VII. Wissenstransfer und Weiterbildung
Wissenstransfer
Wissenstransfer als Schnittstelle der Hochschule zu Wirtschaft und Gesellschaft ist Teil einer nachhaltigen Gesamtentwicklungsstrategie der Philipps-Universität. Ihre Aktivitäten erstrecken sich auf vier Transferdimensionen:
- Die Philipps-Universität wird sich verstärkt in den Wissenstransfer einbringen und insbesondere auch die geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächer ermutigen, den Dialog zwischen Hochschule und Gesellschaft zu intensivieren und den Transfer in einen breiten gesellschaftliche Kontext zu stellen. Dabei können Ausbildungsprogramme in Wissenschaftskommunikation für die Akteure aus der Universität und Angebote für z. B. interkulturelle Trainings als Weiterbildungsangebote für die Wirtschaft sowie Begegnungen von Wissenschaft und Wirtschaft auf Fachtagungen und Kongressen auch zur Überwindung von nichttechnischen Transferhindernissen beitragen.
- Es wird weiterhin daran gearbeitet, ein Klima für Innovationen zu schaffen, Informationen bereitzustellen, Fachdiskussionen in Arbeitskreisen und Gremien zu ermöglichen sowie Innovations- und Existenzgründerberatung zu leisten. Angestrebt werden der Aufbau bzw. die Verstetigung von themenspezifischen Netzwerken mit der Wirtschaft zum regelmäßigen Austausch über die Beantragung und Durchführung von Drittmittelprojekten. Sinnvoll erscheinen überdies Unternehmenstage und Besuchsprogramme für kleine und mittlere Unternehmen - auch in Kooperation mit den anderen mittelhessischen Hochschulen.
- Die Philipps-Universität setzt darauf, allgemein zugängliche Technologie- und Know-how-Potenziale aufzubauen, um zieloffene Forschungsförderung zu initiieren. Attraktiv erscheinen Personalaustauschprogramme mit der Wirtschaft und die Einrichtung von Anwendungszentren zur Entwicklung von Auftragsforschung in speziellen Bereichen.
- Die Philipps-Universität setzt weiterhin auf den wettbewerblichen Transfer durch konkrete Umsetzung von Innovation in Patentanmeldungen sowie verwertbare Produkte und Verfahren, unterstützt durch die außerordentlich erfolgreiche TransMIT GmbH. Die Philipps-Universität wird sich für eine hessenweite Evaluation von Transfermaßnahmen einsetzen.
Wissenschaftliche Weiterbildung und Erwachsenenbildung
Die Philipps-Universität plant, wissenschaftliche Weiterbildung für spezielle Zielgruppen auf Feldern zu konzipieren und perspektivisch auch in Studienangeboten umzusetzen, auf denen sie Stärken aufweist und mit Partnern in der Region kooperieren kann. Die existierenden Studiengänge werden fortgesetzt. Darüber hinaus setzt die Universität einen Schwerpunkt in der wissenschaftlichen Weiterbildung für Lehrerinnen und Lehrer (in Marburg: L 3). An diese und an Studierende des Lehramts richten sich auch gezielt die Veranstaltungen des Chemikum Marburg, das in der Öffentlichkeit die Begeisterung für Naturwissenschaften wecken will, für Blinde und Sehbehinderte Versuche anbietet und nach dem Umzug in eine Dauereinrichtung überführt werden wird. Gemeinsam mit der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Technischen Hochschule Mittelhessen war die Philipps-Universität mit dem Antrag im Bund-Länder-Programm „Aufstieg durch Bildung: Offene Hochschulen“ erfolgreich.
Dem Bedarf nach einer qualitätsorientierten, marktbewussten und wirtschaftlich effizienten Erwachsenenbildung trägt die Philipps-Universität durch einen eigenen Forschungs- und Lehrschwerpunkt Rechnung: In Kooperation mit dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung Bonn (DIE) und der Universität Duisburg-Essen wird die Leibniz Graduate School für empirische Weiterbildungsforschung (LGS) wissenschaftlichen Nachwuchs ausbilden und mit empirischen Forschungsvorhaben zur Entwicklung von innovativen und breitenwirksamen Angeboten und Dienstleistungen in der Erwachsenenbildung beitragen.
Universitäre Sammmlungen und Neuer Botanischer Garten
Als älteste Universität des Landes Hessen verfügt die Philipps-Universität über eine große Zahl wissenschaftsgeschichtlich, kultur- und kunsthistorisch bedeutender Sammlungen, über Archivgut und wertvolle Buchbestände sowie über Kulturdenkmäler von europäischem Rang und landesgeschichtlicher Bedeutung. In jeweils individuell begründeter Situation sind diese Sammlungen in Teilen Mittel für oder Gegenstand von Forschung bzw. dienen zur Profilierung von Studienangeboten. Auf der Grundlage des 2007 erarbeiteten und dem Hessischen Museum für Wissenschaft und Kunst (HMWK) vorgelegten Konzepts zur mittel- und langfristigen Weiterentwicklungen der Sammlungen und Museen verfolgt die Philipps-Universität das Ziel, die Situation dieser Einrichtungen und ihrer räumlichen Unterbringung unter den wesentlichen Aspekten des Umgangs mit Sammlungsgut und Denkmälern – dem Sammeln, Bewahren, Erschließen und Vermitteln – zu verbessern. Hierzu kooperiert sie mit der Universitätsstadt Marburg sowie weiteren Trägern und Förderern in Stadt und Region. Zugänglichkeit und Sichtbarkeit dieses Kulturguts werden auch weiterhin durch die in der Universität vorhandene Expertise entwickelt. Durch die stetige Arbeit an der Erschließung und Vermittlung der Sammlungen werden der Öffentlichkeit aus der Universität heraus Angebote zur anspruchsvollen kulturgeschichtlichen oder naturwissenschaftlichen Weiterbildung eröffnet. Der Erfolg dieser Arbeit hängt sehr wesentlich davon ab, dass die Landesregierung die Finanzierung dieser Aufgaben als Sondertatbestand auch weiterhin anerkennt und Mittel in ausreichender Höhe zur Verfügung stellt.
Der Neue Botanische Garten hat im Portfolio der Einrichtungen in der Philipps-Universität eine Sonderrolle. Der bedeutende Bestand an Arten und die hohe Expertise des Personals werden zwar auch für Aufgaben in der Forschung der einschlägigen Fachbereiche herangezogen. Insbesondere die Wahrnehmung von Aufgaben im Artenschutz und die darauf aufsetzenden Aufgaben in der Vermittlung von Wissen und Kompetenzen auf den Feldern von Naturschutz und Biodiversität stellen heute und in Zukunft aber die wesentlichen Arbeitsbereiche des Botanischen Gartens dar. Hierzu wurden hoch nachgefragte Bildungsangebote („Grüne Schule“) für die Schulen in der Region und die Öffentlichkeit entwickelt. Um die Fortsetzung und Weiterentwicklung dieser Arbeiten zu ermöglichen, erwartet die Universität die zügige Festlegung der Landesregierung auf ein Finanzierungsmodell, das durch die durch sachgerechte Abbildung der Finanzströme und eine sachgerechte Dotierung des Sondertatbestandes den Weiterbestand des Botanischen Gartens und eine klare Profilbildung in der Pflege des Bestandes und in der Wahrnehmung von Aufgaben in Artenschutz und Weiterbildung erlaubt (siehe dazu Nachricht "Schatzkammer der Pflanzenwelt" vom 16. September 2011).

