30.09.2020 DFG-Projekt läuft an: Vogel-Mensch-Interaktionen im Alten Orient!

Elisabeth von der Osten-Sacken

Ab Oktober 2020 läuft das interdisziplinäre DFG-Projekt Vogel-Mensch-Interaktionen im Alten Orient – Ein Beitrag der Vorderasiatischen Archäologie zu den Human-Animal Studies von Prof. Dr. Elisabeth von der Osten-Sacken!

EOSBildHomepage.jpg

Die Human-Animal-Studies thematisieren die komplexen und vielfältigen Verbindungen zwischen Tieren und Menschen. Tiere werden dabei als Lebewesen mit eigenen Interessen, Standpunkten und Empfindungen gesehen und anerkannt. Vogel-Mensch-Beziehungen sind in vieler Hinsicht (ideologisch, ökonomisch, sozial, religiös, etc.) bedeutsam. Im Alten Orient fanden einschneidende Veränderungen der menschlichen Lebensweise statt. Das Projekt will die Entwicklung der Vogel-Mensch-Korrelationen im Kontext der sich verändernden menschlichen Kultur in Abhängigkeit von den gleichzeitigen Lebens- und Umweltbedingungen untersuchen. Durch die Verwendung des theoretischen Modells des ‘triangle of interaction’ werden alle drei Faktoren – Vögel, Menschen und Umwelt – gleichwertig gewichtet, was es erlaubt, deren jeweiligen Einfluss äquivalent zu beschreiben.

Die Vorderasiatische Archäologie behandelt einen langen Zeitraum menschlicher Geschichte, in dem sich einschneidende Veränderungen der menschlichen Lebensweise ereigneten, wie die Sesshaftwerdung, die Einführung des Ackerbaus und der Beginn der Urbanisierung, um nur drei der größten Einschnitte zu nennen. Daher kann man davon ausgehen, dass sich die Vogel-Mensch-Interaktionen bei diesen Umwälzungen ebenfalls deutlich änderten. Bislang sind wegen fehlender Vergleichsmöglichkeiten jedoch nur Vermutungen möglich; Art, Umfang und Zeitpunkt der Modifikationen sind nicht bekannt, da bisher keine brauchbaren Methoden zu ihrer Bestimmung und Datierung existierten. Hier setzt das Projekt an, dessen Ziel es ist eine Entwicklung der Vogel-Mensch-Korrelationen im Kontext der sich verändernden menschlichen Kultur zu zeichnen. Die jeweiligen Vogel-Mensch-Interaktionen werden in Abhängigkeit von den gleichzeitigen Lebens- und Umweltbedingungen mit Hilfe des theoretischen Modells des ‘triangle of interaction’ untersucht. Im Unterschied zu anderen Herangehensweisen werden dabei allen drei Faktoren – Vögel, Menschen und Umwelt – gleichwertig gewichtet, was es erlaubt, deren jeweiligen Einfluss äquivalent zu beschreiben. Dabei können sich auch neue Interpretationsmöglichkeiten für die Deutung von Vogeldarstellungen im Alten Orient eröffnen und sich Anhaltspunkte zum Studium keilschriftlicher Vogelklassifikationen ergeben.

Aufgrund der Tatsache, dass Vögel zwar viele Bereiche möglicher Tier-Mensch-Konstellationen abdecken, aus dem Alten Orient dennoch eine überschaubare Zahl von Belegen vorliegt, bietet sich hier die Möglichkeit, entsprechende Szenarien für aufeinander folgende Perioden zu beschreiben. Durch die einheitliche Erfassung kann die Entwicklung der Interaktionen zwischen Vögeln und Menschen so dargestellt werden, dass auch die Bedeutung kultureller Veränderungen im Laufe der altorientalischen Geschichte für diesen Prozess deutlich wird. Eines der Ergebnisse des Projekts soll somit eine diachrone Darstellung von Vogel-Mensch-Korrelationen in alten Vorderasien mit ihren Veränderungen und Umbrüche, aber auch Konstanten sein.

Um die Entwicklung in Vorderasien in einen größeren kulturellen Rahmen einzuordnen, werden die erkannten Vogel-Mensch-Korrelationen schließlich mit denen in benachbarten Kulturen (Ägypten und Klassische Antike) verglichen. Dabei geht es um die Aufdeckung und Einordnung möglicher Verbindungen und Ähnlichkeiten, aber auch um das Erkennen radikaler Widersprüche, Unterschiede und "Andersartigkeit". Es geht dabei also um die Frage, ob es sich um eine Entwicklung handelt, die von der der menschlichen Kultur abhängt, oder ob die natürliche Umwelt der die Veränderung beherrschende Faktor ist.

Kontakt