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Tätigkeitsfelder Germanistik

Die Germanistik ist die Wissenschaft von der deutschen Sprache, Literatur und Kultur. Sie ist eine Geisteswissenschaft mit einem direkten, nicht zu unterschätzenden Einfluss auf alles Gesellschaftliche. 

Literaturwissenschaft - Sprachwissenschaft - Deutsch als Fremdsprache

  • Wer sich auf die Herausforderung einlässt, eine „Landessprache“, entweder als eigene, aber auch als „fremde“, wissenschaftlich zu erkunden, wird es bald als Abenteuer erleben. Es geht nie um das gesprochene Wort, den gelesenen Text allein, sondern immer darum, woher er kommt, was seine Entstehung beeinflusst hat, welche „Nachbarschaften“ darin zu entdecken sind, was er ausdrücken will, was er erreichen kann.
  • Die Germanistik hat also immer sowohl eine historische als auch eine aktuelle Perspektive. Sie kümmert sich sowohl um den Alltag des gesprochenen Wortes als auch um die höchste Form künstlerischen Ausdrucks. Sie ist sowohl Kommunikations-, als auch Kultur- und Kunstwissenschaft. Wann wird aus Sprechen Erzählung, wann aus Text Literatur? Welche Medien können genutzt werden, um Botschaften zu senden? Wann gelingt sprachliche Kommunikation? Wie, wo und wann scheitert das Sprechen, Lesen oder Schreiben?
  • Nicht von ungefähr kommen insbesondere in der Marburger Germanistik daher viele Dinge zusammen: Sprachwissenschaft, Literaturwissenschaft, Sprechwissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Theaterwissenschaft, Medienwissenschaft, Kunstwissenschaft und mehr.  Als besondere Aufgabe bleibt zum Beispiel noch die Vermittlung von Sprache und Sprachkultur zu erwähnen, was eine starke Verbindung zum Lehramt schafft und sich außerschulisch in den Anwendungsgebieten „Deutsch als Fremdsprache“ (DaF) und „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ) ausdrückt.

Spezialist*innen des Lesens, Schreibens und Sprechens

  • Menschen, die Germanistik studieren, haben eine Fülle von Möglichkeiten, sich zu bilden und zu spezialisieren. Allen gemeinsam ist aber, dass sie Viel-Lesende, Viel-Schreibende und Viel-Sprechende sind.
  • Auf dem Arbeitsmarkt werden Sie ohne viel Aufhebens als DIE Spezialist*innen des Lesens, Schreibens und Sprechens anerkannt und werden überall dort gerne eingesetzt, wo es darum geht, Lesen, Schreiben, Sprechen auf dem höchsten Niveau zu praktizieren.
  • Germanist*innen sind auf allen Tätigkeitsfeldern des akademischen Arbeitsmarktes (Forschung, Kommunikation, Bildung, Beratung, Management, Organisation und Verwaltung, Dienstleistung und „Unbekanntes“) anzutreffen, ihre „Domänen“ sind aber strukturell „Kommunikation“ und „Bildung“. Die Brücke zum Management bildet meistens das „Content-Management“, über die trainierenden Kompetenzen des Sprechens und Präsentierens bzw. der Rhetorik erschließt sich ihnen sowohl das Tätigkeitsfeld der Beratung (insb. praktische Politikberatung) als auch der Dienstleistung.  
  • Kunst- und Kulturschaffen, Theater, Lyrik, Autorenschaft… Als Meister*innen der Textanalyse steht ihnen noch etwas ganz Besonderes offen: Kritik und Lektorat! Kein Lektorat ohne Kritik, keine Kritik ohne das Handwerkzeug des Lektorats. Da, wo die Kritik das große Ganze, das WERK, im Blick haben muss, ist das Lektorat eher die vorgelagerte, kleinteilige Vorschau auf das Werk, die dafür sorgen soll, dass es nicht zu viel Kritik hagelt, wenn es erst einmal öffentlich geworden ist. 

Berufseinstieg und Arbeitsmarkt

  • Der Berufseinstieg auf Bachelor-Basis gelingt in den eher medialen, kommunikativen Ausrichtungen der germanistischen Wissenschaft etwas leichter als in der reinen Literaturwissenschaft. Wenn es darum geht, den Text zu schreiben, die Botschaft zu kreieren haben alle Absolvent*innen der Germanistik ihre Chancen.
  • Den Text zu hinterfragen, die Botschaft zu variieren, die Kommunikation in einen größeren Zusammenhang zu stellen, das traut der Arbeitsmarkt erfahrungsgemäß eher den Menschen ab der Masterebene zu. 
  • Der Zugang zur „schreibenden Zunft“ (Journalismus, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) erfolgt zumeist über Volontariate, geleitete, strukturierte und bezahlte Praktika, die zu einer „Ausübungsberechtigung“ führen (Journalist*in, Redakteur*in). Diese Ausübungsberechtigung bindet mich nicht an einen Arbeitgeber oder eine Publikationsform, sondern ermöglicht mir eine sehr hohe Bewegungsfreiheit auf dem schreibenden, kommunizierenden Markt. 
  • Auch in der Germanistik stellt der allgemein geisteswissenschaftliche Hintergrund einen Zugang zu allen bewahrenden, aufbereitenden und dokumentierenden Tätigkeiten (Archiv, Bibliothek, Museum) zur Verfügung, auch hier meist ab Master-Ebene über Volontariate („Museumsfachkraft“) oder Referendariate („Bibliothekar*in“). So richtig erfolgreich beschreiten allerdings die promovierten Kräfte der Germanistik diesen Weg. 
  • Der Zugang zum Verlagswesen, der eher kaufmännischen, produktiven Seite der „Kommunikation“, erfolgt über sogenannte Trainee-Programme („Training on the job“). Diese sind heutzutage sehr stark mit dem Begriff des Content-Managements verbunden, neuerdings auch mit kreativen Hintergrund („Creative Management“). Im Unterschied zum Volontariat gibt es hier eine stärkere Bindung an den Arbeitgeber, da dieser das Programm in seinem Interesse aufgesetzt hat, um Führungsnachwuchskräfte für die Zukunft zu rekrutieren und heranzubilden. Salopp ausgedrückt: Bei einer Trainee-Stelle ist die zukünftige Arbeitsstelle schon mitgedacht, bei einem Volontariat nicht. 
  • Im Zeitalter von Netflix und anderen Streaming-Serien-Produzenten hat noch ein alter Tätigkeitsbereich einen neuen Aufschwung erfahren: Das Drehbuch oder das Scripting. Neben dem eigenen Talent führen hier meistens längere, spezialisierte berufliche Weiterbildungen dazu, sich Drehbuch-Autor*in nennen zu dürfen. Und natürlich gibt es sie immer noch: den/die Redenschreiber*in.
  • Für den erfolgreichen Berufseinstieg kann es sehr hilfreich sein, sich schon während des Studiums z.B. über Praktika oder Weiterbildungsangeboten mit der digitalen Seite der Textproduktion und -verbreitung (Autorensysteme, Content-Management-Systeme) zu beschäftigen, sich methodisch-didaktische Kenntnisse aus der Bildungs- und Erziehungswissenschaft anzueignen oder die Tools des Projektmanagements der BWL kennenzulernen.

So ergeben sich folgende 8 Tätigkeitsfelder in der Germanistik:

  1. Forschung und Lehre
  2. Kommunikation: Journalismus, Redaktion, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Wissenschaftskommunikation, Unternehmenskommunikation, Werbung, Marketing
  3. Bildung:  Außerschulische Bildung, Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbildung, Schul- und Berufsbildung, Kulturelle und Politische Bildung, Spracherwerb- und vermittlung
  4. Beratung: Studien- und Berufsberatung, Bildungsberatung, Personalberatung, Persönlichkeitsberatung, Sprechtraining, Rhetorik
  5. Management: Wissenschaftsmanagement, Wissensmanagement, Verlagswesen, Publizistik, Contenmanagement, Creative Management
  6. Organisation und Verwaltung: Archiv, Bibliothek, Museum, Stiftungen, Bildungs- und Kultusministerien, staatliche und bürgerschaftliche Aufsichtsstellen (LKA, BKA, FSK), Kulturdiplomatie (DAAD, Goethe-Institute)
  7. Dienstleistung: Verlag und Vertrieb, Buchhandel, Messewesen, Sprachschule, Sprech-, Sprach- und Ausdrucks-Training, Lektorat, Begutachtung (Herkunft, Echtheit), Trend-Spotting, Autor*innen Recruitment und -Pflege, Zusammenfassungsdienste, praktische Rhetorik (Reden)
  8. Sonstiges: Kunst- und Kulturschaffen, Autor*innenschaft, Drehbuch, Scripting, Rezension, Kritik

Diese Informationen wurden auf Grundlage von BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit und den Absolvent*innenstudien der Philipps-Universität zusammengestellt. Wir danken Edgar Losse von der Agentur für Arbeit Marburg für die Anregung und Unterstützung.

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