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Pronunciation Matters – Deutsch L2-Aussprache erforschen und vermitteln

Pronunciation Matters ist ein interdisziplinäres Lehr- und Forschungsprojekt, das sich der Erforschung und Vermittlung fremdsprachlicher Aussprache widmet. Im Projekt werden Sprachaufnahmen von Lernenden systematisch erhoben, aufbereitet und über eine digitale Plattform für Forschung, Professionalisierung und Unterricht zugänglich gemacht. Beteiligt sind derzeit vier an der Philipps-Universität Marburg vertretene Bereiche: Spanisch, Französisch, Englisch und Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. 

Ausgangspunkt des Projekts ist die Beobachtung, dass Aussprache eine zentrale Rolle für die mündliche Kommunikation und Verständlichkeit in einer Fremd- oder Zweitsprache spielt, in Forschung und Vermittlung jedoch häufig weniger systematisch berücksichtigt wird als andere sprachliche Bereiche. Pronunciation Matters möchte dazu beitragen, diese Lücke zu schließen und empirische Ausspracheforschung, Professionalisierung von Lehrkräften und Unterrichtspraxis enger miteinander verbinden.

Das Deutsch L2-Korpus

Die AG Deutsch als Fremd- und Zweitsprache verantwortet innerhalb des Projekts den Aufbau des deutschen L2-Aussprachekorpus. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich die Aussprache von Lernenden mit verschiedenen L1 systematisch erfassen und für unterschiedliche Forschungsfragen zugänglich machen lässt. Das Korpus berücksichtigt dabei gezielt phonetisch-phonologische Phänomene, die für den Erwerb des Deutschen als L2 von besonderem Interesse sind.

Die Erhebungsmaterialien wurden aus einer DaFZ-orientierten Perspektive entwickelt. Die Wortliste umfasst 96 Items, darunter 11 Minimalpaare, und bildet ein breites Spektrum relevanter lautlicher Phänomene ab. Berücksichtigt werden unter anderem Vokalqualität und -quantität, Umlaute und Diphthonge, die ich- und ach-Laute, der Schwa-Laut sowie positionsabhängige phonologische Prozesse wie die Auslautverhärtung. Die Items wurden so ausgewählt, dass die jeweiligen Phänomene mehrfach und teilweise in unterschiedlichen Wortpositionen auftreten. Zugleich wurden die lexikalische Frequenz und Komplexität berücksichtigt, damit die Materialien auch für Lernende auf niedrigeren Kompetenzniveaus zugänglich sind.

Ergänzt wird die Wortliste durch eine Satzliste, in der ausgewählte Items in einen syntaktischen Kontext eingebettet werden. Dadurch können unter anderem Unterschiede zwischen der Aussprache isolierter Wörter und ihrer Realisierung in größeren sprachlichen Einheiten untersucht werden.

Forschung, Lehre und Transfer

Das deutsche Korpus eröffnet vielfältige Möglichkeiten für die empirische Erforschung der L2-Aussprache. Untersucht werden können beispielsweise Aussprachemuster in Abhängigkeit von sprachlichem Hintergrund und Kompetenzniveau, Erwerbsschwierigkeiten bei einzelnen phonetisch-phonologischen Phänomenen sowie der Einfluss von Wortposition, sprachlichem Kontext und Orthographie.

Zugleich versteht sich Pronunciation Matters ausdrücklich als Verbindung von Forschung und Vermittlung. Die Sprachdaten können in der universitären Lehre und in der Professionalisierung angehender und praktizierender DaFZ-Lehrkräfte eingesetzt werden, etwa zur Analyse und Reflexion authentischer Lernendenaussprache. Darüber hinaus sollen auf der Grundlage des Korpus didaktische Materialien für die Aussprachevermittlung entwickelt, erprobt und über die Plattform zugänglich gemacht werden. Interessierte Lehrende und Forschende sind eingeladen, mit den Daten zu arbeiten und eigene Didaktisierungen zu entwickeln.

Damit schafft Pronunciation Matters nicht nur eine Forschungsinfrastruktur für die Untersuchung von L2-Aussprache, sondern zugleich einen offenen Arbeitsraum an der Schnittstelle von Spracherwerbsforschung, Fremdsprachendidaktik und Lehrkräfteprofessionalisierung.

  • Projektleitung: Prof. Dr. Felix Tacke 
  • Projektleitung DaF-Korpus: Prof. Dr. Kathrin Siebold
  • Materialkonzeption: Theresa Fischer, Prof. Dr. Kathrin Siebold, unter Mitarbeit von Dr. Gea de Jong-Lendle
  • Durchführung der Erhebungen: Theresa Fischer und Studierende des Seminars „Unterrichtsforschung im SoSe 2026“ (Link folgt!)
  • Ausführlichere Informationen zum Projekt: Link
  • Zugang zum DaFZ-Korpus: Link
  • Zugang zu den Unterrichtsmaterialien: Link