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Klinikpartnerschaft Tansania

Hintergründe / Informationen

Der Fachbereich Medizin der Philipps-Universität Marburg unterhält seit 2018 eine intensive Partnerschaft mit der Kilimandscharo-Region in Tansania. Dazu beteiligt sich die Hoch­schule an der Initiative „Klinikpartnerschaften – Partner stärken Gesundheit“ des Bundes­ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gemeinsam mit der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung.

Im Zuge dieser Kooperation kam es 2019 zur Unterzeichnung eines „Memorandum of Understanding“ zum Aufbau und Ausbau der Kooperation in Forschung, Lehre und Kran­kenversorgung zwischen KCMC, dem Faraja-District Hospital und dem Fachbereich Me­dizin der Universität Marburg. Schwerpunkt hierbei liegt auf die nicht übertragbaren Krankheiten wie Diabetes oder Krebs. Langfristiges Ziel ist die Verbesserung der Gesundheitsver­sorgung in der Kilimandscharo-Region in Tansania.

„Wir sind stolz auf internationale Kooperationen wie diese, denn sie sind für den Fort­schritt der Wissenschaft von entscheidender Bedeutung. Einen Rahmen für die Internatio­nalisie­rung zu schaffen und an die Bedürfnisse von Wissenschaft und Forschung, Lehre und Stu­dium anzupassen, ist eine der wichtigsten strategischen Aufgaben der Universität Marburg“, sagte Katharina Krause, Präsidentin der Philipps-Universität. 


Die Herausforderungen

Zu den nicht-übertragbaren Erkrankungen (NCD) zählen chronische Lungenerkrankungen, Diabetes und seine Folgeerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Tumorerkrankungen sowie neuropsychiatrische Erkrankungen. NCDs stellen in der industrialisierten westlichen Welt die Haupttodesursache dar (ca. 90%) und nehmen in den letzten Jahren im globalen Süden dramatisch zu. Dies stellt die Gesundheitssysteme weltweit vor enorme Herausforderungen in Bezug auf Diagnostik, Therapie und Prävention. Während in den industrialisierten westlichen Regionen Präzisionsmedizin und personalisierte Medizin – zusammen mit der Entwicklung immer spezialisierterer Therapien – auf dem Vormarsch sind, besteht die Herausforderung im globalen Süden zunächst darin, Erkrankungen überhaupt zu diagnostizieren und Basismaßnahmen zur Behandlung einzuleiten. Darüber hinaus besteht eine zentrale Herausforderung in der Entwicklung und Implementierung von Präventionsmaßnahmen, die einfach, sicher und kostengünstig in der Bevölkerung eingesetzt werden können.


Die Partnerschaft in der Forschung

Das Institut für Laboratoriumsmedizin fokussiert sich in diesem Konzept prototypisch auf chronische Lungenerkrankungen und Allergien. Es ist hierbei eng in das Deutsche Zentrum für Lungenforschung (DZL) eingebunden. Von besonderem Interesse ist die Entstehung und Entwicklung chronischer Entzündungsprozesse in Lunge und Atemwegen, wie sie bei Asthma und COPD auftreten. Über die letzte Dekade hinweg hat das Institut eine erfolgreiche klinische Partnerschaft mit dem KCMC in Moshi im Norden Tansanias aufgebaut. Das Institut fördert und unterstützt dabei Strukturen vor Ort, die die Durchführung klinisch-translationaler Studien ermöglichen. So wurde kürzlich eine Untersuchung zur epidemiologischen Entwicklung abgeschlossen, bei der über eine Dekade hinweg die Krankheitsprävalenz in einer urbanen und einer ländlichen Region verglichen wurde. Darüber hinaus ist es gelungen, ein Kooperationsnetzwerk aufzubauen, in dem krankheitsrelevante Daten mit sozioökonomischen Indikatoren sowie Daten zur Landnutzung, Umweltverschmutzung und Klimaparametern integriert werden, um Modelle zur Abbildung der Dynamik von Krankheitsprozessen zu entwickeln. Im globalen Süden vollzieht sich derzeit eine tiefgreifende Transformation der Lebensweise – von einer traditionell ländlichen hin zu einer stärker westlich geprägten urbanen Struktur. Damit gehen erhebliche Veränderungen in Mobilität, Ernährung und Lebensstil einher. In Kombination mit rasch fortschreitender Industrialisierung und Umweltverschmutzung führt dieser Transformationsprozess zu einer Zunahme von NCDs in einer bislang beispiellosen Dynamik.

Kürzlich wurde eine Fall-Kontroll-Studie abgeschlossen, in der Asthmapatienten aus beiden Regionen während einer akuten Exazerbation rekrutiert wurden. Die Studie beinhaltet ein Deep Phenotyping, das sich nicht nur auf den Patienten selbst, sondern auch auf Umweltbedingungen und Expositionen erstreckt. Die Ergebnisse werden derzeit ausgewertet.


Die klinische Partnerschaft

Hier setzt die klinische Partnerschaft mit Moshi an: Ziel ist es, diese Prozesse vor Ort aus medizinischer Perspektive zu begleiten und den Transformationsprozess zu unterstützen, der sich auch in der Patientenversorgung sowie in den Strukturen eines Krankenhauses der Maximalversorgung widerspiegelt. Im Zentrum der Partnerschaft steht die Errichtung eines neuen Laborgebäudes, das Diagnostik, Forschung und Ausbildung integriert. Besonderes Merkmal ist die Umsetzung eines Konzepts, bei dem Krankenversorgung, Forschung und Lehre in denselben Fachlaboratorien stattfinden, beispielsweise in den Bereichen klinische Chemie, Immunchemie, Allergie- und Autoimmunitätsdiagnostik, Molekularbiologie, Mikrobiologie und Genetik. Auf eine separate Einrichtung von Laboren ausschließlich für Forschung oder Versorgung wurde bewusst verzichtet. Sowohl die bauliche Infrastruktur als auch die konzeptionelle Umsetzung wurden im Rahmen einer Public-Private-Partnership realisiert: Der private Partner Roche sowie der öffentliche Partner DEG (Tochter der KfW) stellen gemeinsam mit dem KCMC die Gesamtfinanzierung sicher. Zur langfristigen Sicherung der Zusammenarbeit erfolgt die Ko-Leitung des Centers of Excellence unter Marburger Beteiligung, geregelt durch entsprechende Partnerschaftsvereinbarungen.


Klimawandel und Gesundheit

Aus diesen Forschungsprojekten hat sich jüngst ein weiteres Feld entwickelt: die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Klimawandel und Gesundheit. Die Auswirkungen des Klimawandels sind in Subsahara-Afrika besonders ausgeprägt, da extreme Wetterereignisse wie Hitze, Dürre, Gewitter und Überschwemmungen dort unmittelbarer und intensiver auftreten und von einer vulnerablen Bevölkerung oft ungeschützt erlebt werden. Dies beeinflusst zahlreiche Lebensbereiche, etwa durch vermehrte Missernten, veränderte Muster von Infektionskrankheiten und weitere gesundheitliche Belastungen.


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Ihre Ansprechpartner:

  • Dr. Christian Kreisel; Email: christiankreisel@icloud.com; Tel. +49 178 / 7225846
  • Prof. Dr. med. Harald Renz; Email: renzh@med.uni-marburg.de; Tel. +49 6421 / 5866235
  • PD Dr. Chrysanthi Skevaki; Email: csoffice@uni-marburg.de;  Tel. +49 6421 / 5863850