Hauptinhalt
Maßnahmen der ADiS im Bereich Antisemitismusprävention
Durch die Förderung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst in Form von QuiS Sondermitteln zur Förderung der Qualität in Lehre und Studium kann die Stabsstelle Antidiskriminierung und Diversität (ADiS) ihre Aktivitäten im Bereich Antisemitismusprävention kurzfristig ausbauen.
Auf den untenstehenden Seiten finden sich Informationen zum Projekt-Fonds zur Bekämpfung von Antisemitismus aus 2025, sowie zu den Projekten die aus diesem hervorgingen.
Projekt-Fonds zur Bekämpfung von Antisemitismus 2025
Antisemitismus ist Teil unserer Gesellschaft. Auch an der Philipps-Universität besteht die Aufgabe der eigenen Auseinandersetzung. Um verantwortungsvoll auf Antisemitismus reagieren zu können, muss dessen Existenz als gesellschaftliches Phänomen anerkannt werden. Antisemitismus kann erst bearbeitet werden, wenn er nicht verleugnet oder nur den jeweils anderen zugeschoben wird. Die kritische und auch selbstkritische Beschäftigung mit Antisemitismus ist die notwendige Voraussetzung dafür, wirksam gegen Antisemitismus vorgehen zu können.
Der Fonds zur Bekämpfung von und Sensibilisierung für Antisemitismus diente daher dazu, Maßnahmen zu finanzieren, die sich mit Ursachen und Auswirkungen von Antisemitismus beschäftigen. Ziel war es, das Bewusstsein für antisemitische Vorurteile und Diskriminierung sowie für strukturellen Antisemitismus zu schärfen und aktiv gegen diese vorzugehen.
Es wurde angestrebt, Wissen zu vermitteln, Sensibilität zu fördern, Schutzräume zu ermöglichen und gemeinsame Strategien zur Bekämpfung von Antisemitismus zu entwickeln. Ziel für uns war mit dem Fonds einen Beitrag zu einer inklusiven und wertschätzenden Universitätskultur leisten, in der jeglicher Form von Antisemitismus kritisch begegnet wird.
Folgende Projekte konnten über den Fonds gefördert werden:
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen #SpeakingOfMultitudes 4: "Sans histoire - Materialität und Erinnerung" - Filmscreening und Gespräch mit Maya Schweizer
Durchführende Stelle: Fachbereich 09, Kunstgeschichtliches Institut
Beschreibung:
Was passiert, wenn die Erinnerung an die Verbrechen der Vergangenheit im kollektiven Gedächtnis einer Gesellschaft verblasst? Können Erinnerungsorte als Speicher von Geschichte(n) die Zeit überdauern und kann digitale Speicherung das Vergessen verhindern – oder verstärkt sie es gar? Mit diesen Fragen setzt sich der mit dem Dagesh-Kunstpreis 2023 ausgezeichnete Film "sans histoire" der französischen Künstlerin Maya Schweizer auseinander. Im Rahmen der Gesprächsreihe #SpeakingOfMultitudes wurde Sie deshalb nach Marburg eingeladen.
Die öffentliche Abendveranstaltung zeigte im Kino Capitol in Marburg Schweizers Filme "sans histoire" und "Voices and Shells" (2020). Es folgte ein Diskurs mit der Künstlerin über Erinnerungskultur, das Spannungsverhältnis von Gedenken und Vergessen sowie die filmische Reflexion historischer Narrative in Form trans- und posthumaner Szenen.Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Antisemitismus und die AfD - Buchvorstellung von Stefan Dietl
Durchführende Stelle: Junges Forum Hsg Marburg der Deutsch-Israelischen Gesellschaft e.V.
Beschreibung:
Die Veranstaltung widmet sich dem Antisemitismus innerhalb der Partei Alternative für Deutschland (AfD). Durch Ihre Nähe zur extremen Rechten ist naheliegend, dass Antisemitismus in der Partei weit verbreitet ist. Es gelingt der AfD jedoch, sich durch gelegentliche Solidarität mit Israel und Juden*Jüdinnen anders zu inszenieren. Ziel der Veranstaltung ist es diese Inszenierung zu entlarven und unterschiedliche Formen des Antisemitismus innerhalb der AfD hervorzuheben, zudem Teilnehmende zu befähigen, Widersprüche kritisch zu beleuchten und die Mechanismen antisemitischer Weltbilder in der politischen Landschaft zu verstehen. Hierfür wurde Stefan Dietl, Autor des Buches "Antisemitismus und die AfD", zu einer Lesung mit anschließender Gesprächs- und Diskussionsrunde eingeladen.Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Ausstellungskatalog "Marburger Frauen im Nationalsozialismus - Verfolgte, Widerständige, Mitläuferinnen und Täterinnen"
Durchführende Stelle: Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung
Beschreibung:
Anknüpfend an ein Seminar zu "Marburger Frauen im NS" werden mit diesem Projekt die Biografien von 22 Marburger Frauen vorgestellt, die während des NS als Jüdinnen, als Sinit-Frauen, als „Asoziale“ oder als Widerständige verfolgt wurden, sowie Frauen, die als Mitläuferinnen oder Täterinnen aktiv am NS beteiligt waren. Präsentiert werden sie in einer Ausstellung mit 30 Roll-Ups, begleitet von einem Rahmenprogramm. Durch einen gedruckten Ausstellungskatalog werden die Ergebnisse dauerhaft verfügbar gemacht und online über die UB Marburg dauerhaft für alle zugänglich sein.Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Exkursion nach Eisenach und Weimar/KZ Buchenwald: "Antisemitismus in der Ev. Kirche der NS-Zeit und in ihrer heutigen Erinnerungskultur"
Durchführende Stelle: FB 05, Neues Testament
Beschreibung:
Zwischen 1939 bis 1945 existierte das "Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben" mit Sitz in Eisenach. Es war der Kulminationspunkt einer jahrhundertelangen Polemik christlicher Kirchen gegen jüdische Menschen und das Judentum und wurde von mehreren evangelischen Landeskirchen gefördert. Die Exkursion besucht die Ausstellung zum Wirken des Instituts im Lutherhaus Eisenach, die Gedenkstätte der EKD, die nationalsozialistisch umgestaltete Georgenkirche, das "kriegerische" Bach-Denkmal von Paul Birr (1938) und das Burschenschaftsdenkmal, sowie zuletzt das KZ Buchenwald. Die besuchten Orte und das Fortwirken antijüdischer Stereotype sollen kritisch analysiert werden. Zudem soll anhand des in Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern geehrten evangelischen christlichen und KZ-Häftlings Alfred Leikam die Bekämpfung des Antisemitismus als Handlungsmöglichkeit selbst unter den Bedingungen eines totalitären Regimes verdeutlicht werden. Ziel des Projekts ist 1. Kompetenzvermittlung zur selbstkritischen Identifikation insbesondere religiöser antisemitischer Stereotype und Artefakte. 2. Analyse und Kritik erinnerungskultureller Praktiken im Umgang mit antisemitischen Stereotypen und Artefakten heute. 3. Ausbildung eigener Handlungsfähigkeit zur selbstkritischen Bekämpfung von Antisemitismus im Umgang mit insbesondere religiösen antisemitischen Stereotypen und Artefakten.Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Informationsveranstaltung: Rechte Ideologien an der Hochschule. Geschichtsbilder, Narrative und Studentenverbindungen
Durchführende Stelle: FB 06, Didaktik der Geschichte, Forschungsprojekt "RexWiHo - Rechtsextremismus in Wissenschaft und an Hochschulen begegnen"
Beschreibung:
Als Reaktion auf die Veranstaltung des "85. Deutschen Studentenhistorikertagung" in Marburg, welche von Akteur*innen aus dem Studentenverbindungs- und Burschenschafts-Milieu organisiert wird, wird mit diesem Projekt eine dreistündige Informationsveranstaltung zu rechten Ideologien an Hochschulen mit Fokus auf Studentenverbindungen gestaltet. Da Studentenverbindungen eine von Antisemitismus geprägte Tradition haben, werden zwei Expert*innen hierzu eingeladen. Diese werden Inputs zu "Schlaglichter auf jüngere antisemitische Vorfälle im studentischen Verbindungsmilieu" und zur Rolle der Studentenverbindungen im Nationalsozialismus, dem Antisemitismus dieser und den Geschichtsumdeutungen, die bei der "Historikertagung" zu erwarten sind.Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Ringvorlesung: "Konflikte, Krisen und der Kampf um die Wahrheit"
Durchführende Stelle: FB 21/Zentrum für Genderstudies und feministische Zukunftsforschung
Beschreibung:
Gesellschaftliche und individuelle Krisen stellen uns vor immense Herausforderungen, welche politische und soziale Errungenschaften der letzten Jahrzehnte angreifen. Mit dem Wunsch nach Lösungen gehen auch Ängste vor Veränderung einher, was zu Polarisierungen und Spaltungen führt, die die Schuld im Außen suchen. Die Ringvorlesung beschäftigt sich mit Hilfe psychoanalytischer Zugänge über die zerstörerischen Kräfte und psychischen Ursachen gewaltsamer und spaltender Umgangsweisen mit Konflikten sowie die psychischen Ressourcen, Unterschiede und Kompromisse zuzulassen. In vier Vorträgen werden die psychologischen Mechanismen betrachtet, die antisemitische Einstellungen begünstigen.Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Workshop: "Perspektiven auf Palästina und Israel in der politischen Bildungsarbeit"
Durchführende Stelle: Centrum für Nah- und Mitteloststudien
Beschreibung:
Der Workshop hat das Ziel als Teil des Studium Generale Studierende dazu zu befähigen, unterschiedliche Perspektiven auf den Israel-Palästina-Konflikt wissenschaftlich einzuordnen und kritisch zu reflektieren sowie eigene Gedanken, Fragen und Gefühle konstruktiv und respektvoll miteinander zu diskutieren. Es sollen unmittelbare und praxisnahe Einblicke in die politische Bildungsarbeit rund um den Nahostkonflikt ermöglicht werden, die sowohl der Prävention von Antisemitismus dienen, als auch anti-arabischen Rassismus und generell gruppenbezogener Menschlichkeit vorbeugen. Den Abschluss bietet eine Exkursion zur Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt.