17.06.2026 "Unsicherer Weg"
Personalrat unerwünscht: Der Marburger Tag der Wissenschaft thematisierte den Faktor Zeit bei der wissenschaftlichen Karriere.
Eines ist sicher in der Wissenschaft: Unsicherheit prägt das Arbeitsleben der Nachwuchskräfte in Forschung und Lehre; das konnten Promovierende und Postdocs vom "Tag der Wissenschaft" der Philipps-Universität mitnehmen, der sich am 16. Juni 2026 in der Alten Universität dem Thema "Time und Timing in der wissenschaftlichen Karriereplanung" annahm. Seltsamerweise hatte das Organisationsteam den Personalrat draußen gehalten, obwohl er Einiges zum Thema Arbeitszeit hätte beitragen können.
Wie schwer es für den wissenschaftlichen Nachwuchs ist, sich Zeit freizuschaufeln, zeigte allein schon der schüttere Besuch der Veranstaltung. Die Aula der Alten Universität war gerade mal zu einem Viertel gefüllt. Die Halle wäre noch leerer gewesen ohne die zahlreichen Beschäftigten aus der Verwaltung, die vorm Versammlungssaal Informationsstände betreuten - das Referat für Personalentwicklung war ebenso vertreten wie der Forschungscampus Mittelhessen und die Nachwuchsakademie MARA -, aber während der Diskussionsveranstaltung brav die Reihen schlossen.
Bei einer Podiumsdiskussion wurden etliche Aspekte angesprochen, die jungen Leuten in der Wissenschaft das Leben schwer machen: etwa Kettenbefristungen, erschwerte Familienplanung und die doppelte Abhängigkeit von lebenslang verbeamteten Vorgesetzten, die sowohl arbeitsrechtlich weisungsbefugt sind als auch die Qualifikationsschriften beurteilen. Da scheint Machtmissbrauch vorprogrammiert. Der Sozialwissenschafler Niels Vief als Mitgründer der Marburger Promovierendenvertretung stellte fest, der wissenschaftliche Beruf sei „ein unsicherer und kaum planbarer Weg“ und oftmals finanziell nicht abgesichert.
Das bestätigte auch Armin Krawisch vom Fördermittelgeber DFG, der zugab, dass der Karriereweg in der Wissenschaft „von Unsicherheiten geprägt“ sei. Immerhin konnte er berichten, die DFG fördere mittlerweile manche Forschungsprojekte bereits für vier oder fünf Jahre statt bloß für drei. Selbst Unipräsident Thomas Nauss stieß ins selbe Horn: Insbesondere die Phase zwischen Promotion und Dauerstelle beschrieb er als „kritisch“. Seine Handlungsempfehlung: Man brauche "einen tiefgreifenden Kulturwandel“ im gesamten Wissenschaftssystem.
Der Personalrat hätte Einiges zu diesem Austausch beitragen können: Die Interessenvertretung kennt genügend Beispiele, bei denen die Arbeitszeit nicht für die wissenschaftliche Qualifikationsarbeit reicht, weil die Betroffenen mit Verwaltungsaufgaben überlastet sind. Aber natürlich ist es bequemer, all das als Einzelfälle abzutun, statt das Systemversagen anzugehen.