11.12.2019 02.12.2019, Frobenius-Institut: Vom Jaguar zur Allmutter. Vortrag von Ernst Halbmayer

Ernst Halbmayer

Vom Jaguar zur Allmutter. Schöpfungsprozesse, nicht-menschliche Akteure und ontologische Prämissen zwischen den Anden, Amazonien und Mesoamerika.

Am 02.12.2019 hielt Prof. Dr. Ernst Halbmayer einen Vortrag im Frankfurter Frobenius-Institut, in dem er veranschaulichte, dass ein Verständnis der Isthmo-kolumbianischen Region jenseits der Konzepte von Animismus, Analogismus und dem Perspektivismus Viveiros de Castros angesiedelt werden muss. 

Abstract
Die Isthmo-kolumbianische Region zwischen den zentralen Anden, Amazonien und Mesoamerika war lange ein Stiefkind neuerer, komparativer Forschung. In Schöpfungsprozessen stehen dem idealtypisch amazonischen Zwillingsmythos – der Rache der mythischen Zwillinge an den Jaguaren, die ihre Mutter getötet haben – bei den Gruppen der Sierra Nevada de Santa Marta eine aus einer singulären Allmutter sich ausdifferenzierende Weltkonzeption gegenüber. Anhand der Kosmologien der Chibcha-Gruppen wird nach lokalen Praktiken im Umgang mit Tieren, Pflanzen und spirituellen Wesenheiten gefragt. Diese beruhen, so die These, nicht auf einer animistisch amazonischen oder einer analogistisch mesoamerikanischen Logik, sondern auf einer hierarchischen Ontologie der Agrikultur, welche sowohl die Konzeption unterschiedlicher Menschen als Pflanzen, ihr Verhältnis zu Gottheiten sowie zu Örtlichkeiten und Tieren prägt. Forschungen bei den Yukpa, der einzigen heute in der Region lebenden aus der Amazonasregion eingewanderten Carib-sprechenden Gruppe, zeigen spezifische Verschmelzungen amazonischer und Isthmo-kolumbianischer
kosmologischer Logiken auf.
Der Vortrag veranschaulicht, dass ein Verständnis der Isthmo-kolumbianischen Region jenseits der Konzepte von Animismus, Analogismus und dem Perspektivismus Viveiros de Castros angesiedelt werden muss.

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