26.07.2018 Feldforschung in Santarém und der Resex Tapajós-Arapiuns

Vom 20.07. bis 29.09.2018 befand sich Michaela Meurer auf Feldforschung in Nordbrasilien. Hier eine kurze Nachricht nach ihrer ersten Woche im Feld

Foto: Michaela Meurer

Am 20. Juli bin ich zu einem erneuten Feldforschungsaufenthalt in Santarém aufgebrochen. Hier, im nordbrasilianischen Bundestaat Pará, befindet sich die Reserva Extrativista (Resex) Tapajós-Arapiuns, ein Naturschutzgebiet, welches sowohl Waldschutz garantieren als auch lokale Wirtschaftsformen des
Sammelns und Jagens sowie kleinflächiger Landwirtschaft fördern und erhalten soll. Bereits von  September 2015 bis August 2016 habe ich hier ethnographische Daten für meine Dissertation erhoben.  Diesen Sommer möchte ich nun nutzen, um  aktuelle Entwicklungen vor Ort zu erfassen und meine bisherigen Erkenntnisse mit den Akteur*innen im Feld  zu diskutieren.

In meiner Forschung konzentriere ich mich insbesondere auf Praktiken und Auflagen zur Nutzung der Umwelt in der Resex Tapajós-Arapiuns. Als dieses Schutzgebiet 1998 geschaffen wurde, erarbeiteten lokale Eliten gemeinsam mit NGO’s und staatlichen Institutionen Regeln zur Nutzung der natürlichen Ressourcen. Diese formalisierten und schriftlich festgehaltenen Regeln sind jedoch nicht die einzig wirksamen in der Resex. Vielmehr gibt es in den 74 Gemeinden nochmals lokalspezifische informelle Regelungen und alltägliche Praktiken, die den Umgang des Menschen mit seiner Umwelt bestimmen. Diese können von Gemeinde zu Gemeinde durchaus sehr unterschiedlich sein. Mich interessiert hier vor allem, welche unterschiedlichen Realitäten diese Regelkomplexe produzieren, in welchen  Machtbeziehungen die darin enthaltenen Wahrheiten und Wissenssysteme stehen und inwieweit diese Zusammenhänge mit anthropologischen Theorien aus dem Bereich der Politischen Ontologie greifbar und erklärbar sind.

Hierzu habe ich 2015/2016 einerseits in drei Gemeinden der Resex Daten zu lokalspezifischen Regeln erhoben, und andererseits die Diskussionen im Verwaltungsgremium des Schutzgebietes verfolgt, dem Ort, an dem damals die formellen Regeln ausgehandelt wurden und wo sie heute weiterentwickelt werden. Dieses Gremium tagte auch vom 23.-24. Juli 2018 in Vila Franca, einer Gemeinde in der Resex. Kurz vorher bin ich in Santarém eingetroffen, sodass ich an der Sitzung teilnehmen konnte. Auf dem Foto sieht man im Hintergrund den Vorsitzenden des Schutzgebietes,  einen Angestellten der Umweltbehörde ICMBio, der die Sitzung mit knapp 60 Stimmberechtigten und vielen weiteren Zuhörer*innen moderiert.

Lieber Grüße aus Santarém
Michaela Meurer
26. Juli 2018

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