Der Direktor der Frauenklinik in Marburg gilt als bedeutender Krebsforscher und Begründer der gynäkologischen Urologie. In seinen "Erinnerungen eines Frauenarztes" schreibt er über seine Arbeit in Marburg. Otto Loewi (1873-1961): Der Pharmakologe war von 1898 bis 1905 Assistent an der Philipps-Universität in Marburg, wo er sich 1900 auch habilitierte. Der Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin 1936 entdeckte die Übermittlung von Nervenimpulsen auf chemischem Weg. (Otto Loewi-Gedächtnisvorlesung) Rudolf Klapp (1873-1949): Der Marburger Chirurgie-Professor entwickelte die nach ihm benannte Kriech-Gymnastik und gründete in Marburg eine Krankengymnastikschule. (Büste in der Chirurgischen Klinik, Rudolf-Klapp-Straße) Rudolf Breitscheid (1874-1944) studierte in Marburg von 1894 bis 1898 Nationalökonomie. Der sozialdemokratische Politiker war 1918/19 preußischer Innenminister und Gründungmitglied der Demokratischen Vereinigung (DV). Ludwig Diels (1874-1945): Großer deutscher Pflanzensystematiker, Herausgeber des Grundlagenwerks "Pflanzengeografie", Direktor des Botanischen Gartens in Berlin-Dahlem und Professor für Botanik an der Philipps-Universität. Walther Schücking (1875-1935) lehrte als damals jüngster Professor von 1903 bis 1920 Staatsverwaltungs- und Völkerrecht in Marburg. Bevor er 1930 als erster Deutscher zum Richter am Ständigen Internationalen Gerichtshof in Den Haag gewählt wurde, war er Hauptdelegierter der Reichsregierung für die Friedensverhandlungen 1919 sowie Mitglied der Weimarer Nationalversammlung und des Reichstags. (Schückingstraße) Ferdinand Sauerbruch (1875-1951) studierte ab 1895 Medizin in Marburg und arbeitete von 1908 bis 1909 als Professor und Oberarzt in Marburg. Sauerbruch führte ein Verfahren ein, das die operative Öffnung des Brustkorbs erlaubte und somit den Weg für die Herzchirurgie bereitete. Gertrud von Le Fort (1876-1971), eine der ersten 28 Frauen, die ab 1907/08 zum Studium in Marburg zugelassen wurden, war eine der bedeutendsten katholischen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts. Gustav von Bergmann (1878-1955): Der Internist, der 1917 Emil von Behring in seiner Todesnacht beistand, war von 1916 bis 1920 Ordinarius für innere Medizin in Marburg. Die nach ihm benannte Gustav-von-Bergmann-Medaille ist die höchste Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. Richard Hamann (1879-1961) gründete das Kunstgeschichtliche Seminar der Philipps-Universität und das angeschlossene weltbekannte Bildarchiv „Foto Marburg“ mit heute knapp 3 Millionen Aufnahmen von Kulturdenkmälern. (Richard Hamann-Weg, Richard Hamann-Preis) Viktor Bredt (1879-1940) gründete die Reichspartei (die deutsche Mittelstands-Wirtschaftspartei), war Reichsjustizminister (1930/31) und Verfasser mehrerer kirchenrechtlicher Werke. An der Philipps-Universität wirkte er von 1910 bis 1924 als Professor für Staats-, Verwaltungs, Völker- und Kirchenrecht. (Gedenktafel am Haus Frankfurter Str. 53-53a) Hans Meerwein (1879-1965) leitete von 1929 bis 1952 das Chemische Institut in Marburg. Er war einer der Begründer der physikalisch-organische Chemie und forschte maßgeblich über die Carbonium-Ionen (-> mehr). (Erinnerungstafel am Chemischen Institut auf den Lahnberge, Hans-Meerwein-Straße) Otto Hahn (1879-1968) studierte und promovierte von 1897 bis 1904 Chemie an der Philipps-Universität. Hahn, der für seine Arbeit 1944 den Nobelpreis für Chemie erhielt, entdeckte die Kernspaltung und wurde damit zum Begründer des Atomzeitalters. (Gedenktafel am Haus Renthof 12) Edmund E. Stengel (1879-1968): Der Direktor der Historischen Institute der Philipps-Universität gründete das Hessische Landesamt für geschichtliche Landeskunde und war Präsident des Reichsinstituts für ältere deutsche Geschichtskunde in Berlin - vgl. ausführlicher zu Stengel. Alfred Wegener (1880-1930) Der Geophysiker und Meteorologe lehrte von 1908 bis 1919 zunächst als Privatdozent und später als Assistent an der Philipps-Universität . Er entdeckte die Kontinentalverschiebung, war Pionier der Polarforschung und arbeitet über die Thermodynamik. (Gedenktafel am Physikalischen Institut Renthof 6, Wegener-Straße) Hans Freiherr von Soden (1881-1945) lehrte seit 1924 an der Universität Marburg Kirchengeschichte, wo er 1927/1928 auch Rektor war. Als Dekan der Theologischen Fakultät war er 1933 federführend beim ablehnenden Gutachten seiner Fakultät zum so genannten "Arierparagraphen" in den evangelischen Landeskirchen. Wegen seiner regimekritischen Tätigkeit wurde er fortan zeitweilig in den Ruhestand versetzt und war während des Zweiten Weltkriegs Seelsorger der Evangelische Studentengemeinde in Marburg. (Hans von Soden-Promotionskolleg) Hans Fischer (1881-1945), der 1930 den Nobelpreis für Chemie erhielt, studierte von 1899 bis 1904 in Marburg Chemie und Medizin. Den Nobelpreis erhielt der spätere Professor an der TU München für seine Forschung zur Chemie des Pyrrols und der Synthese von Hämin. Nicolai Hartmann (1882-1950) gilt als einer der wichtigsten Vertreter der idealistischen Philosophie und Erneuerer der Metaphysik im 20. Jahrhundert. Er studierte in Marburg bei Hermann Cohen zusammen mit Ernst Cassirer und José Ortega y Gasset. Von 1920 bis 1925 war er Professor für Philosophie an der Philipps-Universität. Wilhelm Grüter (1882-1963): Der Direktor der Marburger Augenklinik (1927-51) entdeckte das Herpes-Virus und war bedeutender Virusforscher. (Erinnerungstafel an der Augenklinik in der Robert Koch-Straße) José Ortega y Gasset (1883-1955), spanischer Philosoph, Soziologe und Essayist. Obwohl bereits promoviert hörte er zwischen 1906-10 als Schüler des Neukantianers Hermann Cohen Philosophie an der Universität Marburg. 1953 erhielt Ortega y Gasset die Ehrendoktorwürde der Juristischen Fakultät der Universität Marburg. - siehe auch Vita Gasset. (Gedenktafel am Wohnhaus Gisselberger Straße 21) Robert Lehr (1883-1956) studierte Rechtswissenschaften in Marburg. Der Mitbegründer der CDU, der während der Naziherrschaft dem Widerstandskreis um Karl Arnold angehörte, war von 1950-1953 Bundesminister des Innern und Vorsitzender des Marburger Universitätsbundes 1952-56. Rudolf Bultmann (1884-1976), der von 1905 bis zu seinem Tod in Marburg war, prägte als evangelischer Theologieprofessor entscheidend die Religionswissenschaft im 20. Jahrhundert: Der führende Vertreter der dialektischen Theologie entmythologisierte das Christentum, arbeitete das Verständnis der menschlichen Existenz in der Bibel heraus und stellte bedeutende Exegesen der kleinsten literarischen Einheiten des Neuen Testaments auf. (Gedenktafel am Wohnhaus Barfüßertor 2, Rudolf Bultmann-Straße, Rudolf Bultmann Institut für Hermeneutik) Ernst Robert Curtius (1886-1956), einer der bedeutendsten Vertreter der deutschsprachigen Romanistik, forschte auf dem Gebiet der mittelalterlichen Literatur. Er lehrte von 1919 bis 1924 in Marburg. Emil Stumpp (1886-1941) studierte vom 1906 bis 1914 Germanistik, Geschichte und Philosophie in Marburg. Die Nationalsozialisten belegten den bedeutendsten deutschen Pressezeichner der Weimarer Republik mit einem Berufsverbot. Karl Barth (1886-1968) studierte 1908 bis 1909 an der Philipps-Universität, unter anderem bei Paul Natorp. Als einer der führenden evangelischen Theologen des 20. Jahrhunderts begründete er die „Dialektische Theologie“ und arbeitete mit Martin Rades an der Zeitschrift „Christliche Welt“. Gottfried Benn (1886-1956): Der Dichter und Arzt erhielt 1951 den Büchner-Preis und 1956 den Kunstpreis des Landes NRW. Benn studierte von 1903 bis 1904 Theologie und Philologie an der Philipps-Universität. Seine 1956 veröffentlichte Autobiographie erinnert in vielfältiger Form an Marburg. (Wohnhaus Wilhelmstraße 10) Thomas Stearns Eliot (1888-1965) besuchte 1914 die Philipps-Universität zu einem Internationalen Ferienkurs. Der amerikanische Dramatiker und Literatur-Nobelpreisträger bezeichnete Marburg später als Ort der Umkehr, an dem sich sein Lebensweg radikal gewendet habe und der ihn aus seiner amerikanischen Heimat in die Welt seiner englischen Vorfahren zurückgeführt habe. Ernst Kretschmer (1888-1964): Der Psychiater, Neurologe und Kriminologe war Direktor der Marburger Nervenklinik (1926-46) und hat durch Untersuchungen über den Zusammenhang von Körperbau und Charakter der Charakterforschung neue Wege gewiesen. Martin Heidegger (1889-1976) lehrte von 1921 bis 1928 Philosophie in Marburg. Der führende Vertreter der deutschen Existenzphilosophie bezieht die Frage nach dem Sinn des Seins auf das menschliche Sein; später stellt er das "Denken der Kehre" in den Mittelpunkt. (Gedenktafel am Wohnhaus Schwanallee 21) Ernst Reuter (1889-1953): Der Sozialdemokrat, der von 1950-53 Regierender Bürgermeister Berlins war, studierte von 1907 bis 1912 in Marburg bei Hermann Cohen Philosophie. Berühmt wurde Reuter durch seinen Appell an die Weltgemeinschaft während der Belagerung Berlins, die Stadt nicht im Stich zu lassen: "Ihr Völker der Welt! Schaut auf diese Stadt!“. (Ernst Reuter-Straße) Friedrich Alverdes (1889-1952), Begründer der Marburger Schule der Tierphysiologie, entdeckte die natürliche Entstehung der Perlen und lieferte damit dem Japaner Mikimoto die Grundlagen für seine weltweit bekannten Perlenzüchtungen. Boris Pasternak (1890-1960) studierte 1912 in Marburg Philosophie bei Hermann Cohen. Der russische Nobelpreisträger für Literatur (1958) widmete mehrere seiner Gedichte und Erzählungen der Stadt an der Lahn. (Erinnerungstafel am Haus Gisselberger Straße 15, Pasternak-Straße) Alfred Benninghoff (1890-1953): Der Mediziner, der sich 1921 an der Philipps-Universität habilitiert hatte, lehrte ab 1941 Anatomie in Marburg. Dem Berufungsgeschick des zweimaligen Rektors der Philipps-Universität ist es zu verdanken, dass die Medizinische Fakultät viele Jahre lang Weltruhm besaß. Luise Berthold (1891-1985) habilitierte sich als erste Frau an der Philipps-Universität und wurde dort zur Professorin ernannt. Sie war die erste und für 22 Jahre die einzige Professorin in Marburg. Berthold leitete zwei Jahrzehnte das „Hessen-Nassauische Wörterbuch“ in Marburg, war Autorin zahlreicher Bücher und engagierte sich in der Kommunalpolitik. Ihr wurden drei höchste Ehrungen des Landes Hessen zuteil: Goethe-Plakette des Landes, Wilhelm-Leuschner-Medaille und die Freiherr-vom-Stein-Plakette. (Portrait im Kreuzgang der Alten Universität, Portrait im Deutschen Sprachatlas, Wohnhaus von 1916-1983 in Ockershäuser Allee 54) Erich Auerbach (1892-1957): Der deutsche Literaturwissenschaftler und Romanist war von 1929 bis 1935 Professor in Marburg, danach Verfolgung und Exil in Istanbul und Lehrstühle in Princeton sowie der Yale University. Als sein wichtigstes Werk gilt "Mimesis: Dargestellte Wirklichkeit in der abendländischen Literatur". (Gedenktafel am Wohnhaus Friedrichstraße Nr. 3) Werner Bergengruen (1892-1964), einer der erfolgreichsten Schriftsteller der frühen Bundesrepublik, studierte ab 1911 in Marburg Theologie, Germanistik und Kunstgeschichte, ohne jedoch einen Abschluss zu machen. Seine Romane "Das Gesetz des Atum" und "Drei Schwestern aus dem Mohrenland" spielen in Marburg. (Gedenktafel im Wohnhaus Schwanallee 19 Elisabeth Blochmann (1892-1972) lehrte von 1952 bis zu ihrer Emeritierung 1960 in Marburg. Sie war die erste Professorin für Allgemeine Pädagogik in der Bundesrepublik. Sie arbeitete eine moderne Definition des Kindergartens heraus und beschrieb ihn als eigenständige Anfangsstufe des Bildungswesens und Teil der "Kinderfürsorge", als Angebot für alle Kinder und besondere Lebensform für Kinder neben der Familie. (Elisabeth Blochmann-Platz, Portrait im Kreuzgang der Alten Universität) Erich Hückel (1896-1980): Der Chemiker und Physiker war von 1937 bis zu seiner Emeritierung 1962 Professor für theoretische Physik in Marburg. Er gehört zu den Pionieren der Quantenchemie und gilt als Vater der Theoretischen Chemie. Otto Heinrich Schindewolf (1896-1971): Der Paläontologe, der von 1919 bis 1927 Professor an der Philipps-Universität war, verfasste zahlreiche Arbeiten zur Paläontologie, Abstammungslehre und Stratigrafie. Elisabeth Selbert (1896-1986) studierte von 1926 bis 1927 an der Philipps-Universität Rechtswissenschaft. Die Politikerin und Juristin war maßgeblich an der Erstellung des Deutschen Grundgesetzes beteiligt, wobei sie sich besonders um die Durchsetzung des Gleichberechtigungsartikels verdient machte - Portrait im Kreuzgang der Alten Universität Karl Ziegler (1896-1973), der 1963 zusammen mit Giulio Natta für seine Entdeckungen auf dem Gebiet der Polymeren den Nobelpreis für Chemie erhielt, studierte und arbeitete von 1911 bis 1925 an der Philipps-Universität. Ziegler besuchte in Marburg die Martin Luther-Schule, nahm mit 18 Jahren sein Chemiestudium gleich im dritten Semester auf und habilierte mit 25 Jahren als "akademisches Wunderkind". Paul Schneider (1897-1939): Der evangelische Pfarrer, der als Mitglied der Bekennenden Kirche von den Nationalsozialisten inhaftiert wurde, studierte 1919 in Marburg. Dietrich Bonhoeffer sah in dem 1939 im KZ ermordeten „Prediger von Buchenwald“ den ersten evangelischen Märtyrer. Georg Wittig (1897-1987): Der Chemiker, der ab 1920 in Marburg studierte und anschließend als Assistent und ab 1932 als außerordentlicher Professor an der Philipps-Universität arbeitete, wurde 1979 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. Helmut Hasse (1898–1979) gilt als einer der führenden Zahlentheoretiker seiner Zeit. Promoviert und habliliert in Marburg, übernahm er von 1930 bis 1934 die Professur seines Lehrers Kurt Hensel. Hasse hat bahnbrechende Beiträge zur algebraischen Zahlentheorie geleistet. Mit seinem Lehrer Hensel war er Pionier in der Einführung und Weiterentwicklung p-adischer Methoden in Algebra und Zahlentheorie. Das von ihm entwickelte sogenannte „Lokal-Global-Prinzip“ spielt seither eine zentrale Stellung in der Zahlentheorie. Neben fundamentalen Arbeiten zu höheren Reziprozitätsgesetzen und zur Klassenkörpertheorie erzielte Hasse 1936 einen weiteren bedeutenden wissenschaftlichen Durchbruch mit dem Beweis des Analogons der Riemannschen Vermutung für elliptische Kongruenzfunktionenkörper. Ernst Lemmer (1898-1970) studierte von 1921 bis 1924 an der Philipps-Universität. Ab 1952 war er Mitglied des Deutschen Bundestags, in späteren Jahren hatte er verschiedene Ministerposten inne. Heinrich Düker (1898-1986) begründete die Marburger „Psychologie-Schule. Der Direktor des Instituts für Psychologie an der Philipps-Universität von 1946 bis 1967 war Mitglied des Staatsgerichtshofs des Landes Hessen und verfasste 1959 das Standardwerk „Der Konzentrations-Leistungstest“. Adolf Reichwein (1898-1944): Der Reform- und Museumspädagoge sowie Widerstandskämpfer gegen das nationalsozialistische Regime studierte von 1920 bis 1921 in Marburg bei Paul Natorp und Nicolai Hartmann. Reichwein gilt als eine der führenden Persönlichkeiten der deutschen Erwachsenenbildung. (Gedenktafel am Wohnhaus Nikolaistraße 3) Leo Strauss (1899-1973): Der deutsch-amerikanische Philosoph, der ab 1919 in Marburg studierte, gilt als der einflussreichste Lehrer der neokonservativen Vordenker in den USA. Er lehrte von 1949 bis 1968 an der University of Chicago Politische Philosophie. Wilhelm Röpke (1899-1966) war in Marburg ab 1921 Student, Assistent und Professor der Volkswirtschaft. Der politische Ökonom, im Alter von 24 Jahren als jüngster deutscher Professor an die Universität Jena berufen, gilt als einer der wichtigsten geistigen Väter der sozialen Marktwirtschaft (Wilhelm Röpke-Straße) Gustav Heinemann (1899-1976) studierte von 1919 bis 1921 Rechtswissenschaft und Volkswirtschaftslehre in Marburg. Der Sozialdemokrat, der ab 1934 Mitglied der Bekennenden Kirche war, wurde 1969 zum Bundespräsidenten gewählt (Gedenktafel am Wohnhaus Weidenhäuser Straße 16a) Helmut von Bracken (1899-1984), einer der Begründer der Sonderschulpädagogik, wurde 1963 der erste Direktor des Instituts für Sonderschulpädagogik an der Philipps-Universität. 1955 rief er die ersten Lehrgänge zur Ausbildung von Sonderschullehrern ins Leben. Werner Krauss (1900-1976): Der Romanist war von 1931 bis 1940 Assistent und von 1945 bis 1947 Professor am Romanistischen Seminar der Philipps-Universität. Er engagierte sich während des Krieges in der Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“ (- vgl. Biografische Notizen sowie "Bekenntnis zu Krauss") Hans-Georg Gadamer (1900-2002): Der bedeutende Philosoph, der durch sein Epoche machendes Werk „Wahrheit und Methode“ (1960) die philosophische Hermeneutik begründete, promovierte 1922 in Marburg bei Paul Natorp und Nicolai Hartmann und habilitierte sich hier 1924 bis 1927 bei Martin Heidegger und Paul Friedländer. 1927 wurde er Privatdozent und 1937 bis 1939 außerordentlicher Professor für Philosophie in Marburg. 1999 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Philipps-Universität. Max Kommerell (1902-1944) lehrte Literatur und Theaterwissenschaft in Marburg bis 1944. Der Literaturhistoriker, Lyriker, Erzähler und Dramatiker war Schüler und Begleiter Stefan Georges. Hans Erhard Bock (1903-2004), der Medizin u. a. in Marburg studierte, hatte von 1949 bis 1962 einen Lehrstuhl für Innere Medizin an der Philipps-Universität und war von 1960 bis 1961 Rektor der Universität. Der Internist, der vor allem auf dem Gebiet der Onkologie, Hämatologie und Arzneimitteltherapie forschte, gilt als einer der Mitbegründer der Sportmedizin. Rudolf Zenker (1903-1984): Der Chirurg, der von 1951 bis 1959 Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Marburg war, führte 1958 die erste Operation am offenen Herzen in Deutschland aus. Adolf Butenandt (1903-1995) studierte von 1921 bis 1925 Chemie und Biologie an der Philipps-Universität. Der Nobelpreisträger für Chemie ist einer der führenden Forscher auf dem Gebiet der Sexualhormone und der biochemischen Wirkung der Erbfaktoren. Wilhelm Weischedel (1905-1975) studierte in Marburg Theologie bei Rudolf Bultmann und anschließend Philosophie bei Martin Heidegger und Nicolai Hartmann. Der spätere Professor für Philosophie arbeitete zu Skeptizismus und Nihilismus sowie Technikverantwortung und der Aufarbeitung des Nationalsozialismus. Nechama Leibowitz (1905-1997): Die Professorin für jüdische Religionswissenschaften, eine der großen Gelehrten Israels, studierte 1928-30 an der Philipps-Universität Alttestamentliche Philologie, Englisch und Germanistik. (Gedenktafel Barfüßerstraße) Hannah Arendt (1906-1975) studierte 1924 bis 1926 in Marburg Philosophie bei Martin Heidegger sowie Theologie. Die bedeutende Soziologin und Politologin emigrierte 1933 in die USA. Ihr Hauptwerk in deutscher Sprache ist das 1955 erschienene Buch „Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft“. (Portrait im Kreuzgang der Alten Universität - Gedenktafel am Wohnhaus Lutherstraße 4, Hannah Arendt-Straße) Wolfgang Abendroth (1906-1985) lehrte von 1950 bis zu seiner Emeritierung 1972 in Marburg Politikwissenschaft und Staatsrechtslehre. Der bekennende Marxist machte die Philipps-Universität in den 70er und 80er Jahren zu einer „linken Hochburg“. Er lebte in der Georg-Voigt-Straße 7a (1951-60) und in der Wilhelm-Roser-Straße 53 (1960-72). (Abendroth-Brücke an der Mensa) Josef Kunz (1906-1990), Schüler und Freund von Max Kommerell, lehrte Germanistik in Marburg von 1959 bis zu seiner Emeritierung. Der Spezialist für die Dichtung von Kleist bis Thomas Mann setzte sich aktiv für die deutsch-französische Aussöhnung durch Begegnung ein. Walter Schlesinger (1908-1984): Der Historiker für Landes- und Verfassungsgeschichte lehrte von 1964 bis zu seinem Tode an der Philipps-Universität. Auch wenn er wegen seiner Arbeit als einer der einflussreichsten Lehrer der Mittelalterlichen Geschichte gilt, ist er umstritten wegen seiner Aktivitäten im Dritten Reich und seinen Theorien zur Vorherrschaft der germanischen Kultur im Mittelalter. Hermann Stutte (1909-1982) leitete die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und das Institut für ärztlich-pädagogische Jugendhilfe an der Philipps-Universität. Er gilt als Wegbereiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Deutschland und als Mitbegründer der Lebenshilfe für geistig Behinderte, allerdings ist er wegen seiner "Verstrickungen im Dritten Reich umstritten. André Pirson (1910-2004): Der Pflanzenphysiologe lehrte und forschte von 1946 bis 1958 an der Philipps-Universität, anschließend folgte er einem Ruf an die Universität Göttingen. Zusammen mit M. H. Zimmermann (Harvard) gab er die 20-bändige „Encyclopedia of Plant Physiology“ heraus. 18 seiner Schüler wurden zu Universitätsprofessoren berufen. Wilhelm Walcher (1910-2005) lehrte von 1947 bis zu seiner Emeritierung 1978 Physik an der Philipps-Universität. Er gehörte zu den Göttinger 18", die gegen die Atomrüstung aufriefen. Zudem wurde er durch sein weit verbreitetes Lehrbuch "Praktikum der Physik" bekannt. Ingeborg Weber-Kellermann (1918-1993) arbeitete ab 1960 am Marburger Institut für mitteleuropäische Volksforschung und lehrte hier von 1968 bis 1985 Europäische Ethnologie. Sie forschte unter anderem über Kindheits- und Familiensoziologie sowie Interethnik. (Weber-Kellermann-Archiv im Institut für Ethnologie, Portrait im Kreuzgang der Alten Universität) Gerhard Wendt (1921-1987): Der Pionier der wissenschaftlichen Genetik begründete 1972 an der Philipps-Universität die erste Genetische Beratungsstelle in Deutschland, die 1975 zur ersten genetischen Poliklinik erweitert wurde. Christine Brückner (1921-1996): Die Schriftstellerin legte 1946 in Marburg ihr Examen zur Bibliothekarin an und leitete die Mensa bis 1947. Später wurde Marburg zum Schauplatz in ihren Romanen "Jauche und Levkojen" und "Nirgendwo ist Poenichen" - (Wohnhaus in der Heinrich Heine-Straße). Annemarie Schimmel (1922-2003): Die Islamwissenschaftlerin promovierte 1946 an der Universität Marburg, wo sie auch von 1945 bis 1955 Islamische Sprachen unterrichtete. 1995 erhielt sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Ausführlicher: Nachruf auf Schimmel. Karl Christ (1923-2008) lehrte ab 1959 bis zu seiner Emeritierung Alte Geschichte in Marburg. Seine Forschungsschwerpunkte lagen neben der eigentlichen Geschichtsschreibung auch auf der Wissenschaftsgeschichte - vgl. Nachruf. Wolfgang Klafki (geb. 1927) lehrte von 1963 bis zur Emeritierung in Marburg. Als einer der bekanntesten deutschen Erziehungswissenschaftler der Gegenwart hatte er maßgeblichen Einfluss auf die Bildungsreformdebatte zu Beginn der 1970er Jahre, insbesondere auf die Entwicklung erster Curriculumreformprojekte. Klafki leitete ab 1972 das Marburger Grundschulprojekt, in dem innovative Grundschulkonzepte und komplexe Unterrichtsprojekte für den Sachunterricht entwickelt wurden - vgl. Klafkis 80. Geburtstag Jürgen Habermas (geb.1929): Der Soziologe und Philosoph habilitierte sich 1961 an der Philipps-Universität bei Wolfgang Abendroth. Der vielfach ausgezeichnete Denker, der zur zweiten Generation der Frankfurter Schule gehört, erhielt u. a. den renommierten Kyoto-Preis - eine der weltweit höchsten Ehrungen für Kultur und Wissenschaft. In seiner 1981 veröffentlichten „Theorie des kommunikativen Handelns“ prägte er den Begriff des „herrschaftsfreien Diskurses“. Ernst-Otto Czempiel (geb. 1927) ist einer der bedeutendsten deutschen Politologen im Bereich der Friedensforschung, der von 1966 bis 1970 an der Philipps-Universität lehrte. Parallel dazu war er Vorsitzender der Sektion Internationale Politik in der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) und gründete die Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung (HSFK). Ursula Spuler-Stegemann (geb. 1939): Die Islamwissenschaftlerin und Autorin zahlreicher Bücher lehrt seit 1976 lehrt sie an der Philipps-Universität in Marburg, wo sie seit 1995 Honorarprofessorin für Religionsgeschichte ist. Sie arbeitet vor allem über den Islam der Gegenwart und berät als Sachverständige eine Anzahl politischer Institutionen. Wolfgang Huber (geb. 1942): Seit 2003 ist der ehemalige Marburger Professor für Sozialethik Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirchen in Deutschalnd (EKD). 1994 verließ er die Universität nach seiner Ernennung zum Bischof der Evangelischen Landeskirche von Berlin-Brandenburg. |

