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1989 – heute: Ein neuer »Universitätschor«

Wolfgang Schult

Nachdem sich 1979 der zum »collegium musicum« des Musikwissenschaftlichen Instituts der Philipps-Universität gehörende Universitätschor aufgelöst hatte, trafen sich im Wintersemester 1988/89 gewillte und sangesfreudige Studierende in einer Privatwohnung in der Barfüßerstraße, um darüber zu diskutieren, einen neuen »Universitätschor« ins Leben zu rufen. Diese kommen größtenteils aus dem Marburger Bachchor und konnten durch die dortige Umstrukturierung die Proben nicht mehr besuchen. Am 08.12.1988 wurde der erste Chorleiter, Wolfgang Schult (Foto links), schriftlich angefragt, die Chorleitung der Gruppe zu übernehmen (hier finden Sie den Brief). Die Proben fanden am Anfang noch in den Räumen der SELK bzw. der Grundschule neben den Siechengärten statt. Später zog man zu Proben ins Ernst-von-Hülsen-Haus oder ins Audimax. Bereits im folgenden Sommersemester 1989 fand das erste Konzert des neuen Unichores in der Kugelkirche statt. Die folgenden Konzerte fanden so gut wie immer in der Universitätskirche statt.

Relativ schnell zeigte sich, dass es in einem studentischen Chor feste Strukturen – sowohl was die Organisation als auch was die Finanzen betrifft – geben muss. Die Universität unterstützt den Unichor seit Beginn an mit Proberäumen und mit Mittel für den Notenkauf, jedoch mussten alle anderen Kosten eigens refinanziert werden. So gründete man im Jahr 1992 den »Verein zur Förderung von Universitätschor und -orchester e.V.« (in den ersten Jahren gab es noch ein paar Semester ein Universitätsorchester unter der Leitung von Wolfgang Schult), später (1999) wird der »Universitätschor Marburg e.V.« eigenständig ins Vereinsregister eingetragen.

Wolfgang Schult prägte den Chor hin zum reinen A-cappella-Chor und gab ihm sein heutiges Profil, sich der Wiederentdeckung vergessener Komponisten und Werke verdient zu machen. Schult investierte viel Zeit in die Suche nach vergessener Chorliteratur und fuhr dazu regelmäßig in über deutschlandweit verteilte Archive. So konnte der Unichor unter Schult einige Komponisten der Vergessenheit entziehen: Wilhelm Berger, Georg Schumann, Ferdinand Thieriot, Giacomo Meyerbeer, Christian Theodor Weinlig, Alexander Ritter – um nur einige zu nennen.

Gruppenfoto 2004

Ebenfalls geprägt durch Schult intensivierte sich um die Jahrtausendwende eine lange Freundschaft mit dem Chorale Universitaire de Poitiers,  der im WS 1989/99 zum ersten Mal nach Marburg kommt. Drei Jahre später fährt der Marburger Unichor erstmals nach Poitiers. Besuche und Gegenbesuche folgen außerdem im WS 2009/10 sowie im SS 2015. Doch nicht nur mit dem Partnerchor aus Frankreich hat man internationale Kontakte: Im SS 2003 konzertiert man gemeinsam mit dem Coro de la Universidad de Alcalá und nur ein halbes Jahr später fährt man gemeinsam mit Schülern des Laubach-Kollegs. auf Konzertreise nach Castellanza (nach Mailand). Im SS 2004 empfängt man Schüler aus Castellanza auch in Marburg. (Das Bild links zeigt den Unichor im Jahr 2004.)

Orchesterprojekte sind trotz der klaren Prägung des Unichors nicht ausgeschlossen: So führte man beispielsweise im WS 1996/97 gemeinsam mit der Jungen Marburger Philharmonie und dem Studenten-Sinfonieorchester das »Deutsche Requiem« von Johannes Brahms auf oder nur zwei Jahre später zum zehnjährigen Jubiläum »The Dream of Gerontius« von Edward Elgar. Ein besonderer Höhepunkt war die Aufführung von Bergers »Totentanz«, welches im WS 2012/13 zum ersten Mal seit seiner Uraufführung 1903 wieder erklungen ist. Das Konzert war gleichzeitig das letzte Konzert unter Wolfgang Schult. Schult verließ den Unichor in den darauffolgenden Semesterferien nach 24 Jahren erfolgreicher Chorarbeit. Die Interimsleitung im SS 2013 erfolgte durch die langjährigen Chormitglieder Mathias Weyel und Matthias Warkus.

Gruppenfoto 2014

Im WS 2013/14 wird mit dem Marburger Bezirkskantor Nils Kuppe ein Nachfolger für Wolfgang Schult gefunden, der den durch Schult geprägten Unichor in diesem Sinne weiterführt. Mit einem großen Festakt in der Marburger Universitätskirche und dem Kreuzgang der Alten Universität feiert der Unichor im SS 2014 sein 25jähriges Jubiläum (Foto links, finden Sie hier auch die Festschrift (PDF) und die Festansprache) Auf der anschließenden Konzertreise nach Köln und Koblenz singt man im Kölner Dom. Im Herbst 2016 wurde die erste CD des Unichors (»...wie liegt die Welt so schön!«) veröffentlicht, vorher ging es für den Chor auf Konzertreise nach Norddeutschland, wo er u.A. im Bremer Dom und im Hamburger Michel auftrat.

Es folgte ein weiteres Orchesterprojekt mit der Jungen Marburger Philharmonie und die alle zwei Jahre stattfindenden Konzertreisen etablieren sich mit einer Fahrt in den Osten Deutschlands im Sommersemester 2018, nach Leipzig und Dresden. Dort wurde auch erstmals ein eigens für den Unichor komponiertes Werk von Thomas Cornelius aufgeführt.

2019 feiert der Universitätschor Marburg e.V. sein 30jähriges Jubiläum mit Orchesterunterstützung (Festansprache (PDF) und Grußwort des Chorleiters (PDF)).

 

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