04.09.2026 Bericht zum Wanderseminar "Kulturgeschichte für Altertumswissenschaftler: Theorien, die man kennen sollte"

Ein Erfahrungsbericht zum Wanderseminar "Kulturgeschichte für Altertumswissenschaftler: Theorien, die man kennen sollte" im Sommersemester 2026

Im Sommersemester 2026 gab es in der Altorientalistik ein echtes Highlight. Bereits im Vorfeld hatten die Oberhessische Presse unter dem Titel „Raus aus dem Hörsaal, rein in die Natur: ‚Wanderseminar‘ für Altertumswissenschaftler“ sowie der Marburger Express über das neue Konzept von Prof. Heeßel berichtet, bei dem das Wandern in Marburgs wunderschöner Umgebung mit Diskussionen über kulturanthropologische Themen kombiniert werden sollte. Mit einer Anzahl von sieben Teilnehmern war der perfekte Rahmen für ein Seminar gegeben, das wohl zu den in vielerlei Hinsicht erfüllendsten Studienerfahrungen gezählt werden darf. In 8 Einheiten à 4 Stunden wanderte die Gruppe jeweils zwischen 8 und 18 km und lernte den Studienstandort Marburg und seine Umgebung aus fast allen möglichen Perspektiven kennen. Die frische Luft, das schöne Wetter und die Gespräche erfrischten den Geist, machten aufnahmefähig und regten zum Denken an, wie es in einem Seminarraum kaum möglich ist. Während der Wanderungen lernten die Teilnehmer einige historische Orte kennen, an denen ihnen Prof. Heeßel auch die abwechslungsreiche Geschichte Marburgs und seiner Universität näherbrachte. Inhaltlich war es das Ziel, sich mit verschiedenen kulturanthropologischen Ideen und Konzepten großer Denker zu befassen. Dafür lasen die Teilnehmer in der Vorbereitung jeweils ausgewählte Texte. Während der Wanderung wurden diese dann anhand von vorgegebenen Fragestellungen in Zweiergruppen vertieft und danach gemeinsam besprochen, bevor es in die nächste Phase ging. Dabei kamen auch vielfältige und kreative didaktische Aufgabestellungen zur Anwendung. So mussten die Teilnehmer beispielsweise in einem Fall Flagge bekennen, indem sie jeweils eine Seite des Weges wählten, um ihre Zustimmung oder Ablehnung zu einer von Prof. Heeßel geäußerten Behauptung zu äußern. Im Anschluss wurde über die Entscheidung diskutiert. Ein anderes Mal wurde ein Tribunal mit Anklage und Verteidigung für den griechischen Historiker Herodot inszeniert. Auf das Plädoyer der Anklage und die Erwiderung der Verteidigung hin tagte das Hohe Gericht und fällte sein Urteil. Dieser spielerische und zugleich gut strukturierte Aufbau ermöglichte es den Teilnehmern, den erarbeiteten Stoff nicht nur zu wiederholen, sondern sich im Zuge der persönlichen Auseinandersetzung tief hineinzudenken. Als Anwendungsbeispiel für das jeweilige kulturwissenschaftliche Thema – etwa Foucaults "Diskurs", Geetz' "Dichte Beschreibung" oder Latours "Agent-Netzwerk-Theorie" – gab es dann auch immer ein passendes Fallbeispiel aus der Antike, anhand dessen der konkrete Bezug zum Fach verdeutlicht wurde. Darüber hinaus trug die angenehme Atmosphäre dazu bei, sich untereinander kennenzulernen. Nicht alle Teilnehmer waren Studierende der Altorientalistik. Das machte die Erfahrung noch bereichernder und die Blickwinkel vielfältiger. Um den zwischenmenschlichen Aspekt abzurunden, wurden alle Teilnehmer nach Abschluss der letzten Wanderung zu einem gemeinsamen Grillen bei Prof. Heeßel eingeladen und ließen das Semester gemütlich ausklingen. Uns als Teilnehmern bleibt nur, danke zu sagen, verbunden mit der ausdrücklichen Hoffnung, dass dies nicht das letzte Seminar dieser Art gewesen sein möge. Natur, körperliche Bewegung, das zwischenmenschliche Miteinander und die interessanten Inhalte haben definitiv Lust auf mehr gemacht.
(Johannes Dams)