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Einfluss von Stress und Inzucht auf fluktuierende Asymmetrie

Dr. Tobias Sandner, Prof. Diethart Matthies

Gelbe Rachenblüte der Gauklerblume (Mimulus guttatus)
Foto: Tobias Sandner

Entwicklung führt oft zu Symmetrie in Organen von Tieren und Pflanzen. Störungen während der Entwicklung durch Umweltstress oder genetischen Stress (z.B. Inzucht) können dazu führen, dass es zu Störungen in der Symmetrie von Organen kommt. Es wurde deshalb vorgeschlagen, zufällige Abweichungen von der Symmetrie (fluktuierende Asymmetrie, FA) als Maß für Instabilität der Entwicklung und als Indikator für Stress zu verwenden. Die experimentellen Belege für diese Erwartung sind aber nicht eindeutig. So scheinen Blätter von Pflanzen aufgrund ihrer hohen Plastizität nicht gut als Indikatoren für Stress geeignet zu sein, denn weder Stress noch Inzucht hatten einen konsistenten Einfluss auf FA in den Blättern von Silene vulgaris (Sandner & Matthies 2017), und auch starke industrielle Umweltbelastung erhöhte nicht die FA in Blättern von Betula pubescens (Sandner, Zverev & Kozlov 2019). Im Gegensatz zu Blättern steht die Symmetrie von Blüten unter Selektion von Insekten. Abiotischer Stress hatte zwar keinen Einfluss, aber Inzucht und Konkurrenz erhöhten die fluktuierende Asymmetrie der auffälligen Blüten von Mimulus guttatus (Sandner 2020).

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