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Dr. Christoph Franke (rechts) stellt das Verzeichnungsprojekt Archiv der Behringwerke am Tag der Archive (4. März 2018) interessierten Besuchern vor.
Foto: Barbara Krippner
Dr. Christoph Franke (rechts) stellt das Verzeichnungsprojekt Archiv der Behringwerke am Tag der Archive (4. März 2018) interessierten Besuchern vor.

Archiv der Behringwerke

Nachdem das Archiv der Behringwerke zusammen mit dem Nachlass Emil von Behrings (1854-1917), Professor für Hygiene an der Universität Marburg, Nobelpreisträger und Gründer der Behringwerke, im Jahr 2000 durch den Einsatz von Prof. Dr. Gerd Aumüller in die Emil von Behring-Bibliothek/Arbeitsstelle für Geschichte der Medizin gelangt war, wurden der Nachlass und die Werksunterlagen aus der Lebenszeit Emil von Behrings in einem von der DFG geförderten Projekt 2009-2013 erschlossen, digitalisiert und online gestellt. Das Archiv der Behringwerke konnte bereits im Sommer 2007 im Rahmen einer Verzeichnungsübung der Archivschule Marburg in einer vorläufigen Liste erfasst werden, die seitdem als Arbeitshilfsmittel dient. Zahlreiche nicht in Aktenform überlieferte Materialien wie Prospekte, Bilder und Filme, die ebenfalls zum Werksarchiv gehören, wurden damals nicht aufgenommen.
In einem von September 2017 bis August 2019 laufenden Projekt des Marburger Universitätsarchivs wurden die Akten durch Dr. Christoph Franke erschlossen. Sie können in der Datenbank Arcinsys unter „Archiv der Philipps-Universität Marburg“ in dem Gliederungspunkt „Archiv der Behringwerke“ recherchiert und auch zur Einsichtnahme bestellt werden. Da die Bestellungen im Universitätsarchiv auflaufen, das Archiv der Behringwerke jedoch in der Universitätsbibliothek untergebracht ist und die Akten im dortigen Sonderlesesaal vorgelegt werden, wird um Kontaktaufnahme mit dem Universitätsarchiv gebeten:

Archiv der Philipps-Universität Marburg
Friedrichsplatz 15, 35037 Marburg
Email: uniarchiv@verwaltung.uni-marburg.de
Tel.: 06421/9250176

Überblick über die Geschichte der Behringwerke

Die Behringwerke Marburg wurden am 7. November 1904 gegründet und als offene Handelsgesellschaft in das Handelsregister des Amtsgerichts Marburg unter der Nummer 217 eingetragen. Gesellschafter waren Emil von Behring und Carl Siebert. Im April 1914 erfolgte die Gründung der Behringwerke GmbH Bremen und Marburg. Der Sitz der Gesellschaft wurde nach Bremen verlegt. Die Produktionsstätten blieben in Marburg. Im Juni 1920 nahm die Behringwerke Aktiengesellschaft ihren Geschäftsbetrieb auf, der Gesellschaftssitz wurde wieder nach Marburg verlegt.
Aufgrund von wirtschaftlichen Schwierigkeiten wurde im August 1929 ein Betriebsübernahmevertrag mit der I. G. Farbenindustrie AG geschlossen. Die Behringwerke bleiben als eigenständige Beteiligungsgesellschaft erhalten. Seit 1932 konnten umfangreiche Investitionen und Modernisierungen in den Produktionsstätten in Marbach bei Marburg durchgeführt werden. Auf internationaler Ebene wurden sogenannte Behring-Institute gegründet.
1939 wurden die Behringwerke zum kriegswichtigen Betrieb für Impfstoff- und Serumproduktion erklärt. 1943 arbeiten fast 900 Menschen bei den Behringwerken, davon etwa 240 Fremd- und Zwangsarbeiter. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kam es zur Wiederaufnahme der Produktion unter amerikanischer Besatzung.
Am 1. Januar 1952 wurden die Behringwerke als 100-prozentige Tochter von der Farbwerke Hoechst AG übernommen. Sie weiteten die Produktion auf dem Gebiet der Sera und Impfstoffe aus und ergänzten sie um die Bereiche Diagnostica und Veterinärmedizin. Die Behringwerke expandieren baulich und der Mitarbeiterstand steigt bis 1977 auf etwa 2.200 Beschäftigte an.
In Folge eines Konzernumbaus der Farbwerke Hoechst mit Ausgliederung verschiedener Geschäftsaktivitäten, der Begründung von Joint Ventures und der Neugründung von Unternehmen kam es seit 1994 auch zu einer völligen Umstrukturierung der Behringwerke. Sie wurden in heute 16 Unternehmen aufgespalten, die etwa 5.300 Menschen beschäftigen.