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31.10.2018

Ein unberechenbarer Erreger

Dr. Christian Keller vom Fachbereich Medizin erforscht Erreger des Tsutsugamushi-Fiebers – Bakterium tritt vor allem in tropischen Ländern auf

Gruppenfoto des Forscherteams
Foto: Christian Keller

Das Forscherteam aus Marburg und Kathmandu am Central Department of Biotechnology, Tribhuvan University Kathmandu.

Das Tsutsugamushi-Fieber ist eine gefährliche, von Milben übertragene und mit dem Fleckfieber verwandte Infektionskrankheit, die vor allem in Südostasien auftritt. Die Symptome sind sehr unterschiedlich – manchmal verläuft die Infektion völlig unbemerkt, manchmal ruft sie schwere Hirn- oder Herzmuskelentzündungen hervor, die zum Tod führen können. Betroffen sind vor allem Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten. Obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von etwa einer Million Fälle pro Jahr ausgeht, wird bisher wenig am Erreger der Erkrankung, Orientia tsutsugamushi, geforscht. Dr. Christian Keller vom Institut für Virologie am Fachbereich Medizin der Philipps-Universität Marburg will das ändern.

Wer in Südostasien am Tsutsugamushi-Fieber erkrankt, hat vielerorts nur eine geringe Chance auf eine korrekte Diagnose und das richtige Antibiotikum. „Zum einen ist der Erreger unberechenbar - die Infektionen können unerwartet und in großer Zahl auftreten, und man weiß immer noch nicht, warum das so ist. Auch ist immer noch nicht bekannt, was ihn so gefährlich macht. Vor allem aber fehlen in Südostasien die diagnostischen Möglichkeiten. Vielerorts wird die Infektion unterschätzt, oder sie ist gänzlich unbekannt“, sagt Keller. So seien in Nepal nach dem schweren Erdbeben von 2015 tausende Fälle schwerer Infektionen aufgetreten, die man zunächst für Typhus-Erkrankungen hielt. Die bei Typhus einsetzbaren Antibiotika sind aber gegen den Erreger des Tsutsugamushi-Fiebers unwirksam.

Trotz ihrer großen Verbreitung wird weltweit nur in wenigen Arbeitsgruppen an dieser Infektion geforscht. Grund genug für Keller, das Tsutsugamushi-Fieber genauer unter die Lupe zu nehmen. Dazu kooperiert er mit Anurag Adhikari vom Kathmandu Research Institute for Biological Sciences (KRIBS). Die beiden Wissenschaftler interessiert vor allem, warum der Erreger manchmal schwere Komplikationen hervorruft, die Infektion in anderen Fällen aber völlig unbemerkt verläuft. Aus diesem Grund reisten sie im September – ein Zeitpunkt, zu dem die Fallzahlen erfahrungsgemäß witterungsbedingt zunehmen – in die betroffenen Regionen Nepals, um dort nepalesische Infektionsmedizinerinnen und -mediziner für das Projekt zu gewinnen. „Nepal bietet sehr gute Voraussetzungen, das Tsutsugamushi-Fieber zu erforschen. Was aber fehlt, ist ein Referenzlabor für epidemische und vektorübertragene Infektionserkrankungen“, sagt Keller. „Ein Ziel unserer künftigen Kooperation ist der gemeinsame Aufbau von Kapazitäten, die auch für wissenschaftliche Zwecke genutzt werden können, zum Beispiel durch entsprechende Drittmittelförderung.“ Auch ein Austausch nepalesischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierenden mit der Philipps-Universität wird angestrebt.

Auf erste eigene Daten können die Wissenschaftler bereits zugreifen: Medizinstudentin Nora En-Nosse hat im Rahmen ihrer Doktorarbeit in Kellers Arbeitsgruppe Serumproben gesunder Blutspender aus den Risikogebieten Nepals sowie aus Deutschland untersucht. „Mit einem von uns aufgebauten diagnostischen Antikörpertest wollte sie herausfinden, welcher Bevölkerungsanteil bereits Kontakt mit Orientia hatte. Wir waren überrascht: Bei fast der Hälfte der nepalesischen, aber keinem der deutschen Probanden waren Antikörper gegen Orientia nachweisbar. Die Fälle werden also nicht lange auf sich warten lassen“, sagt Keller.

Die Studie wurde durch das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung finanziert, der Internationalisierungsfonds der Philipps-Universität Marburg fördert nun die internationale Projektanbahnung.

Kontakt

Dr. Christian Keller

Mail: christian.keller@staff.uni-marburg.de

Institut für Virologie
Fachbereich Medizin
Philipps-Universität Marburg

Zuletzt aktualisiert: 31.10.2018 · Gerd Rinke

 
 
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