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Wissenschaftshistorisches Kolloquium - WiSe 2026/2027
Auch im Winterrsemester laden wir Sie wieder herzlich zu unserem „Wissenschaftshistorischen Kolloquium“ ein. Die Veranstaltungen finden immer mittwochs um 18:15 Uhr statt und können vor Ort im Hörsaal des Instituts für Geschichte der Pharmazie und Medizin (Roter Graben 10, 35037 Marburg) und online via BigBlueButton mitverfolgt werden. Bei Interesse an einer Online-Teilnahme wenden Sie sich bitte an unser Sekretariat.
2026
04.11.2026
Dr. Hartmut Bettin
Alltäglicher Wahnsinn im Mittelalter
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Vielfach wird allein anhand historiographischer Quellen und auf der Grundlage eines exklusiven Wahnsinnsdiskurses lateinkundiger Gelehrter vorschnell ein einseitiges Szenario des Umgangs mit Geisteskranken und Geisteskrankheit im Mittelalter entworfen. Geisteskranke werden oft als grausam behandelte und entrechtete Außenseiter dargestellt, denen mit Unverständnis, Angst und Stigmatisierung begegnet wurde. Im Vortrag soll unter Berücksichtigung einer möglichst breiten Quellenbasis ein differenzierteres Bild zum Umgang mit psychisch Kranken im Spätmittelalter sowie zur Wahrnehmung von Geisteskrankheit in ihren verschiedenen Formen gezeichnet werden. Dabei wird vor allem versucht, zu erfassen, wie Geisteskrankheiten und Geisteskranke als Alltagsprobleme bewältigt wurden. Das Hauptaugenmerk liegt daher auf jenen Quellen, die den „Wahnsinn“ in seiner Alltäglichkeit beschreiben. Dazu gehören neben den Amtsbüchern (Stadtbüchern) und Stadtchroniken sowie den Rechtsquellen (Bürgertestamente) vor allem hagiographische Quellen (Mirakelbücher, Heiligenviten) und Bildquellen. Hinzu kommen das lateinische, aber vor allem das volkssprachige medizinische Schrifttum der Zeit. Nur durch eine kritische Zusammenschau all dieser Quellen ist es möglich, einen umfassenderen Einblick zu gewinnen und sich der historischen Wahrheit zu nähern.
02.12.2026
PD Dr. Anja Werner
Beten Sie mit uns, dass den Gehörlosen in Afrika geholfen werden kann:
Die gehörlose West-Berliner Missionarin Berta Zuther Foster (1939-2018) und Gehörlosenbildung in Westafrika
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Im Oktober 1960 stellte die 21jährige gehörlose Schneiderin Berta Zuther aus West-Berlin ihre Familie vor vollendete Tatsachen: Sie hatte eigenständig alle Vorbereitungen für ihre unverzügliche Abreise nach Mampong-Akwapim unweit von Ghanas Hauptstadt Accra organisiert, um eine Ausbildung als Gehörlosenlehrerin in der ghanaischen Gehörlosenschule der Christian Mission for Deaf Africans (CMDA) des ebenfalls gehörlosen afroamerikanischen Missionars Andrew Foster zu beginnen. Andrew und Berta kannten sich seit dem 3. Internationalen Kongress des Weltverbands der Gehörlosen in Wiesbaden im Sommer 1959. Bereits im Januar 1961 heirateten sie in Nigeria, wo Andrew erst kurz zuvor zwei weitere Gehörlosenschulen gegründet hatte. Gemeinsam würden sie insgesamt 32 Schulen, Kirchen und Kulturzentren für gehörlose Menschen in 13 afrikanischen Ländern eröffnen. Andrew war der unermüdliche „Motor“ der Mission, doch war Berta ihm als „Frau im Hintergrund“ – wie sie sich selbst bezeichnete – eine unverzichtbare Stütze. Den Plan, selbst zu unterrichten, gab sie schnell auf. Dafür erledigte sie die umfangreiche Korrespondenz, baute mit aktiver Hilfe ihrer Mutter, Dr. Ilse Zuther-Roloff, ein Unterstützungsnetzwerk in der Bundesrepublik Deutschland auf, das sogar in überregionalen Medien wie der Zeitschrift Stern vorgestellt wurde, und kümmerte sich vor Ort in Ghana und Nigeria um gehörlose afrikanische Schüler:innen. Daneben machte sie im Fernunterricht einen US-amerikanischen High-School-Abschluss und zog fünf eigene Kinder groß. Sie bereitete sich auf ein Studium in den USA vor, doch musste sie diesen Plan aus gesundheitlichen Gründen letztlich aufgeben.
Im Vortrag stelle ich Etappen in Bertas Werdegang vor: Die Kindheit im Nationalsozialismus und in der sich teilenden Stadt Berlin, die Jahre in Ghana und Nigeria als Missionarin und der Umzug in die USA, von wo aus sie nach Andrews Unfalltod 1987 die Mission erfolgreich selbst weiterführte, bis sie sich 2009 nach einem Schlaganfall zur Ruhe setzen musste. Sie starb 2018 im Haus ihrer Tochter in Texas. Bertas Leben verdeutlicht, dass „Behinderung“ eine eindrucksvolle Grundlage für ein engagiertes und erfülltes Leben sein kann. Anhand von Bertas Werdegang lässt sich die Intersektion von Geschlecht, Ethnizität und Ability aufzeigen, wobei Berta selbst immer wieder aufs Neue Vorurteile mit stoischer Ruhe durch eigenes Agieren entkräftete.
09.12.2026
Dr. Simon Duckheim
-Titel folgt-
2027
13.01.2027
Prof. Dr. Heiner Fangerau
-Titel folgt-
27.01.2027
Prof. Dr. Theresa Maria Roth & Dr. Matteo Macciò
-Titel folgt-
03.02.2027
Prof. Dr. Ulrich Meyer
Wie weiter nach Contergan? Arzneimittelsicherheit im Film
Stand der Information: September 2026