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1748 – 1845: Die Anfänge institutionell organisierter Musik an der Philipps-Universität

Alte Universität vor dem Umbau 1874
Foto: Ludwig Bickel

Der erste »Universitäts-Musicus«, mit Namen Ursini, kam 1748 an die Philipps-Universität. Dies war jedoch mehr ein Titel als ein Beruf, denn Lohn bekam Ursini für seine Arbeit nicht. Sein Wirken bezog sich jedoch mehr auf den Instrumentalunterricht als auf die Arbeit mit Ensembles. Viel über ihn bekannt ist jedoch nicht. Seine Nachfolger, Bernhard Hupfeld (1775) sowie Carl Wilhelm Byrnheid (1795), wurden dagegen mittlerweile bereits »Universitäts-Concertmeister« genannt. Ihre Aufgaben bezogen sich neben der Lehre hauptsächlich auf das Dirigat (fast ausschließlich instrumentaler) Musik bei Universitäts-Feierlichkeiten. Von einem Chor ist immer noch nichts überliefert, wenngleich die 1786 gegründete »Gesellschaft des Liebhaberkonzerts zu Marburg« während eines Winters monatlich ein großes Vokal- und Instrumentalkonzert veranstaltete. Die vornehmliche Aufgabe des Universitäts-Concertmeisters der damaligen Zeit war »die Aufführung der Musik am Geburtsfeste seiner Königlichen Hoheit des Kurfürsten.« Aber auch:

»Sollte außerdem bei akademischen Feierlichkeiten eine Musikaufführung für angemeßen gehalten werden, so hat er auch damit […] willig an Hand zu gehen«,

wie es in der »Instruction für den Universitäts-Concertmeister« Nicolaus Beck, der 1828 nach 26jähriger Tätigkeit als Kantor in Marburg Nachfolger von Byrnheid wurde, heißt.

Die Universität allerdings schien überdies jedoch kein großes Interesse an der Institutionalisierung der Universitätsmusik zu haben. War die Stelle des Universitäts-Concertmeisters ohnehin schon vollkommen unterbezahlt (Byrnheid klagte häufig, dass er »durchaus nicht im Stande [sei seinen] Lebensunterhalt ferner zu finden«), musste Beck mehrmals deutlich um weitere finanzielle Unterstützung bitten. Nachdem er mit ein paar Sangesfreunden einige Chöre aufgeführt hatte, bezweifelte er »ob [ihm] das jedesmal auch künftig gelingen wird«. Den Titel eines „akademischen Musikdirektors“ verwehrte man auch ihm.

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Quellen:

- Hans Engel: Die Musikpflege der Philipps-Universität zu Marburg seit 1527. Marburg, 1957.
- Der Marburger Konzertverein. Ein Streifzug durch seine Geschichte von 1786 bis 1999. Marburg, 1999.