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Projekte

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Wein- und BierabendWein- und Bierabend

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen (Un-)Erträgliche Vielfalt - Gender und Frömmigkeit im Gespräch(Un-)Erträgliche Vielfalt - Gender und Frömmigkeit im Gespräch

    Die gemeinsame Aufgabe theologischer Bildung und Forschung verbindet am Fachbereich 05 Menschen mit je eigenen Lebensgeschichten und Überzeugungen. Die Differenz der Frömmigkeitsstile, der Lebensformen und der Geschlechter ist bereichernd. Aber Unterschiede erzeugen auch Spannungen. Wer über Differenzen spricht und Konflikte bearbeitet, kann mehr Verständnis füreinander finden.

    Die Chance zum zielgerichteten Gespräch wird am Fachbereich vom WS 2009/10 bis WS 2010/11 gegeben sein durch den Förderpreis „Innovative Projekte in der Gleichstellung“. Durch verschiedene Schritte spannt das Projekt einen Bogen von der Vergangenheit (Evaluierung des Gender Mainstreamings), über die Gegenwart (Projekttage) bis hin zur Zukunft (Fördermaßnahmen). Alle Mitglieder des Fachbereiches sind herzlich eingeladen, diesen Raum durch aktive Beteiligung zu nutzen!

    Informationen zum Projektplan, dem Verlauf und den Beteiligten sowie aktueller Neuigkeiten finden sich hier.Besonderer Dank für die Unterstützung dieses Projektes gilt dem Freundeskreis Marburger Theologie e.V., dem Dekanat und dem Frauenausschuss des Fachbereiches.

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Gedenktafel für die ersten TheologiestudentinnenGedenktafel für die ersten Theologiestudentinnen

    Drei Studentinnen und vier Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen des Fachbereichs Evangelische Theologie erforschten von Sommer 1998 bis Frühjahr 2001 die Geschichte der ersten examinierten Theologinnen in Marburg. Dokumentiert wurde diese in Form einer Gedenktafel, die am 2.7.1999 im Foyer der Alten Universität enthüllt wurde, sowie als schriftliche Dokumentation, die 2001 den damals zum ersten Mal ausgelobten Leonore-Siegele-Wenschkewitz-Preis gewann.

    Ehrenamtlich und mit viel Engagement haben die jungen Forscherinnen damit eine bedeutende Etappe der Marburger Universitätsgeschichte sichtbar gemacht (die Anfänge des Frauen-studiums), die zugleich einen Neubeginn in der Kirchengeschichte Deutschlands markiert (die Anfänge der Frauenordination).

    1. Die Gedenktafel : 1998-1999

    Die Marburger Universität war für die Anfänge des Theologiestudiums von Frauen sowie für die Frauenordination ein bedeutsamer Ort: Als eine der ersten Universitäten gewährte sie Frauen die Möglichkeit, ein theologisches Examen abzulegen. Mit Professoren wie Martin Rade, Rudolf Bultmann und Hans von Soden u.a. hatte Marburg theologisch einflussreiche Köpfe, die den Frauen zur Inspiration wurden und zugleich Förderer des Frauenstudiums waren.

    1925 wurde in Marburg der „Verband Evangelischer Theologinnen Deutschlands“ gegründet, der durch die Initiative der Marburger Studentin Ina Gschlössl ins Leben gerufen worden war. Durch diesen Verband bzw. besonders durch die radikalere Abspaltung (1930 wurde von einigen Ex-Marburgerinnen die „Vereinigung Evangelischer Theologinnen“ gegründet, die das volle Pfarramt für die Frau forderte) wurde die Diskussion um die Frauenordination maßgeblich vorangetrieben.

    Angestoßen durch den Feministischen Lehrauftrag im SoSe 1998 mit Prof. Dr. Ilse Meseberg-Haubold (Oldenburg) zum Thema „Das Weib redet – zur Geschichte der Theologin im 20. Jahrhundert“ fand sich eine Gruppe von Theologiestudentinnen und Wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen, die der Situation der ersten Theologinnen in Marburg auf die Spur kommen wollte. Dazu gehörten:

    stud. theol. Hanna Dallmeier
    stud. theol. Ruth Hess
    WM Cornelia Richter
    WM Angelika Rudnik       
    Von Archivarbeit bis zum Kontakt mit Zeitzeuginnen, von Überzeugungsarbeit bis zu Fragen der Gestaltung der Tafel hat die Gruppe junger Wissenschaftlerinnen die Idee einer Gedenktafel für die „Erste(n) examinierte(n) Theologinnen in Marburg“ (1908-1933) verwirklicht. Auf der Tafel wurden neben Fotos und Lebensdaten die Examensdaten von zehn Theologinnen aufgenommen. Einige Felder blieben frei, um optisch anzudeuten, dass es im angegebenen Zeitraum vermutlich noch weitere examinierte Theologinnen gegeben hat, die durch Nachforschungen entdeckt werden könnten.

    Am 2.7.1999 wurde die Gedenktafel bei der Gründungsfeier des Freundeskreises Marburger Theologie durch Prof. Dr. Marie Veit (link Bild) (1921-2004) enthüllt. Sie, die selbst einige Jahre zuvor ihre Goldene Promotion (1946 promoviert bei Rudolf Bultmann) in Marburg gefeiert hatte, sagte bei der Enthüllung über die geehrten Theologinnen: „Dies sind die Schultern, auf denen wir stehen.“

    Finanziert wurde die Gedenktafel durch das Autonome FrauenLesbenReferat der Philipps-Universität Marburg und das FrauenLesbenPlenum des AStA Marburg sowie aus der Rücklage der Professorenschaft des Fachbereichs Evangelische Theologie.

    2. Die Dokumentation, 1999-2001
    Bald nach der Tafelenthüllung drohte das Projekt zu verebben, die gesammelten Daten ohne weitere Auswertung in der Mottenkiste zu landen, denn die beteiligten Frauen verließen Marburg oder hatten keine Kapazitäten mehr für die Dokumentationsarbeit frei. Aber es fanden sich neue Frauen, die Lust hatten, in das Projekt einzusteigen:

    Ab Herbst 1999: WM Stefanie Theis, stud. theol. Jana Kreft
    Ab Frühjahr/Sommer 2000: Doktorandin Dorothea Herzer, stud. theol. Hanna Dallmeier nach der Rückkehr von einem Auslandsaufenthalt

    Die Dokumentation der Geschichte der ersten examinierten Theologinnen in Marburg brachte einen zweiten, vertieften Arbeitsgang mit sich: Neben dem Festhalten der Forschungsergebnisse aus der ersten Phase ging es nun auch um deren Einordnung in einen größeren Kontext. Zu dieser Arbeitsphase gehörten u.a. intensivierte Archivarbeit; Kontakte innerhalb Deutschlands und bis nach Uruguay zu einem Besuch der Colonia Valdense (Wirkungsstätte von Annemarie Rübens), Erarbeitung von interessanten Fragen des Umfelds (Religionspädagoginnen, erste Rabbinerin), Diskussionen um grundsätzliche Fragen zum Umgang mit Gedenken (Konkret: Können und wollen wir mit unserer Tafel auch Frauen ehren, die später – in der Zeit des Nationalsozialismus – eine schwierige Rolle gespielt haben? Wir entschieden uns dagegen, Margarete Braun auf die Gedenktafel aufzunehmen, obwohl sie 1921 eine der allerersten war, die in Marburg ihr Fakultätsexamen ablegten).

    Im Frühjahr 2001 konnte das Projekt abgeschlossen werden. Die neuen Erkenntnisse schlugen sich in der Ergänzung der Gedenktafel nieder, die nunmehr zwölf Theologinnen mit Bild und weitere 3 Theologinnen immerhin mit Namen erfasste. Symbolisch blieb ein Feld weiterhin leer. Gedenktafel 2001

    Am 21.10.2001 erhielten die vier Forscherinnen für ihre Dokumentation den mit 6000 DM dotierten Leonore-Siegele-Wenschkewitz-Preis (zusammen mit der Marburger Theologin Dr. Gerlinde Baumann und Dr. Eske Wollrad, Oldenburg). Nähere Informationen unter www.verein-fem-theologie.de.

    3. Aktualisierung für die Fachbereichs-Homepage 2009
    Zum zehnjährigen Jubiläum des Freundeskreises Marburger Theologie e.V. im Juni 2009 – und damit zum zehnjährigen Jubiläum der Gedenktafel-Enthüllung! – ging Hanna Dallmeier, inzwischen Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich, den Weg der Ersten Theologinnen Marburgs noch einmal nach, um ihn für die Homepage des Fachbereichs zu dokumentieren.

    Dabei stellte sich heraus, dass es mehr frühe Theologinnen in Marburg gegeben hat, als wir je für möglich gehalten hätten: Die Zahl der zu ehrenden Theologinnen sprengt die Tafel mit ihren 14 Feldern! 19 Theologinnen konnten bisher ausfindig gemacht werden, die bis 1933 in Marburg ihr Fakultätsexamen abgelegt haben, davon sollen 18 auch durch die Gedenktafel geehrt werden. Weitere zwei Theologinnen gehören in den Umkreis (z.B. eine lic. theol.). Zu allen diesen Theologinnen wurden Kurzbiografien. Außerdem wurde in Abstimmung mit dem Dekanat ein mutiger Schritt beschlossen: Es wird eine zweite Tafel geben! Denn wer weiß, wie viele frühe Marburger Theologinnen noch aus der Versenkung der Geschichte auftauchen werden! Sie ausfindig zu machen und auf die Gedenktafeln zu bringen wird die Aufgabe späterer Theologiestudierenden-Generationen.

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen  Bultfrau zum Sölle-Gedenken  Bultfrau zum Sölle-Gedenken 

    Ein kreatives Projekt des FrauenLesbenPlenums 2000-2004

    Zum Gedächtnis von Dorothee Sölle, die uns feministische Befreiungstheologie gelehrt hat.

    Mit der Bultmann-Statue im Innenhof der Alten Uni fing alles an: Jemand hatte ihr anlässlich des Feministischen Studientages im Sommer 2000 zum Thema „Wo zur Hölle sind unsere Vorbilder?“ einen apfelgrünen Seidenschal umgelegt. Da kam die Frage auf: Warum gibt es hier eigentlich nur „Bult-Männer“? (Damals hatte der Fachbereich noch keine einzige Professorin.) Eine „Bult-Frau“ musste her! Und der Gedanke war geboren: Wir bauen uns selber eine! Bei der Gestaltung ließen wir uns inspirieren von der Künstlerin Niki de Saint Phalle und ihren überdimensionierten Frauenfiguren, den „Nanas“.
     
    Viel gäbe es jetzt zu erzählen über die Mühen, eine ausrangierte Schaufensterpuppe zu finden (als Innenleben für die Bultfrau) oder über unsere Versuche, mit bloßen Füßen den Beton für das Fundament zu mischen. Über das Sammeln von Spenden für die Materialkosten oder darüber wie viel Spaß es macht, bei einer Fete gemeinsam eine große weiße Pappmaché-Puppe mit bunten Farben zum Leben zu erwecken! Das gemeinsame Bauen gab uns Gelegenheit zu tiefsinnigen Gesprächen und zu fröhlichen Mußestunden – und natürlich kamen auch Debatten über Feministische Theologie oder die Frauenpolitik am Fachbereich dabei nicht zu kurz.

    Stationen der Entstehung:
    - Sommer 2000: Fest im Innenhof der Alten Uni: Die Idee wird geboren
    - Die Theologiestudentinnen Anne Rudolph, Sabine Hiller und Hanna Dallmeier beginnen mit der Materialbeschaffung. Das Fundament wird gegossen.
    - Sommersemester 2001: An den Abenden eines als Blockseminar stattfindenden Feministischen Lehrauftrags zum „Frühen weiblichen Mönchtum“ (Dr. Ruth Albrecht) wird die Statue aus einer Schaufensterpuppe, Hasendraht und viel Pappmaché gebaut (ca. 16 Teilnehmerinnen)
    - Im Zusammenhang mit einer FrauenLesben-Fete können sich alle an der farbigen Gestaltung der Figur beteiligen (ca. 70 Teilnehmerinnen)
    - Am 5.5.2004 wird die Bultfrau dem Gedenken an Dorothee Sölle gewidmet

    Von der ersten Idee bis zum letzten Pinselstrich hat die Bultfrau die Alte Uni nie verlassen, und hat nun ihre Heimat im Café204, dem Kommunikationsraum der Alten Uni, gefunden. Dort fand auch am 5. Mai 2004 die kleine Feierlichkeit statt, in der wir die Bultfrau dem Gedenken an Dorothee Sölle widmeten, die ein Jahr zuvor, am 27.4.2003, gestorben war. Als theologische „Enkelin“ Rudolf Bultmanns (sie war Schülerin der Bultmann-Schülerin Marie Veit) und kreativer Geist war sie es, der wir unsere Bultfrau anvertrauen wollten.
    Die einführenden Worte sprach dabei Frau Prof. Dr. Ulrike Wagner-Rau, die zu dem Zeitpunkt bereits zweite Professorin am Fachbereich!

    Mittlerweile hat die Bultfrau auch eine „Schwester“ bekommen: Im Sommer 2003 entstand in St. Nicolai, der 600 Jahre alten Backstein-Basilika in Lüneburg, die  "Nicola".