Die beiden Szepter der Universität

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Foto: Bildarchiv Foto Marburg

Universitätsszepter werden als Wahrzeichen der akademischen Selbstverwaltung gedeutet. 1532/33, kurz nach dem Universitätssiegel, konnte Marburg auch ein Szepterpaar erlangen. Die beiden Stücke bestanden jeweils aus einem gedrehten Griff und einem sechskantigen Schaft, die Szepterköpfe wurden 1618 von Johannes Schultheiß umgestaltet: Umgeben von sechs radial angesetzten flügelartigen Gebilden ist eine Halbbüste von Landgraf Philipp angebracht, als Bekrönung dient ein doppelköpfiger Adler. Die beiden Inschriften weisen auf den Universitätsgründer und auf Kaiser Karl V. hin. Die Umarbeitung gehört offenbar in den Zusammenhang der Auseinandersetzungen zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt, in deren Zuge 1607 in Gießen eine weitere Universität gegründet worden war. So sollte wohl der Vorrang Marburgs vor Gießen unterstrichen werden.
Mit der Übernahme der Universität in Marburg durch Landgraf Ludwig V. von Hessen-Darmstadt und der damit verbundenen Schließung Gießens 1625 wurde auch das Szepterpaar an den neuen Rektor ausgehändigt. Bei der 100-Jahrfeier der Universität 1627 trug man beide Szepter noch einmal zusammen den Professoren voran. Nach dem Teilungsvertrag über die Universitätsgüter vom Herbst des Jahres wurde ein Szepter Landgraf Moritz übergeben, der es nach Kassel brachte. Wohl 1632/33 ließ man zum Gebrauch an der dort gerade gegründeten Hohen Schule ein identisches Gegenstück anfertigen, das jedoch etwas gröber gearbeitet und im Schaft etwas länger als das ältere Szepter ist.
Seit 1653 wurde dieses Szepterpaar in Marburg benutzt. Das 1627 in Marburg verbliebene Szepter ging nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs nach Gießen, wo es bereits ein Szepterpaar gab. So verfügt die dortige Universität bis heute über drei Szepter.

Dr. Katharina Schaal

E.-M. FELSCHOW, C. LIND, Ein hochnutz, nötig und christlich Werck. Die Anfänge der Universität Gießen vor 400 Jahren, Gießen 2007, S. 37;
C. GRAEPLER, Zur Geschichte der Marburger Universitätsszepter (Marburger Reihe 18), Marburg 1983.