Forschungsthema:
Diskurstraditionen der Aufklärung: Ideologie, Grammatik und Rhetorik in Spanien (1804-1860)
| Kennziffer | ZO 47/4-1 |
| Projektleiter/in | Prof. Dr. Isabel Zollna |
| Weitere Bearbeiter/innen | Dr. Vera Eilers |
| Schlagwörter | Grammaire Générale, Grammatik, Ideologie, Ideologenrezeption, Rhetorik |
| Kurzbeschreibung | Der Themenkomplex des Übergangs vom 18. zum 19. Jhd. in der Sprachwissenschaft, d.h. von einer philosophischen, allgemeinen Grammatik zur historisch-vergleichenden des 19. Jhds. ist für Frankreich und Deutschland sowie Italien durch das Projekt zur Ideologenrezeption von Brigitte Schlieben-Lange (Die Rezeption der Ideologen in Deutschland, Italien und Spanien, [1986-1992]) und zahlreiche andere Arbeiten seit den 80er Jahren immer wieder bearbeitet worden und erfährt gerade wieder eine Renaissance. Die Tradition der allgemeinen oder philosophischen Grammatik des 18. Jhs. hat in den Schriften der französischen Ideologen um 1800 ihren Höhepunkt und Abschluss gefunden (Hauptvertreter: Destutt de Tracy). Die Ausstrahlung auf die europäischen Nachbarländer ist prägend und für Spanien unmittelbar mit den politischen Entwicklungen verbunden. Gerade in den Phasen des Liberalismus lässt sich eine verstärkte Rezeption (Übersetzungen) und Produktion (Grammatiken, Logiken) der sensualistisch geprägten Ideenlehre und Grammatik, wie sie Destutt de Tracys Idéologie darstellt, feststellen. In dem Projekt sollen die bei den spanischen Autoren jeweils unterschiedlichen Umgehensweisen mit diesen neuen Ansätzen und die Integrationsversuche von scholastischer Tradition, religiös geprägtem Denken bzw. äußerer Einfluss der politischen Zensur und diesem neuen sensualistisch-materialistischem Ansatz aufgearbeitet werden. Dabei gilt es, zu untersuchen, inwieweit Grundannahmen der Grammaire Générale vor allem in Bezug auf die Bestimmung und Anzahl der Wortarten, eine Theorie des Verbs und der Syntax übernommen oder neu formuliert werden; zudem muss für Spanien eine im europäischen Vergleich ungebrochenere rhetorische Tradition angenommen werden, deren Einfluss sich in einer ausgeprägten Verflechtung von grammatischen und rhetorisch-poetologischen Überlegungen niederschlägt. Im o.g. Projekt zur Ideologenrezeption wurden ca. 300 Titel zusammengetragen. Alle Schriften zu Grammatik und Philosophie, die sich auf sensualistische Sprachtheorie (Condillac) oder auf die Idéologie eines Destutt de Tracy oder auf Degérando beziehen bzw. sich mit ihnen kritisch auseinandersetzen, sind aufgenommen. Eine genaue Analyse und Interpretation dieser Texte hinsichtlich der Rolle der Idéologie Destutt de Tracys und des Werkes von Degérando ist für die spanische Grammatikschreibung der ersten Hälfte des 19. Jhds bislang nicht oder nur in summarischer Form oder exemplarisch an wenigen Einzeltexten erfolgt; eine systematische Aufarbeitung und Präsentation der spezifisch spanischen Auseinandersetzung mit dieser französischen Tradition der Spätaufklärung und ihrer stark sensualistischen Ausprägung steht noch aus. Die Formen dieser Auseinandersetzungen sind hoch komplex, reichen sie doch von epigonenhaftem Übernahmen bis zu heftigster Kritik z.B. hinsichtlich zentraler Annahmen bei Destutt de Tracy. Diese Lücke in der Geschichte der spanischen Grammatikschreibung gilt es zu schließen. |
| Laufzeit | bis August 2007 |
| Finanzierung | DFG |

