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Forschungsbau MCEP - Marburg Centre for Epidemic Preparedness

HWP Planungsgesellschaft, Stuttgart
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Neubau des Marburg Centre for Epidemic Preparedness (MCEP) mit Hochsicherheitslabor

Allgemein

Mit dem Forschungsneubau für das Hochsicherheitslabor des Marburg Centre for Epidemic Preparedness (MCEP) entsteht am Campus Lahnberge ein Labor der höchsten Sicherheitsklasse. Der Neubau wird ein bestehendes Hochsicherheitslabor vor Ort ergänzen und soll der weiteren Erforschung lebensbedrohlicher Erreger dienen, um auf zukünftige Ausbrüche noch besser vorbereitet zu sein. 

Das bestehende BSL-4-Labor (biosafety level 4) erreichte besonders in Zeiten von Virusausbrüchen aufgrund einer drastisch gestiegenen Anzahl an Forschungs- und Entwicklungsarbeiten seine räumlichen Kapazitäten. Neue Technologien erfordern zusätzlichen Raum und der wachsende Bedarf an Mitarbeitenden, die unter diesen Bedingungen arbeiten können, hat den Platzbedarf weiter erhöht.

Architektur

Der Neubau entsteht als freistehendes Gebäude, das in sich eigenständig funktioniert und direkt an das bestehende Hochsicherheitslabor über einen dreigeschossigen Verbindungsbau angeschlossen ist. Das Dach sowie die Ost- und Süd-Fassade werden mit Photovoltaik-Modulen ausgestattet. Damit kann voraussichtlich ein Viertel des zukünftigen jährlichen Strombedarfs gedeckt werden.

Anforderungen an Sicherheit und Technik

Der Neubau wird die Anforderungen der höchsten Sicherheitsstufe BSL-4 erfüllen. BSL ist die Abkürzung für biologische Schutzstufe (Englisch: biosafety level). Er folgt dem Prinzip der „Haus-im-Haus“-Bauweise: Innerhalb des Gebäudes wird ein vollständig abgeschlossener, hochsicherer Laborbereich errichtet, der physisch und technisch vom Rest des Gebäudes getrennt ist. Der gesamte Laborbereich wird zudem permanent unter Unterdruck gehalten, sodass im Falle einer Undichtigkeit Luft von außen nach innen gesogen wird, nicht umgekehrt. So wird verhindert, dass kontaminierte Luft nach außen entweicht. Alle kritischen Systeme wie Strom, Lüftung und Sicherheit sind zudem überzählig ausgelegt, um Ausfälle zu vermeiden. 

Zukunft des bisherigen BSL-4-Labors

Das bestehende Hochsicherheitslabor war das erste biomedizinische Labor in Deutschland, das in der höchsten Sicherheitsstufe BSL-4 zugelassen wurde, und das bislang einzige, das von einer Universität betrieben wird. Das bestehende Labor soll nach der Fertigstellung des Neubaus nach langjährigem Betrieb generalüberholt und anschließend weiter für die Forschung genutzt werden.

Hintergrund: Erforschung hochpathogener Viren

Im Jahr 1967 führte der Ausbruch eines von Affen übertragenen und für den Menschen tödlichen Virus (Marburg-Virus) dazu, die Erforschung von hochpathogenen Viren an der Universität Marburg fest zu etablieren und in den folgenden Jahrzehnten konsequent auszubauen.

Hochpathogene Viren mit epidemischem/pandemischem Potenzial haben ihren Ursprung häufig im Tierreich und können nach Übertragung auf Menschen (Zoonosen) schwerste bis tödliche Erkrankungen auslösen. In jüngster Zeit kommt es vermehrt zu Virusepidemien und -pandemien, die durch teilweise neuartige, zoonotische Viren ausgelöst werden (z.B. Ebola-Virus, Zika-Virus, MERS- und SARS-Coronavirus).

Hochpathogene Viren dürfen nur in Forschungsgebäuden der höchsten biologischen Sicherheitsstufe untersucht werden. In diesen Laboren wird unter Vollschutz mit von außen belüfteten Sicherheitsanzügen gearbeitet, so dass die Infektionsgefahr für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler minimiert wird. Das Labor selbst steht permanent unter Unterdruck und verfügt über ein umfangreiches System der Abwasser- und Abluftdekontamination, so dass von diesen Laboren keine Gefahr für die Umwelt ausgeht. Von den vier deutschen BSL-4 Laboratorien sind drei an Bundes- bzw. Landesministerien angesiedelt, nur das Marburger Labor wird von einer Universität betrieben.

Das MCEP in Zahlen:

  • Baubeginn: 04/2024
  • Richtfest: 12/2025
  • Geplante Fertigstellung: Ende 2026
  • Baukosten: rund 46 Millionen Euro
  • Gerätekosten und Erstausstattung: rund 4,6 Millionen Euro
  • Entwurf und Planung: HWP Planungsgesellschaft Stuttgart
  • Laborfläche: rund 400 Quadratmeter
  • Nutzfläche: rund 830 Quadratmeter