Leon Wolff M. A.

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Organisationseinheit

Philipps-Universität Marburg Gesellschaftswissenschaften und Philosophie (Fb03) Institut für Soziologie Politische Soziologie
  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen PromotionsprojektPromotionsprojekt

    Gegenwärtig gibt es wohl wenige Gegenwartsdiagnosen, die eine vergleichbare diskursive Reichweite erzeugt haben, wie das Anthropozän. Ursprünglich vom Atmosphärenchemiker Paul Crutzen im Jahr 2000 während einer Fachtagung verwendet, um die gegenwärtige geologische Epoche zu charakterisieren, schien die beunruhigende Nachricht, dass sich eine ordentliche Portion homo sapiens nun auch in den tiefsten Gesteinsschichten des Planeten findet, den ökologischen Nerv der Zeit zu treffen. Auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften wird die Anthropozändiagnose seit einiger Zeit verstärkt diskutiert. Dabei sind es neben den möglichen sozialtheoretischen Implikationen auch die politischen Konsequenzen des Anthropozäns, die im Zentrum der Debatte stehen. Allerdings finden sich bis dato kaum Studien, die die Politik im Anthropozän empirisch untersuchen.

    Das Dissertationsprojekt will deshalb den gegenwärtigen politischen Metamorphosen und Verschiebungen nachspüren, die mit der Diagnose des Anthropozäns einhergehen und versteht sich damit als ein Beitrag zu einer politischen Soziologie des Anthropozäns. Ausgehend von der Annahme, dass es sich beim Anthropozän weniger um eine historische Zäsur als vielmehr um eine semantische Verdichtung einer längeren Geschichte der modernen Biopolitik handelt, wird gefragt, welche Wissensformen, Strategien und Technologien in Anschlag gebracht werden, um die Auswirkungen der ökologischen Krise einzudämmen und zu kontrollieren. Thematisch konzentriert sich die Arbeit hierfür auf gegenwärtige Transformationen im Bereich der Landwirtschaft und der Ernährungssicherheit. Hier taucht das Anthropozän in Form der Frage auf, wie weiterhin ausreichend Nahrung für eine steigende Weltbevölkerung produziert werden kann, ohne dass die gewählte Produktionsweise ihre eigenen biophysischen Grundlagen zerstört. Nach einer historischen Rekonstruktion der gegenwärtigen Rationalität der Ernährungssicherheit sowie der Biopolitisierung und Gouvernementalisierung (Foucault) der Landwirtschaft, wird anhand von drei ausgewählten Problembereichen (Bodenerosion, Biodiversitätsverlust und Schädlingsresistenz) gezeigt, mit welchen Strategien und Techniken gegenwärtig versucht wird, das Anthropozän in der Landwirtschaft in Rechnung zu stellen. Folgende Leitfragen strukturieren dabei die Untersuchung:

    Wie wird jeweils versucht, die planetarische Problematik des Anthropozäns lokal zu adressieren?

    Was für eine Ontologie des Lebens kommt in den jeweiligen Problemfeldern zum Ausdruck? Wie wird versucht, auf dieses Leben einzuwirken? Wird es gesteigert, manipuliert, hybridisiert, unterdrückt oder getötet?

    Welche Machtverhältnisse und sozialen Konflikte treten in diesen Praktiken hervor?

    Welche raum-zeitlichen Verhältnisse und Verschränkungen lassen sich identifizieren? Geht es um Begrenzung oder Extension, um Bestandskontinuität oder Katastrophenvorsorge?

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Forschungsschwerpunkte und -interessenForschungsschwerpunkte und -interessen

    • Soziologie der Sicherheit (Biosecurity, Food Security)
    • Neue Materialismen
    • Sozialtheorien des Politischen
    • Biopolitik
    • Ökologie
  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen LehreLehre

    • WS 19: Politik des Lebens 
    • SS 19:  Einführung in die Politische Soziologie 
    • WS 18: Politische Ökologie
    • SS 18: Ernährungssicherheit
    • WS 17: Gouvernementalität
    • SS 17: Lektürekurs: Niklas Luhmanns "Politische Soziologie"
    • WS 16: Soziologie des Rechts
  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen PublikationenPublikationen

    • Herausgeberschaften
      • "Fünfzig Jahre Institut für Soziologie in Freiburg", Freiburg i. Br. 2014 (zusammen mit Ulrich Bröckling u.a.).
    • Artikel
      • "Wissenschaft als Passion - Günter Dux und die Soziologie", in: Ulrich Bröckling u.a. (Hg.): Fünfzig Jahre Institut für Soziologie in Freiburg", Freiburg i. Br. 2014, S. 138-153.
    • Rezensionen und Tagungsberichte
      • "Überwachen und Strafen heute", Tagung an der Universität Bremen, 5.–7. November 2015, in: Soziopolis vom 06.01.2016, online frei zugänglich (zusammen mit Christoph Haker).
      • "Thorsten Heinemann und Martin G. Weiß (Hg.): An der Grenze. Die biotechnologische Überwachung von Migration", in: Kriminologisches Journal 49 (2), 2017, S. 160-163.
      • "Im Zweifel für den Soziologien", Doppelrezension zu Bruno Latour, Die Rechtsfabrik. Eine Ethnographie am Conseil d'Etat, Konstanz 2016 und Marcus Twellmann (Hg.), Wissen, wie Recht ist. Bruno Latours empirische Philosophie einer Existenzweise, Konstanz 2016, in: Soziopolis vom 22.09.2017, online frei zugänglich.
      • "Andreas Folkers: Das Sicherheitsdispositiv der Resilienz. Katastrophische Risiken und die Biopolitik vitaler Systeme, Frankfurt/New York 2018, in: Behemoth 11 (1), 2018, S. 73-75.
      • Doppelrezension zu Henning Laux/Anna Henkel, Die Erde, der Mensch und das Soziale. Zur Transformation gesellschaftlicher Naturverhältnisse im Anthropozän, Bielefeld 2018 und Benjamin Bühler, Ökologische Gouvernementalität. Geschichte einer Regierungsform, Bielefeld 2018, in: Behemoth 12 (1), 2019, S. 119-122.
  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen VorträgeVorträge

    • "Vorbereiten für die Vergangenheit" - Saatgutbanken und die Politik der Reversibilität", Vortrag in der Ad hoc-Gruppe Simulieren, Vorbereiten, Verhindern: Sicherheitstechnologien zur Antizipation komplexer Dynamiken auf dem DGS-Kongress „Komplexe Dynamiken globaler und lokaler Entwicklungen“, Göttingen, September 2018.
  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen OrganisationOrganisation

    • Ausrichtung der Ad hoc-Gruppe "Simulieren, Vorbereiten, Verhindern: Sicherheitstechnologien zur Antizipation komplexer Dynamiken" auf dem DGS-Kongress „Komplexe Dynamiken globaler und lokaler Entwicklungen“, Göttingen, September 2018 (zusammen mit Simon Egbert).
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