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DiscourseNet Kongress 2027: Diskursive Imaginäre des Wandels
Heterotopien, Macht/Wissen und die "Große Transformation"
Call for Papers zum Download
Convocatoria de contribuciones
Über den Kongress
Im Jahr 1527 wurde die Philipps-Universität Marburg als Ort intellektueller Umbrüche gegründet: die erste protestantische Universität der Welt, die verstanden werden kann als Heterotopie im Kontext einer tiefgreifenden Transformation. Fünfhundert Jahre später kommt die DNC 2027 nach Marburg, um zu fragen: Wie imaginieren, verhandeln und leben wir Transformation heute diskursiv?
Wir leben in einer Welt der Polykrise: ineinander verwobene Klimakatastrophen, der Aufstieg autoritärer Regime, wachsende soziale Ungleichheiten sowie die rasante Transformation der öffentlichen Sphäre durch Künstliche Intelligenz und digitale Medien. Doch die sprachlichen und diskursiven Praktiken, mit denen wir diesen Herausforderungen begegnen, sind keineswegs neutral. Der akademische Diskurs reproduziert nicht selten genau jene Deutungsrahmen, die er zu kritisieren versucht. Der Kongress DNC 2027 lädt Wissenschaftler*innen daher ein, über ein bloßes „Problemsprechen“ hinauszugehen und stattdessen zu fragen: Welche diskursiven Bruchlinien, Gegenimaginäre und heterotopischen Räume entstehen derzeit? Welche Zukünfte werden bereits artikuliert — und von wem?
Statt „Transformation“ als ein zu erreichendes Ziel zu begreifen, verstehen wir sie als diskursiven Raum: als Terrain von Bedeutungsproduktion, Macht, Konflikt, Sprache und Imagination. Auf Grundlage von sozialen Imaginären, Diskurstheorie und kritischen Epistemologien laden wir Forscher*innen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften (Linguistik, Soziologie, Medienwissenschaft, Kulturtheorie, Organisationsforschung; Gender- und Minoritätsforschung, Bildungswissenschaft, Organisationspädagogik, Politikwissenschaft, Philosophie, Geschichtswissenschaft u.a.) ein, sich aus diskursanalytischer Perspektive mit den Weisen auseinanderzusetzen, in denen Transformation erzählt, verhandelt und neu imaginiert wird.
Thematische Schwerpunkte
Imaginäre und Diskurs: Wie werden die Bedeutungen von „Transformation“, „Krise“ oder „Zukunft“ in politischen, medialen und alltäglichen Diskursen konstruiert, stabilisiert und umkämpft? Welche sozialen Imaginäre prägen kollektive Vorstellungen von Ökonomie, Demokratie, Gesellschaft und Ökologie?
Macht, Wissen und epistemische Kämpfe: Welches Wissen gilt als legitim, welches wird marginalisiert? Besonders willkommen sind Beiträge aus dem Globalen Süden sowie aus dekolonialen, feministischen und indigenen Perspektiven, die westlich-moderne Deutungsrahmen herausfordern. Ebenso interessieren uns Analysen darüber, wie Bildungssysteme, Organisationen und kommunikative Praktiken bestimmte epistemische Ordnungen normalisieren.
Heterotopien und Gegenbewegungen: Wo entstehen alternative Räume, Praktiken und Diskurse? Wie werden Commons, Care, Solidarität und mehr-als-menschliche Verflechtungen als Alternativen zur Marktlogik artikuliert? Und in welchem Verhältnis stehen solche Räume zu hegemonialen Formationen - bzw. wie transformieren sie diese möglicherweise?
Methodische Reflexivität: Wie kann die Diskursforschung ihre eigenen Positionierungen reflektieren, hegemoniale Verengungen oder epistemischen Romantizismus vermeiden und Formen einer „sorgenden Forschung“ entwickeln? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für engagierte, transdisziplinäre oder ko-kreative Methodologien?
Themen und vorgeschlangene Panels
Wir laden zu 15–20-minütigen Vorträgen (mit anschließender 10-minütiger Diskussion) ein, die sich mit dem Kongressthema befassen. Beiträge, die sich nicht eindeutig einem der Themenfelder zuordnen lassen, sind ausdrücklich willkommen. Vorgeschlagene Panels beziehen sich z.B. auf folgende Perspektiven:
- Philosophisch: Alternative Epistemologien, ontologischer Pluralismus und Wissenspolitiken
- Politisch: Populismus, demokratischer Rückbau, postkoloniale und feministische Demokratieimaginationen
- Ökonomisch: Vom Neoliberalismus zu pluralen Ökonomien; diskursive Konstruktion der "Großen Transformation"
- Linguistisch: Von großen zu kleinen Narrativen, Wahrheitsregime, Post-Truth-Ordnungen
- Gesellschaftlich und räumlich: Soziale Fragmentierung, Commoning, urbane Heterotopien wie Commons/Public Partnerships und gemeinschaftsbasierter Wandel
- Ökologisch: Klimadiskurse, mehr-als-menschliche Verflechtungen, Buen Vivir und Degrowth
- Bildung und Organisation: Onto-epistemologische Perspektiven z.B. des Commoning in der Bildung, institutionelle Diskurse, Diskursperspektiven auf organisationales Lernen und Bildung sowie pädagogische Imaginäre
- Methodologisch: Reflexive, sorgende und transdisziplinäre Forschungsansätze
- Medien und digitale Imaginäre: KI-Sicherheit und -Alignment, digitale Plattformen und die Ko-Produktion gesellschaftlicher Zukünfte
- Geschlecht, Minderheiten und Postkolonialismus: Antifeministische und anti-LGBTQ+-Diskurse, In-Group/Out-Group-Konstruktionen und dekoloniale Imaginäre
- Und viele weitere...
Präsentationsformate
Die DNC 2027 begrüßt Einreichungen in folgenden Formaten:
Einzelvorträge: Einzelvorträge sind individuelle Präsentationen von Forschungsergebnissen, theoretischen Arbeiten oder anderen Beiträgen zum Kongressthema. Die Vorträge dauern in der Regel 20 Minuten, gefolgt von 10 Minuten für Fragen und Diskussion. Die Vorträge werden in Sitzungen zusammengefasst, in denen Beiträge zu verwandten Themen behandelt werden.
Jeder Beitrag wird einzeln eingereicht und sollte einen Titel, eine Zusammenfassung von maximal 250 Wörtern sowie Literaturangaben (APA 7) enthalten.
Bitte planen Sie Ihren Vortrag so, dass innerhalb Ihrer Vortragszeit noch Zeit für Fragen bleibt. Wir empfehlen Ihnen, Ihren Vortrag mit einigen Fragen zu beenden, um die Diskussion im Anschluss anzuregen.
Symposien: Ein Symposium vereint drei thematisch miteinander verbundene Beiträge in einer 90-minütigen Konferenzsitzung. Die Beiträge sollten durch ein gemeinsames Thema, eine gemeinsame Fragestellung oder ein gemeinsames Forschungsproblem miteinander verbunden sein und verschiedene Aspekte oder Perspektiven des übergeordneten Themas beleuchten.
Die drei Beiträge werden gemeinsam als eine Symposiumseinreichung eingereicht. Die Einreichung besteht aus einer Einleitung von bis zu 400 Wörtern und Abstracts von bis zu 200 Wörtern für jeden der drei Beiträge, wobei Titel und Literaturverzeichnis (APA 7) nicht mitgezählt werden.
Das Symposium soll durch mehrere miteinander verbundene Beiträge eine schlüssige Auseinandersetzung mit einem gemeinsamen Thema ermöglichen. Die Referenten sollten im Rahmen der 90-minütigen Sitzung Zeit für Diskussionen und den Austausch einplanen.
Forschungsworkshops: Forschungsworkshops dienen dem methodischen Austausch und der forschungsbezogenen praktischen Arbeit. Sie bieten die Möglichkeit, sich interaktiver mit einer methodischen Fragestellung, der Forschungspraxis oder einem verwandten Thema auseinanderzusetzen, anstatt sich ausschließlich auf Einzelvorträge zu konzentrieren. Workshops können Diskussionen, praktische Übungen oder andere Formen der aktiven Teilnahme umfassen und finden in einer 90-minütigen Sitzung statt. Bitte reichen Sie eine Einleitung von 600 Wörtern, einen Abschnitt zur Methodik von 400 Wörtern sowie ein Literaturverzeichnis von 300 Wörtern ein.
Weitere Informationen zu den Formaten finden sich auf der Website des Kongresses: https://discourseanalysis.net/DNC2027
Unconferencing
Das „UnConferencing“-Format bietet einen partizipativen und gemeinschaftlich gestalteten Raum für Diskussionen, Networking und Austausch. Die Teilnehmenden können Themen vorschlagen, beispielsweise Buchprojekte, Forschungsvorhaben, Konferenzen, aktuelle Fragestellungen oder andere Themen, die sie gerne diskutieren möchten. Zudem bietet es die Gelegenheit, Kontakte zur Universität Marburg und zu regionalen Partnern zu knüpfen, darunter das Gender-Zentrum und das Demokratiezentrum.
Die UnConferencing-Sitzungen finden am Dienstagnachmittag statt und dauern 90 Minuten. Jeder ist eingeladen, ein Thema für eine Sitzung vorzuschlagen. Vorschläge für Networking und gemeinsame Gestaltung sollten über Conftool eingereicht werden.
Kongress-Sprachen
Bitte wählen Sie in Conftool die Sprache, in der Sie Ihren Beitrag präsentieren möchten (Englisch, Französisch, Spanisch oder Deutsch).
Einreichungen
Alle Beiträge sind über Conftool einzureichen: https://www.conftool.com/dnc2027/
Teilnahmegebühren und Registrierung
Teilnehmende melden sich für eine aktive DiscourseNet-Mitgliedschaft (60 € für 2 Jahre) an und entrichten eine Kongressgebühr. Im Sinne eines solidarischen Ansatzes differenzieren wir in folgender Weise:
Early-Bird-Tarif (bis 31. März 2027):
• Professor*innen / wissenschaftlich Beschäftigte mit institutioneller Anbindung: 168 €
• Doktorand*innen: 83 €
• Kolleg*innen aus dem Globalen Süden / Studierende: 43 €
Regulärer Tarif (bis 15. Juni 2027):
• Professor*innen / Wissenschaftler*innen mit institutioneller Anbindung: 253 €
• Doktorand*innen: 153 €
• Kolleg*innen aus dem Globalen Süden: 83 €
Die Zahlungsmodalitäten werden mit der Annahmebestätigung versendet und sind über Conftool abrufbar. Der Kongress steht auch nicht vortragenden Teilnehmenden mit aktiver DN-Mitgliedschaft offen. Nicht vortragende Teilnehmende der gastgebenden Institution (Philipps-Universität Marburg) sind von der DiscourseNet-Mitgliedsgebühr befreit.
Veranstaltungsort
Der Kongress findet in Präsenz an der Philipps-Universität Marburg statt. Weitere Informationen zu Anreise, Unterkunft und Programm werden unter https://discourseanalysis.net/DNC2027 veröffentlicht. Eine Online-Teilnahme ist nicht vorgesehen.
Der Kongress wird in Kooperation mit dem Zentrum für Gender Studies sowie dem Demokratiezentrum der Philipps-Universität Marburg durchgeführt. Das lokale Organisationsteam leitet Prof. Dr. Susanne Maria Weber.
Kontakt
Für weitere Informationen zu Kongress, Anmeldung, Unterkunft oder Programm wenden Sie sich bitte an: DNC 2027 Organisationsteam: dncongress2027@gmail.com
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Wichtige Termine auf einen Blick
Was? Wann: Beginn der Einreichung 15. Juni 2026 Einreichungsfrist (Call for Paper) 31. Oktober 2026 Benachrichtigung über Annahme 15. Dezember 2026 Anmeldefrist Frühbucher 31. März 2027 Anmeldefrist regulär 15. Juni 2027