Hauptinhalt

Nachhaltige Windenergieproduktion im Wald

Foto: Sascha Rösner

Mit dem Wechsel zur ressourcenschonenden und klimafreundlichen Energieproduktion werden Wälder
derzeit in acht Bundesländern nicht mehr kategorisch als Standorte für Windenergieanlagen (WEA)
ausgeschlossen und rücken insbesondere in waldreichen Bundesländern wie Hessen (42% der
Landesfläche) in den Fokus1. Analog zu anderen anthropogenen Einflüssen auf Waldökosysteme (z.B.
Abholzung, Fragmentierung) führt Windenergieproduktion im Wald zu Veränderungen von Habitat- und
Landschaftsstrukturen, die u.a. für Vögel und Fledermäuse negative Konsequenzen haben können.
Allerdings ist der Einfluss von WEA auf das sie umgebende Waldökosystem nur unzureichend erforscht,
sodass für den Ausbau der Windenergieproduktion im Wald häufig auf Analogieschlüsse aus
Offenlandstudien zurückgegriffen wurde. Grundlegende Unterschiede zwischen Offenlandsystemen
und Wäldern, habitatspezifische Artengemeinschaften, andersartige bauliche Eingriffe und
betriebsbedingte Einflussnahme deuten jedoch an, dass für eine nachhaltige Windenergieproduktion im
Wald möglicherweise ein evidenzbasierter und waldspezifischer Leitfaden erforderlich ist.
Unsere Pilotstudie zum vergleichenden Einfluss der Windenergieproduktion im Wald und im
Offenland (2017; Abb. 1; Anhang) deutet an, dass WEA im Wald die Zusammensetzung von
Vogelgemeinschaften verändern. Mit dem dreijährigen Forschungsprojekt (Dez 2019 – Nov 2022)
wollen wir den Kenntnisstand zum Einfluss der Windenergieproduktion auf die biologische Vielfalt und
die ökosystemare Funktionsweise im Wald erweitern und so den nachhaltigen Ausbau der
Windenergieproduktion im Wald unterstützen. Unter Anwendung des Impact-Gradient-Designs wollen
wir zwei Kernaspekte untersuchen: (AP Ia / Ib) den Einfluss von WEA im Wald auf Vogel- und
Fledermausgemeinschaften und (AP II) den Einfluss potentieller Veränderungen in den o.g.
Artengemeinschaften auf die ökosystemare Funktionsweise, anhand der trophischen Kontrolle
(Prädation) durch insektivore Vögel und Fledermäuse (Abb. 2). Zudem planen wir eine
Nachhaltigkeitsbewertung auf Basis einer Konfliktanalyse und einer Kosten-Nutzen-Betrachtung unter
Berücksichtigung ökologischer und sozioökonomischer Gesichtspunkte (AP III). Auf 30
Untersuchungsflächen in Mittelhessen (Abb. 3 & 4) wollen wir ein dreijähriges Vogel- und
Fledermausmonitoring mittels Standarderfassungsmethoden durchführen und die ökosystemare
Funktionsweise anhand der trophischen Kontrolle durch Vögel und Fledermäuse mit Hilfe von
experimentellen Feldansätzen quantifizieren. Schließlich wird das gesamte Forschungsprojekt
durchgehend durch einen transdisziplinären Beirat begleitet, um sowohl eine enge Kollaboration mit
Akteuren des praktischen Naturschutzes und der erneuerbaren Energien während des
Forschungsprojektes, als auch die Kommunikation und Implementierung gewonnener Erkenntnisse
sicherzustellen (Abb. 1; AP IV).
Der innovative Charakter des Forschungsprojekts besteht u.a. darin, dass der Fokus nicht auf
einzelnen planungsrelevanten Arten liegt, sondern auf dem Niveau von Artengemeinschaften ansetzt.
Dieser Forschungsansatz ermöglicht sowohl die Identifikation WEA-sensibler Arten als auch
Rückschlüsse auf Veränderungen im Auftreten von Nahrungsgilden und der ökosystemaren
Funktionsweise. Zudem ermöglichen die Anwendung des Impact-Gradient-Designs und die
Berücksichtigung von Anlagenparametern (z.B. lokale WEA-Anzahl) das Ableiten bzw. Optimieren
evidenzbasierter Maßnahmen und die Entwicklung eines habitatspezifischen Leitfadens für eine
nachhaltige Windenergieproduktion im Wald (z.B. räumliche Konzentration der WEA).

PIs: Franziska Peter, Nina Farwig

Team: N.N.

Kooperationspartner: Christian Voigt (Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung), Paul Lehmann (Universität Leipzig)

Projektförderung: DBU