03.02.2021 Online-Tagung „Queerness in der Kunst der Frühen Neuzeit?“ 18.-19. März 2021

Kunstgeschichtliches Institut, Philipps-Universität Marburg (Dr. Lisa Hecht, Prof. Hendrik Ziegler)

Online, 18.03.2021 – 19.03.2021

Anmeldeschluss: 15.03.2021


Die Tagung zum Thema „Queerness in der Kunst der Frühen Neuzeit?“ wird dem kunstwissenschaftlichen Austausch über ein nicht nur aktuell relevantes gesellschaftliches Phänomen dienen, sondern zudem dessen Historizität in den Blick nehmen und hinterfragen. Im Rahmen einer zweitägigen Online-Tagung wird erstmals im deutschsprachigen Feld der kunstwissenschaftlichen Forschung der Begriff „Queerness“ auf seine Passung in Bezug auf die frühneuzeitlichen Bildkünste hin geprüft. 

„Queerness“ meint im gängigen Verständnis zunächst einmal all jene Phänomene, die sich von einer heteronormativen Weltsicht abheben. Dabei wird von dem Grundgedanken ausgegangen, dass die Kategorie ‚Geschlecht‘ keinesfalls als rein natürlich und unwandelbar angesehen werden kann und sich sexuelle Ausrichtungen immer auch performativ konstruieren. Zudem widmet sich ein queerer Forschungsansatz ungleichheitsgenerierenden gesellschaftlichen Strukturen und Praktiken, weshalb auch die Trias von Race – Class – Gender für eine intersektionale Betrachtung von Kunstwerken fruchtbar gemacht wird.

Vortragende und Diskutierende fragen vor allem danach, wie Kunstwerke an Prozessen der Normbildung und -setzung beteiligt sind bzw. diese invertieren. Dies ist vor allem angesichts eines vermeintlich stark heteronormativ, patriarchal und westlich geprägten Kanons für die zeitgemäße Ausrichtung der Kunstwissenschaft von großer Bedeutung. Ziel der Marburger Tagung ist es, zu ergründen, inwiefern der noch recht junge Begriff der „Queerness“ überhaupt Anwendung auf die vormoderne Kunst finden kann und sich zu einer brauchbaren kunsthistorischen Beobachtungskategorie entwickeln lässt.

Die Bandbreite bisher selten oder gar nicht beleuchteter Themen spiegelt zum einen die Diversität frühneuzeitlicher Identitätsbilder, wie sie bisher nicht genügend erkannt wurde, zum anderen den Anspruch, Kunstgeschichte und Geschlechterforschung produktiv miteinander zu verbinden.


Programm

18.03.2021

11:00
Begrüßung und Einführung (Lisa Hecht, Hendrik Ziegler / Marburg)

12:45
Geschichte, Positionen, Argumente – Queernessforschung in der Kunstgeschichte (Änne Söll / Bochum)

14:00
Die Trunkenheit des Betrachters – Caravaggios „Bacchus“ aus den Uffizien in neuer Deutung (Jürgen Müller / Dresden)

15:15
Queeres Ornament? Drag-Performance, Cross-Dressing und Gender in der Kunst der europäischen Groteske vom 16. bis 18. Jahrhundert (Martin Pozsgai / Schwäbisch Gmünd)

17:00
Der „Eunuchus“ des Terenz in der Buchillustration um 1500 (Catarina Zimmermann-Homeyer / Berlin)

18:15
Maskeraden der Macht – Verkleidung als Bildaufgabe am französischen Hof des 16. Jahrhunderts (Cornelia Logemann / München)

19.03.2021

10:00
Queere Jagden – Gabriel Metsus Selbstportrait als badender Jäger (Maurice Y. Saß / Alfter)

11:15
John Bull zwischen Fop und Macaroni – ein intersektionaler Blick auf die Repräsentation von Männlichkeit bei William Hogarth (Ekaterini Kepetzis / Landau)

13:30
Die Würde des Monsters – Liminalität und Sichtbarkeit in Hofzwergenportraits (Lisa Hecht / Marburg)

14:45
Queering Religion – die Darstellungen zur Heiligen Wilgefortis und deren queere Aspekte (Doris Guth / Wien)

16:30
Abschlussdiskussion

Die Teilnahme ist per Videokonferenz möglich. Bitte melden Sie sich hierzu bis spätestens 15. März 2021 an. (Kontakt: )

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