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Fluchtpunkt Arabische Welt. Der Nahe Osten und Nordafrika als Ort der Ankunft und des Transits im 20. Jahrhundert
Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des Heisenberg-Programms geförderte Forschungsprojekt untersucht europäische und insbesondere deutsch-sprachige Geflüchtete, die während des Zweiten Weltkriegs von Europa in die arabische Welt flohen und dort in vielfältige Interaktionen mit lokalen, nationalen und kolonialen Individuen und Institutionen traten. Ziel des Projekts ist es zum einen, die Geschichte von Flucht und Migration multiperspektivisch zu untersuchen und die arabische Welt auch als Ort der Aufnahme und des Transits von Geflüchteten in den Blick zu nehmen. Auf diese Weise leistet es einen Beitrag zur Geschichte von Hilfsorganisationen und Wohltätigkeit im Nahen Osten und in Nordafrika, aber durch den Fokus auf Europäerund EuropäerInnen als gleichzeitig privilegierte und prekäre Geflüchtete auch zur Geschichte der Beziehungen zwischen Deutschland bzw. Europa und der arabischen Welt im kolonialen und postkolonialen Zeitalter.
European Refugees in the Middle East
Ein gemeinsam mit Alexandros Lamprou (University of the Agean) initiiertes informelles Netzwerk widmet sich europäischen Geflüchteten im Nahen Osten und Nordafrika im 19. und 20. Jahrhundert. Aus diesem Netzwerk sind bereits ein gemeinsam mit Rim Naguib und Georges Khalil (EUME/Forum Transregionale Studien Berlin) organisierter Workshop und ein Themenheft hervorgegangen.
Claiming Humanitarian Sovereignty in the Middle East: The Egyptian Red Crescent, 1940-1975
Humanitäre Hilfe in Ägypten und im Nahen Osten war eng mit Forderungen nach politischer Souveränität verbunden. Am Beispiel des Ägyptischen Roten Halbmonds hat meine Habilitation untersucht, wie diese 1912 gegründete Organisation in Kriegen und Krisen Hilfe geleistet hat und dabei die Autonomie und Souveränität Ägyptens gegenüber der (ehemaligen) britischen Kolonialmacht, aber auch Israel oder anderen westlichen Organisationen im Rahmen der Internationalen Rotkreuz-und Rothalbmondbewegung herausgestellt und die Solidarität mit anderen ehemaligen Kolonien hervorgeben hat. Gleichzeitig konnte diese Betonung der Souveränität aber auch mit Machtansprüchen gegenüber der eigenen Bevölkerung oder anderen benachbarten Ländern wie dem Sudan einhergehen. Das Buch wird Anfang 2027 bei Cambridge University Press in der Reihe „Human Rights in History“ erscheinen.
A Decolonial Mediterranean – Disparities, Imaginations, Power Relations
Das Mittelmeer aus dekolonialer Perspektive, zwischen gewaltvollen Fluchterfahrungen, den Verhandlungen von Herrschaft und Macht, ästhetischen und kulturellen Praktiken sowie erneuerbaren Energien ist das Thema einer Blog-Serie bei TRAFO (dem Blog des Forums Transregionale Studien Berlin und der Max Weber Stiftung), die die Ergebnisse einer Konferenz zum selben Thema festhält, die ich im November 2024 gemeinsam mit Rachid Ouaissa und Benjamin Heidrich (MECAM/Universität Marburg) in Tunis organisierte: https://trafo.hypotheses.org/category/series/decolonial-mediterranean
Ambivalent Pasts. On Jewish Colonial Experiences
Im Rahmen des Förderprogramms »Leibniz-Kooperative Exzellenz« der Leibniz-Gemeinschaft erforscht ein dreijähriges Projekt ab 2026 jüdische koloniale Erfahrungen im Mittelmeerraum im 20. Jahrhundert. Ziel ist es, einen differenzierten Blick auf die Verflechtungen von jüdischen Erfahrungen, kolonialer Herrschaft, antikolonialen Bewegungen und Prozessen der Dekolonisierung zu gewinnen. Die Analyse dieser Zusammenhänge kann zum besseren Verständnis aktueller Debatten über Kolonialismus, Rassismus und Antisemitismus beitragen. In Marburg beschäftigt sich das Postdoc-Projekt von Benedetta Serapioni mit jüdisch-muslimischen Interaktionen in Nordafrika. Weitere Projekte entstehen an den Partner-Institutionen, dem Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur -Simon Dubnow: https://www.dubnow.de/forschung/schwerpunktprojekte/ambivalent-pasts-on-jewish-colonial-experiences und dem Leibniz-Institut für Europäische Geschichte in Mainz: https://www.ieg-mainz.de