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Der Moot

Foto: Reinmar Wolff

Moot Courts

sind simulierte Gerichtsverhandlungen. Die Teilnehmer bereiten einen fiktiven Rechtsstreit aus der Sicht der Parteivertreter vor und verhandeln ihn im Rahmen eines Rollenspiels vor einer Jury.

Der Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot Court

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ist ein internationaler Schiedsverfahrens-Moot Court, der sich großen Renommees und wachsender Beliebtheit erfreut. In der letzten Runde (2018/19) haben 376 Teams von Universitäten aus 87 Ländern teilgenommen. Benannt ist der Moot Court nach einem früheren Generalsekretär der Kommission der Vereinten Nationen für internationales Handelsrecht (UNCITRAL). Denn zwei von dieser Kommission entwickelte Regelwerke internationaler Rechtsvereinheitlichung spielen beim Vis Moot Court eine zentrale Rolle: materiell ist der Rechtsstreit nach dem UN-Kaufrecht (United Nations Convention on Contracts for the International Sale of Goods – CISG) zu lösen, prozessual liegt das UNCITRAL-Modellgesetz dem anwendbaren Schiedsverfahrensrecht zugrunde. Damit bildet der Vis Moot Court das typische internationale Privat- und Verfahrensrecht der Wirtschaft ab (s. Marburg Law Review 2008, 75). 

Zweck des Vis Moot Court

ist es, das Studium des internationalen Wirtschaftsrechts, insbesondere der genannten, auf die UNCITRAL zurückgehenden Texte, und der Streitbeilegung durch die internationale Wirtschaftsschiedsgerichtsbarkeit zu fördern. Der Vis Moot Court soll die Auslegung internationaler Texte unter unterschiedlichen Rechtssystemen und das Auftreten vor einem Schiedsgericht, das aus Schiedsrichtern mit unterschiedlichem Rechtshintergrund besteht, trainieren. Ein attraktives "soziales Rahmenprogramm" während der mündlichen Verhandlungen in Wien soll Freundschaften über den Moot hinaus stiften. Ein Erlebnisbericht des ersten Marburger Vis Moot Court Teams ist im Marburg Law Review 2009, 141 abgedruckt, ein Tagebuchbericht des zweiten Teams im Marburger UniJournal 2011, 44 und ein Artikel über das fünfte Team in der OP vom 22.04.2013. Die Facebook- und die Instagram-Seite des Teams informieren stets aktuell über die Aktivitäten.

Ablauf des Vis Moot Court

Am ersten Freitag im Oktober erscheint das "Problem", das als Aktenauszug die Grundlage des Moot Court darstellt. Jedes Team, das am Vis Moot Court teilnimmt, erstellt zunächst einen Schriftsatz für den Kläger (bis Anfang Dezember) und sodann einen für den Beklagten (bis Mitte Januar), die beide 35 Seiten nicht überschreiten dürfen. In den nächsten Monaten trainieren die Teilnehmer für die mündliche Verhandlung. Dieses Training findet zunächst im eigenen Kreis statt, später in Wirtschaftskanzleien vor im Schiedsverfahrensrecht tätigen Anwälten und schließlich in Pre-Moots, in denen bereits eine größere Zahl von Teams gegeneinander antritt. In der Woche vor Ostern finden dann die mündlichen Verhandlungen in Wien statt, bei denen jedes Team zweimal für den Kläger und zweimal für den Beklagten plädiert. Je nach Zusammensetzung des Schiedsgerichts erhält das Team Gelegenheit, geschlossen vorzutragen, kann aber ebenso auch durch Nachfragen des Schiedsgerichts ständig unterbrochen werden. Die besten Teams treten so lange gegeneinander an, bis ein Gewinner gefunden ist.