28.04.2026 Abschluss der Veranstaltungsreihe "Abrahams Schoß" im Marburger Rathaus
Am 23. April zog Johannes Dams, M.A., ein Résumé über die Veranstaltungs-Reihe "Abrahams Schoß" bei der Abschlussveranstaltung im Marburger Rathaus
Dass die Erforschung des Alten Orients bis in unsere Zeit hochaktuell ist, durften Interessierte in den vergangenen zwei Jahren in einer Reihe von Veranstaltungen erfahren. Im Jahr 2023 kam der Verein „Orientalischen Christen in Marburg St. Michael e. V.“ auf die Altorientalistik im CNMS der Philipps-Universität Marburg mit der Bitte zu, ihnen bei der Planung und Durchführung einer integrativen Vortragsreihe behilflich zu sein. Prof. Heeßel übertrug diese Aufgabe Johannes Dams, der in der Folge in Zusammenarbeit mit Herrn Ramzi Aljad und dessen Sohn Fahed Aljad eine Vortrags- und Veranstaltungsreihe unter dem Namen „Abrahams Schoß“ konzipierte und durchführte. Ziel war es, auf verschiedenen Ebenen zu zeigen, was die „christlich-abendländische Kultur“ dem Orient in all ihren Facetten verdankt und dass dieser dem „Westen“ weder völlig kulturfremd noch ausschließlich von Extremismus und Krisen geprägt ist. Dadurch sollten Vorurteile abgebaut, Brücken geschlagen und Lust auf kulturelles Miteinander gemacht werden.
Die Veranstaltungsreihe, die zudem unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeitsers Dr. Tomas Spieß stand und vom „WIR Kompetenzzentrum Vielfalt“ des Landes Hessen finanziert wurde, setzte drei Schwerpunkte: die Wurzeln des Christentums im östlichen Mittelmeerraum, die Ursprünge der Wissenschaft im Alten Orient und den kulturellen Reichtum des modernen Orients. Im ersten Block über das Christentum konnten die Zuhörer sich von Prof. Pinggéra in die Geschichte der Ostkirche mit hineinnehmen lassen und auf diese Weise eine in Deutschland weitgehend unbekannte Facette des Orients kennenlernen, die in persona von den Mitgliedern des Vereins vor Ort vertreten war. Es folgte ein Vortrag von Prof. Stenschke über die Entstehung der ersten christlichen Gemeinden in der Apostelgeschichte, der daran erinnerte, dass eine der Hauptgrundlagen für die religiös-kulturelle Prägung Europas in der Levante ihren Anfang nahm. Wie die wichtigste Grundlage des Christentums, die Bibel, im Nahen Osten entstand, tradiert und übersetzt wurde, zeigte Prof. Heide anhand eines anschaulichen Textbeispiels.
Der darauffolgende Vortragsblock zu den Ursprüngen der Wissenschaft wurde von Prof. Heeßel mit dem Thema der Geburt der Wissenschaft in Mesopotamien eröffnet. Die Zuhörer erfuhren, dass die Grundlagen der modernen Wissenschaft bereits Jahrtausende vor den Griechen im Zweistromland gelegt wurden. Prof. König sprach darüber, welche Rolle die arabischsprachige Welt bei der Tradierung und Weiterentwicklung vor allem griechischer Wissenschaftstexte gespielt hatte und wie wichtig sie für die Anfänge der mittelaterlichen Scholastik und damit auch der modernen Wissenschaft war. Dass nicht einmal die deutsche Sprache frei von orientalischen Einflüssen ist, demonstrierte Prof. Weninger anhand von Wanderwörtern, die in Teilen einen weiten Weg aus den Sprachen des Nahen Ostens bis ins Deutsche zurücklegten. Dasselbe gilt noch in höherem Maß für die Schrift, ohne die die gesamte moderne Welt undenkbar wäre, und die, wie Johannes Dams zeigte, über mehrere Jahrtausende ausgehend vom Sinai Europa erreichte. Nach all dieser Informationsfülle durften die Teilnehmer sich in den folgenden zwei Veranstaltungen entspannen und am Beispiel der Musik und der Speisen des modernen Orients einen Appetitanreger zu sich nehmen, der Lust auf mehr machen sollte. So wollte Johannes Dams bei der Abschlussveranstaltung im Rathaussaal die Veranstaltungsreihe „Abrahams Schoß“ lediglich als Startschuss für den interkulturellen Dialog verstanden wissen und ermutigte die Zuhörer, den Kontakt zu Mitmenschen orientalischer Herkunft zu suchen und sich auf die Reise zu all dem zu begeben, was in den Veranstaltungen nur angerissen werden konnte. Die Reaktionen der Teilnehmer zeigten, dass der Wunsch nach mehr durchaus geweckt werden konnte. Die Relevanz einer solchen Verbindung zwischen der historischen Erforschung des Nahen Ostens und der modernen Lebensrealität fasste Oberbürgermeister Spieß mit den vielfach zitierten Worten zusammen: „Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten.“