17.07.2019 Veröffentlichung der Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Friedens- und Konfliktforschung durch den Wissenschaftsrat des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

Foto: Zentrum für Konfliktforschung

Veröffentlichung der Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Friedens- und Konfliktforschung durch den Wissenschaftsrat

Auf die durch den Deutschen Bundestag veranlasste Bitte des Bundesministeriums für Bildung und Forschung hat der Wissenschaftsrat in seinen Sitzungen vom 10. bis 12. Juni 2019 in Gießen „Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Friedens- und Konfliktforschung“ verabschiedet.

Das Zentrum für Konfliktforschung freut sich über die ausgesprochen positiven Evaluation der deutschen Friedens- und Konfliktforschung durch den Wissenschaftsrat. Besonders begrüßen wir die Empfehlung, dass die Friednes- und Konfliktforschung strukturell von Bund und Ländern stärker gefördert werden soll. Die Presseerklärung des Wissenschaftsrats finden Sie im Folgenden:

Der Wissenschaftsrat stellt fest, dass die Friedens- und Konfliktforschung einen unverzichtbaren Beitrag zum Verständnis und zur Bearbeitung großer gesellschaftlicher Herausforderungen leistet und der Komplexität und Dynamik ihrer Forschungsgegenstände insgesamt sehr gut gewachsen ist. Das Forschungsfeld ist universitär und außeruniversitär regional breit vertreten und personell grundsätzlich gut ausgestattet. In der Forschung wird mit Weitblick und Flexibilität ein breites Spektrum aktueller, wissenschaftlich wie gesellschaftlich relevanter Themen bearbeitet und die Forschungsergebnisse in adressatengerechten Formaten publiziert. Das vorhandene Potenzial, im internationalen Raum Themen zu setzen und innovative Forschung anzustoßen, wird derzeit allerdings noch nicht ausgeschöpft. In der Lehre erbringt die Friedens- und Konfliktforschung überzeugende Leistungen und zeichnet sich durch einen überdurchschnittlich hohen Anteil ausländischer Studierender auch aus (Post-) Konfliktregionen aus. Die deutsche Friedens- und Konfliktforschung ist sehr praxisorientiert, was auch in einem reflektiert und engagiert betriebenen Wissenstransfer zum Ausdruck kommt. Dieser konzentriert sich vornehmlich auf die Bundesregierung, sollte künftig allerdings auch den Deutschen Bundestag und die europäische Ebene vermehrt einbeziehen.

Damit die Friedens- und Konfliktforschung in Forschung und Wissenstransfer Synergien besser nutzen und ihre — auch internationale — Sichtbarkeit erhöhen kann, ist eine Stärkung der Vernetzung dieses Forschungsfeldes sowie der Profilierung seiner Einrichtungen erforderlich. Zur Unterstützung der überregionalen Vernetzung empfiehlt der Wissenschaftsrat dem Bund eine zeitlich befristete Fördermaßnahme, die die Einrichtungen in die Lage versetzt, standortübergreifend und interdisziplinär Forschungs- und Transferstrategien zu entwickeln und zu verfolgen. Zudem sollte der Bund eine nachhaltige Finanzierungsbeteiligung für die landesfinanzierten Einrichtungen des Forschungsfeldes prüfen, deren Expertise er stark in Anspruch nimmt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungsfeldes sind aufgerufen, diese Förderung sowie weitere Fördermöglichkeiten intensiver zu nutzen, um überregional und interdisziplinär zu kooperieren. Darüber hinaus sollten sie sich um eine stärker internationale Ausrichtung in Forschung und Transfer bemühen.

Dringenden Handlungsbedarf sieht der Wissenschaftsrat hinsichtlich der naturwissenschaftlich-technischen Friedens- und Konfliktforschung, die in Deutschland inzwischen strukturell prekär ist und den massiven Beratungsbedarf der Politik nicht mehr decken kann. Bund und Ländern wird empfohlen, an mindestens zwei Standorten stabile institutionelle Strukturen für diesen Forschungsbereich zu schaffen und eine ausreichende Anzahl dauerhafter Leitungsstellen sowie befristeter Qualifikationsstellen einzurichten.

Weiterer Handlungsbedarf seitens des Bundes besteht mit Blick auf die Deutsche Stiftung Friedensforschung (DSF). Der Wissenschaftsrat bescheinigt der DSF, ihre Aufgaben bislang erfolgreich wahrgenommen zu haben. Er hält die DSF auch künftig für erforderlich, um kontinuierlich gezielte Impulse für dieses wichtige Forschungsfeld zu setzen, die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu unterstützen und die Innovationsfähigkeit weiter zu stärken. Dabei sollte sich die DSF in Zukunft noch stärker auf ihre Funktion als Anstoßgeberin und die Vernetzung von Transferaktivitäten fokussieren. Um diese Aufgaben effektiv wahrnehmen zu können, sollte die Untergrenze zur Förderung von Forschung, Tagungen und Transfer auf eine Million Euro angehoben werden. Der Wissenschaftsrat bittet den Bund und den Haushaltsgesetzgeber, möglichst rasch eine Entscheidung herbeizuführen, die eine merkliche und dauerhafte Verbesserung der Finanzausstattung der DSF ermöglicht und dabei die unverzichtbare politische Unabhängigkeit der Stiftung wahrt.

 Den vollen Evaluationsbericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung finden Sie hier.

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