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Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung

Konkurrenz für das politische „Alpha-Männchen“
Wandel und Herausforderungen nach 100 Jahren Frauenwahlrecht

Transdisziplinärer Workshop zu Geschlechterverhältnissen in der Politik


Call for Participation

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Frauenwahlrechts in Deutschland laden wir Wissenschaftler_innen, Promovierende, Studierende und Politiker_innen zu einem Workshop am 23. – 24. Februar 2018 an der Universität Marburg ein.

In den vergangenen 100 Jahren hat Max Webers Ideal eines Berufspolitikers – männlich, ökonomisch unabhängig und frei von familiären Fürsorgepflichten – Kratzer bekommen. Seit zwölf Jahren haben wir eine Bundeskanzlerin. Sechs Ministerpräsidentinnen gab und gibt es bisher. An den Kabinettstischen in Bund und Ländern nehmen heute erheblich mehr Frauen Platz als eine ‚Alibi’-Ministerin für Gesundheit oder Familie. Frauen stellen 36,5 Prozent der Bundestagsabgeordneten. Bis dahin war es ein weiter Weg. Bei der ersten Wahl nach Einführung des Frauenwahlrechts am 19. Januar 1919 zogen 37 Frauen in den Reichstag ein, 8,7 Prozent der 423 Abgeordneten. Doch erst durch die quotierten Listen der Grünen (1987) sowie von SPD und PDS (1990) stieg der Frauenanteil im Bundestag auf über zehn Prozent und dann allmählich auf das heutige Niveau. Inzwischen gerät auch die Konzeption von Männlichkeit(en) in der Politik in Bewegung. Neben das Webersche Ideal und das sprichwörtliche politische Alpha-Männchen treten z.B. ‚neue Väter’ und schwule Spitzenpolitiker.

Aspekte einer Zwischenbilanz

Es ist Zeit danach zu fragen, welche Faktoren den Wandel fördern oder hemmen und wie Beharrungskräfte überwunden werden können. Wie haben sich der Eindruck der „Fremdheit“ (Schöler-Macher), die Notwendigkeit, das eigene (weibliche) Geschlecht zu negieren, das vermeintliche Professionalisierungsdefizit und der vermeintliche weibliche Politikstil verändert, die in den 1990er Jahren diskutiert wurden? Welchen Wandel gibt es bei politischen Männlichkeiten?

  • Geschlechterquoten haben Frauen den Zugang zu politischen Ämtern erleichtert. Doch gibt es tatsächlich – wie vielfach vermutet – bei rund 40 Prozent eine gläserne Decke? Und wie sieht es mit der Komplexität von Diskriminierungsstrukturen aus? Ist die Quote also am Ende? Wie könnte es dann aber weitergehen?

  • Haben Spitzenpolitikerinnen die gleichen Erfolgs- und Durchsetzungschancen wie Männer? Oder gibt es Ausschlussmechanismen auch für jene, die vermeintlich oben angekommen sind?

  • Politikerinnen werden in den Medien als ‚die Anderen’ inszeniert, wenn auch zunehmend als handlungsmächtige Persönlichkeiten. Dennoch bleibt das Risiko der Trivialisierung und Sexualisierung. Von welchen Faktoren hängt das ab? Und welchen Einfluss hat die mediale Inszenierung von Geschlecht auf den Griff zur Macht?

  • Wie verändern schwule Männer und ‚neue Väter’ Vorstellungen von politischer Männlichkeit? Geht die Sichtbarkeit von Männlichkeiten jenseits des Weberschen Ideals einher mit Wandel in der Geschlechterhierarchie? Oder wird der Androzentrismus in der institutionellen Politik lediglich um diese Männlichkeiten gleichsam erweitert?

  • Wie ist die Sichtbarkeit von Frauen in der Führung neurechter und rechtspopulistischer Parteien einzuordnen? Zielt dies vor allem auf Marketing? Wie interagiert Geschlecht mit der maskulinistischen und familialistischen politischen Programmatik und Praxis dieser Parteien?

  • Wie sieht es mit der Konstruktion von Geschlecht in intersektionaler Perspektive aus? Ist die Migrantin quasi das neue ‚katholische Mädchen vom Lande’? Und welchen Einfluss hat eine ostdeutsche Herkunft auf die Chancen in der Politik?

Kurz: Wie haben sich die Konstruktion von Geschlecht und dessen Funktion als sozialer Platzanweiser im politischen Feld gewandelt? Gibt es diese Funktion noch? Wenn ja, wie funktioniert die Platzanweisung? Und wie lässt sie sich im Sinne egalitärer Geschlechterverhältnisse verändern?

Wir laden dazu ein, diese und weitere Fragestellungen mit Referent_innen, Politiker_innen und miteinander zu diskutieren. Besonders erwünscht ist es, eigene Forschungsfragen und Problemstellungen einzubringen. Dafür bieten die Panels ausreichend Raum.

Der Workshop ist interdisziplinär angelegt, mit Beiträgen aus Politikwissenschaft, Soziologie, Kommunikationswissenschaft und Geschlechterforschung. Und er ist insofern transdisziplinär angelegt, als wissenschaftliches Wissen und Wissen aus der politischen Praxis miteinander ins Gespräch gebracht werden, um die je eigene Perspektive zu erweitern. Um die Praxisrelevanz zu überprüfen, sollen Forschungsbedarfe und Fragestellungen mit denen diskutiert werden, die von den Ergebnissen profitieren sollen. Politiker_innen können ihre Praxis reflektieren, um Anforderungen an die Gestaltung von Rahmenbedingungen zu formulieren.

Geplant ist, die Beiträge in einem Sammelband zu publizieren. Hierzu wird ggf. ein (ergänzender) Call for abstracts lanciert.

Ein Teilnahmebeitrag wird nicht erhoben. Kosten für die Anreise, die Unterbringung und die Verpflegung (außer Tagungs-Getränke) können leider nicht erstattet werden.

Interessierte melden sich bitte bis 22. Dezember 2017 bei Dr. Dorothee Beck an. Bitte beschreiben Sie dazu kurz Ihre Motivation und ggf. Ihren Zugang zum Thema. Bitte beschreiben Sie dazu kurz Ihre Motivation und ggf. Ihren Zugang zum Thema. Bitte teilen Sie uns auch mit, ob Sie eine Kinderbetreuung benötigen, für wie viele Kinder in welchem Alter.


Call for Participation als PDF


Programm

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Zuletzt aktualisiert: 30.06.2017 · Protte

 
 
 
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Tel. +49 6421/28-24387, Fax +49 6421/28-28991, E-Mail: politikwissenschaft@staff.uni-marburg.de

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