Digitaler Wenkeratlas (DiWA)
Aufgrund seiner einmaligen flächendeckenden Dokumentation von Dialektdaten kommt Wenkers historischem "Sprachatlas des Deutschen Reichs" eine besondere Bedeutung für die Sprachwandelforschung des Deutschen zu. Ein Vergleich der in ihrer Erhebung über 100 Jahre zurückliegenden Wenkerdaten mit den ebenfalls sehr umfangreichen jüngeren Daten aus Erhebungen anderer Forschungsinstitutionen – etwa aus modernen Regionalatlanten – ermöglicht erstmals die systematische Analyse des Wandels der gesprochenen Sprache über ein Jahrhundert hinweg. Das Projekt "Digitaler Wenker-Atlas (DiWA)", das aktuell am Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas in Marburg durchgeführt wird, ist ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziertes Unternehmen, in dessen Zentrum die Publikation und die wissenschaftliche Aufbereitung des Wenker’schen Sprachatlasses steht. Das Hauptziel der ersten Projektphase (1.4.2001 – 30.9.2003) besteht in der erstmaligen und vollständigen Publikation der 1.653 Originalkarten des "Sprachatlasses des Deutschen Reichs". Der Atlas wird online im Internet und damit einem breiten Publikum, der Wissenschaft wie auch interessierten Laien, zur Verfügung gestellt. Mit der Digitalisierung der Wenker-Karten (Scan-Auflösung 600 dpi) wird das Werk zugleich auf höchster Qualitätsstufe gesichert.
regionalsprache.de (REDE)
Das Forschungsprojekt „regionalsprache.de (REDE)“ wurde 2007 in die Förderung der Mainzer Akademie der Wissenschaften und Literatur aufgenommen. Das Ziel dieses Projektes ist die erstmalige Erhebung und umfassende Analyse der regionalen Sprachvariation in Deutschland. Dieses Projekt ist mit einer Laufzeit von 19 Jahren und einer Fördersumme von rund 14 Millionen Euro eines der umfangreichsten geisteswissenschaftlichen Forschungsvorhaben überhaupt. Die Daten, die in diesem Projekt erhoben werden, sollen gemeinsam mit den bisherigen wissenschaftlichen Ergebnissen der Dialektologie in einer interaktiven Forschungsplattform für jedermann im Internet zur Verfügung stehen. Dank ausgefeilter sprachtechnologischer Methoden wird es der Wissenschaft damit erstmals möglich, sprachlichen Wandel online zu dokumentieren und zu analysieren. Auch jenseits der wissenschaftlichen Nutzung stellt REDE eine faszinierende Quelle dar: Sie erlaubt es, die unterschiedlichsten Erscheinungsformen der deutschen Dialekte zu studieren, sei es in Form dynamisch überblendbarer Sprachkarten, sei es anhand von Tonaufnahmen der alten Ortsdialekte oder anhand aktueller Materialien zum modernen Sprachgebrauch. Neben der sprachwissenschaftlichen Grundlagenforschung bietet das Projekt vielfältige Anwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel in der Kriminalistik oder im Rahmen industrieller Sprachverarbeitungssysteme.
Fundierung linguistischer Basiskategorien (LOEWE-Schwerpunkt)
Der LOEWE-Schwerpunkt zielt auf die Klärung von Grundfragen der linguistischen Beschreibung und Theoriebildung: Kategorien, die in einer zentralen Humanwissenschaft den Status einer Basiskategorie für sich beanspruchen, müssen empirisch fundiert sein. Für die Sprachwissenschaft heißt dies, dass sich direkte Reflexe dieser Kategorien in der Sprachverarbeitung beobachten lassen und dass diese Kategorien im Sprachwandel und in der Sprachvariation einen nachweisbaren Einfluss ausüben müssen. Gleichzeitig müssen Basiskategorien Teil eines theoretisch fundierten Aussagengebäudes sein.
Syntax hessischer Dialekte (SyHD)
Das von der DFG geförderte Projekt „Syntax hessischer Dialekte (SyHD)“ setzt es sich zum Ziel, erstmals und flächendeckend die Dialektsyntax des Deutschen am Beispiel eines gesamten Bundeslands (Hessen) in ihren Grundzügen zu erheben, systematisch zu erschließen und zu analysieren. Das Projekt strebt zwei zentrale „Endprodukte“ an, die online zugänglich sein werden: 1) Umfangreiche Analysen zur hessischen Dialektsyntax, die in der systematischen Zusammenschau verschiedener linguistischer Teildisziplinen erfolgen. Die Daten werden sprachhistorischen, variationslinguistischen und syntaxtheoretischen Analysen unterzogen, deren Ergebnisse in wissenschaftliche Publikationen münden. 2) „Expertensystem zur hessischen Dialektsyntax“ mit zwei zentralen Bausteinen: die im Rahmen des Projekts erhobenen und für weiterführende syntaktische Analysen aufbereitete Daten sowie georeferenzierte Sprachkarten zu ausgewählten Phänomenen.
Sprachvergleich anhand Paralleltexte
Quantitative historische Linguistik

