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Tanja Ackermann: Bitte könnte ich vielleicht? Eine kontrastive Untersuchung zu Aufforderungen in Deutschland und in der deutschsprachigen Schweiz

KURZFASSUNG: Im öffentlichen Diskurs über Unterschiede zwischen Deutschland und der deutschsprachigen Schweiz ist häufig das Stereotyp anzutreffen, dass Deutsche in der Kommunikation direkter agieren. Variationell-pragmatische Studien, die das kommunikative Verhalten in Deutschland und der deutschsprachigen Schweiz kontrastieren, existieren bislang jedoch nicht. In dieser Studie werden die Ergebnisse aus einer Online-Umfrage und fünf Fokusgruppen-Interviews vorgestellt, mit denen die Variation hinsichtlich der Realisierung/Bewertung von Aufforderungen zwischen verschiedenen Regionen innerhalb Deutschlands und der deutschsprachigen Schweiz untersucht wird. Dabei bestätigen die Fokusgruppen-Interviews, dass es aus interkultureller Perspektive ein großes Bewusstsein für Unterschiede im kommunikativen Verhalten gibt. Die Ergebnisse der Online-Umfrage zeigen, dass konventionelle Indirektheit und Hedging-Strategien tatsächlich vom Norden des untersuchten Gebiets nach Süden hin zunehmen. Dabei zeigt sich jedoch auch, dass sich das Alemannische auf deutscher und Schweizer Seite weitestgehend homogen verhält, was Generalisierungen widerspricht, die ausschließlich auf nationale Staatlichkeit abheben.

Schlagworte: Variationelle Pragmatik, Direktive Sprechakte, Discourse Completion Task, Fokusgruppen-Interviews, Pluriarealität, Höflichkeit

ABSTRACT: In the public discourse on differences between Germany and German-speaking Switzerland, the stereotype that Germans act more directly in communication is often found. Variational-pragmatic studies that contrast the communicative behaviour in Germany and German-speaking Switzerland do not yet exist. This study presents the results of an online survey and five focus group interviews that examine the variation in the realization/evaluation of requests between different regions within Germany and German-speaking Switzerland. The focus group interviews confirm that there is a great awareness of differences in communicative behaviour from an intercultural perspective. The results of the online survey show that conventional indirectness and hedging strategies are indeed increasing from the north of the investigated area to the south. However, it also shows that the Alemannic language behaves homogeneously on the German and Swiss sides, which contradicts generalizations that emphasize national statehood.

Keywords: Variational pragmatics, directive speech acts, discourse completion task, focus group interviews, pluriareality, politeness