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Zum Tod von Prof. Dr. Friedhelm Schilling (1936–2026)
Das Institut für Sportwissenschaft und Motologie nimmt Abschied von Prof. Dr. Friedhelm Schilling, der am 23. März 2026 im Alter von 89 Jahren in Niddatal-Assenheim verstorben ist. Mit ihm verliert unser Institut den Wissenschaftler, dem die Motologie in Marburg ihre Existenz verdankt.
Friedhelm Schilling kam 1964 mit dem Diplom in Psychologie aus Marburg, einer Promotion in Gießen (1970) und einer Habilitation in Marburger Humanmedizin (1976) an einen Punkt, an dem sich ein damals neues Fachgebiet erst noch konturieren musste. Den Begriff „Medizinische Motologie", unter dem er sich habilitierte, hatte er selbst entwickelt. 1977 wurde er auf den C4-Lehrstuhl für Sozialpsychologie des Sports und Bewegungstherapie an die Philipps-Universität berufen. Sechs Jahre später, 1983, richtete er hier den Diplom-Aufbaustudiengang Motologie ein – das erste Studienangebot dieser Art im deutschsprachigen Raum. Aus diesem Studiengang ist der heutige Masterstudiengang Motologie und Psychomotorik hervorgegangen, den unser Institut weiterhin verantwortet. Bis zu seiner Emeritierung 2002 leitete Schilling den Studiengang und prägte mehrere Generationen von Absolventinnen und Absolventen, die das Fach heute in Forschung, Lehre und Praxis tragen.
Schillings wissenschaftliche Arbeit lässt sich nicht von seiner Praxisorientierung trennen. In Kooperation mit dem Institut für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Heilpädagogik in Hamm entstanden diagnostische Verfahren, die seither zum festen Bestand der motologischen Diagnostik gehören – darunter der Körperkoordinationstest für Kinder (KTK), der Trampolin-Körperkoordinationstest und das Sensomotorische Entwicklungsgitter. Hinzu kamen Forschungsarbeiten zur Händigkeit, zur Grafomotorik und zur Strukturanalyse motorischer Lernprozesse, gefördert unter anderem durch die DFG, die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und das Hessische Kultusministerium. Sein Schriftenverzeichnis umfasst über 140 Titel.
Auch über Marburg hinaus hat Schilling die Disziplin institutionell mitaufgebaut. 1976 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Aktionskreises Psychomotorik e.V., dem er in mehreren Amtsperioden als Vorsitzender vorstand. Im selben Jahr begründete er gemeinsam mit anderen die Fachzeitschrift „Motorik" und führte sie bis 2006 als verantwortlicher Schriftleiter – fast drei Jahrzehnte lang. Auch nach seiner Emeritierung blieb er fachlich aktiv, vor allem in den Bereichen Grafomotorik und Linkshändigkeit.
Sein Schaffen kann an dieser Stelle nur in Auszügen wiedergegeben werden; eine ausführliche Würdigung findet sich im Nachruf der Deutschen Gesellschaft für Psychomotorik e.V.
Wer in Marburg Motologie studiert oder lehrt, arbeitet in Strukturen, die Friedhelm Schilling geschaffen hat. Was daraus entstanden ist, hat vielen Menschen geholfen. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.
Univ.-Prof. Dr. Ulf Henrik Göhle Professur für Motologie und Psychomotorik Fachbereich 21 & Institut für Sportwissenschaft und Motologie