27.08.2026 Zum Tod von Prof. Dr. Eberhard Hildenbrandt
Ein Wissenschaftler, Lehrer und Sportler, der die Marburger Sportwissenschaft geprägt hat
Als Eberhard Hildenbrandt im Sommer 1975 als Professor für Sportpädagogik und Trainingslehre aus Tübingen nach Marburg zurückkehrte, bezog er im alten Kugelhaus sein Dienstzimmer. Die junge Marburger Sportwissenschaft war damals noch im Aufbau und Prof. Eberhard Hildenbrandt gehörte zu denjenigen, die ihre Entwicklung entscheidend prägten.
Sein Weg dorthin hatte bereits viele Facetten: Er studierte Sport, Deutsch und Philosophie, war selbst erfolgreicher Leichtathlet, arbeitete als Sportlehrer und promovierte 1969 – wie damals noch typisch – fachfremd in der Linguistik. Nach seiner Tätigkeit am Sportinstitut der Universität Tübingen wurde er 1975 Professor in Marburg. In dieser Verbindung von Sportpraxis, Pädagogik und wissenschaftlicher Reflexion lag eine wesentliche Besonderheit seiner Persönlichkeit.
Als Professor für Sportwissenschaft am neu gebildeten Fachbereich 21 war Eberhard Hildenbrandt maßgeblich am Aufbau der Marburger Sportwissenschaft beteiligt. Gemeinsam mit seinen Kollegen entwickelte er Strukturen, die das Institut bis heute prägen. Auch wissenschaftlich war sein Wirken außergewöhnlich breit. Er machte sprachtheoretische und semiotische Ansätze für die Sportwissenschaft fruchtbar und trug damit zu einem Paradigmenwechsel in der Disziplin bei. Zu seinen weiteren Schwerpunkten gehörten die schulsportorientierte Trainingslehre und insbesondere das Projekt „Sport mit Sehgeschädigten“, das mit seinem Studien- und Forschungsschwerpunkt zu einem zentralen Profilbaustein des Instituts mit großer internationaler Reputation wurde.
Wissenschaft und Praxis gehörten für Eberhard Hildenbrandt untrennbar zusammen. Als leidenschaftlicher Sportler brachte er seine umfangreiche praktische Erfahrung in die Lehre ein. Er war ein begnadeter Pädagoge mit klaren ethischen Leitplanken, der auch schwierige Sachverhalte verständlich und anschaulich vermitteln konnte und seine Studierenden für Sport und Sportwissenschaft zu begeistern wusste.
Besonders am Herzen lag ihm die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Er unterstützte junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei ihrer Weiterqualifikation und initiierte die Doktorandenkolloquien, die insbesondere in Sexten zu wichtigen Orten wissenschaftlichen Austauschs und persönlicher Begegnung wurden. Auch nach seiner Emeritierung setzte er diese Arbeit fort. Viele seiner Schülerinnen und Schüler fanden später selbst ihren Weg in die Wissenschaft und besetzten bzw. besetzen Professuren, wodurch Eberhard Hildenbrandt bis heute ein prägender und nachhaltiger Einfluss auf die deutschsprachige Sportpädagogik zu attestieren ist.
Über Jahrzehnte übernahm Hildenbrandt zudem Verantwortung für die akademische Selbstverwaltung. Er war unter anderem Mitglied des Direktoriums und des Fachbereichsrats, mehrfach Dekan, Mitglied von Senat und Konvent sowie in zahlreichen Prüfungs- und Berufungskommissionen tätig.
Sein Wirken war dabei geprägt von Kollegialität, Integrität und einem ausgeprägten Sinn für Fairness. Er hatte großen Respekt vor demokratischen Strukturen und nahm seine Verantwortung für die Universität mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit wahr.
Eberhard Hildenbrandt hinterlässt damit weit mehr als eine beeindruckende wissenschaftliche Bilanz. Er hat die Marburger Sportwissenschaft mit aufgebaut, ihre Entwicklung über Jahrzehnte maßgeblich mitgestaltet und Generationen von Studierenden und Nachwuchswissenschaftler:innen geprägt. In Erinnerung bleibt er als Wissenschaftler, Lehrer, Mentor, Kollege – und als leidenschaftlicher Sportler.
Seine Fußstapfen sind groß. Und sie werden bleiben.