Portrait von Mareike Hoyer
2. Semester Allgemeine Physik
Für mich war schon während der Schulzeit klar, dass ich nach dem
Abitur ein Studium im naturwissenschaftlich-technischen Bereich
aufnehmen wollte - die Wahl fiel aber erst relativ spät auf
Physik.
Ich habe mich im Vorfeld hauptsächlich bei Bekannten, die in meiner
Heimatstadt Physik studieren, über den Studiengang Physik informiert,
weniger auf den Informationsseiten der Universitäten. Dadurch war ich
schon vorgewarnt, was den Umfang des Studiums und auch beispielsweise
den Mathematik-Anteil des Studiums angeht.
Dennoch war der Einstieg ins Studium nicht ganz so einfach, wie man
es sich als Schulabgänger vorstellt. (Wobei ich froh war, direkt nach
dem Abitur mit dem Studium beginnen zu können, da mir das den Einstieg
doch erleichtert hat, was aber nicht heißt, dass es nach einer längeren
Pause nicht auch gut funktionieren kann.)
An das spätere Aufstehen gewöhnt man sich jedoch sehr schnell,
plötzlich werden Vorlesungen um 9.00 morgens fast schon zur Zumutung,
dafür kommt man unter Umständen aber auch erst abends um 18.00 oder
später nach Hause. In den Vorlesungen besteht zwar keine
Anwesenheitspflicht, allerdings gibt es auch in der Regel (zumindest in
Mathematik und Physik) kein gedrucktes Skript, sodass eigentlich die
meisten Studenten regelmäßig erscheinen.
Zumindest in den ersten Semestern gibt es zu allen Mathematik- und
Physik-Vorlesungen entsprechende „Hausaufgaben“ („Zettel“ mit
Übungsaufgaben), für die man zwar eine ganze Woche Zeit hat, die
allerdings auch deutlich umfangreicher ausfallen als die Hausaufgaben
in der Schule. Es ist hilfreich, sich in Gruppen zusammenzuschließen
und die Zettel gemeinsam zu rechnen; dadurch lässt sich die
Bearbeitungszeit verkürzen und man bekommt auch mehr Ansätze und
Diskussionspunkte, als wenn man allein rechnet. Die gestellten Aufgaben
zielen in der Regel auf die tiefergreifende Verabreitung und das
Verständnis des Lehrstoffs ab und es ist daher auch ratsam, sich mit
ihnen zu beschäftigen (auch im Hinblick auf die Klausuren).
Die bearbeiteten Aufgaben werden anschließend in den Tutorien
besprochen und dort ist auch Zeit um weitere Fragen zur Vorlesung oder
zum Thema zu stellen. Die Tutorien in der Physik werden von Professoren
oder promovierten Mitarbeitern des Fachbereichs gehalten, was an
anderen Fachbereichen nicht immer der Fall ist.
Die Klausuren über den gesamten Inhalt eines Moduls werden in der Regel am Ende des Semesters geschrieben, was zum Einen heißt, dass man während der Vorlesungen noch für die Klausuren lernen muss, zum Andern aber auch, dass man in den Semesterferien dann weitestgehend frei hat. Die Klausuren zählen in den Bachelor-Studiengängen relativ viel, einige sogar mehr als die Bachelor-Arbeit, so dass es sich auch lohnt, für’s Lernen etwas mehr Zeit als in der Schule zu investieren.
Auch muss man sich im Gegensatz zum Schulbetrieb eigenständig um die meisten Dinge kümmern, beispielsweise muss man sich für die Klausuren selbst fristgerecht anmelden. Auch gibt es viele, teils verwirrende, Regelungen rund um die Studiengänge, so dass ein Blick in die Studien- und Prüfungsordnung hilfreich sein kann. Hier helfen aber auch ältere Studierende bzw. die Fachschaft in der Regel gerne weiter. Außerdem wird jedem Studenten ein Professor als Mentor zugeordnet, mit dem man einmal im Semester ein Gespräch führen sollte und dort alle Fragen und Probleme bezüglich des Studiums erörtern kann.
Die Atmosphäre am Fachbereich ist größtenteils sehr angenehm;
besonders unter den Studenten lernt man sich gut kennen, da die
Studentenzahl pro Jahrgang überschaubar ist und man studiert eher
miteinander als in Konkurrenz zueinander.
Und auch wenn die wenigsten Physikstudenten, die ihr Studium in
Regelzeit absolvieren wollen, unter denjenigen sind, die man auf jeder
Party in Marburg trifft, bleibt den meisten genug Zeit, um sich auch
außerhalb des Zettelrechnens mit anderen zu treffen und Hobbies
nachzugehen, auch wenn man manchmal natürlich Prioritäten setzen
muss.
Bei mir reicht die Zeit zwar leider nicht mehr für’s Orchester, aber
dafür arbeite ich in der Fachschaft mit und treibe Sport (das Zentrum
für Hochschulsport bietet ein sehr vielfältiges und interessantes
Angebot an Sportkursen an), außerdem höre ich eine zusätzliche
Vorlesung, die natürlich ebenfalls Zeit kostet.
Alles in allem bin ich auch nach den ersten zwei Semestern immer
noch sehr zufrieden mit meiner Wahl – sowohl bezüglich des Studienfachs
als auch bezüglich des Studienortes (Marburg hat ein sehr umfangreiches
Semesterticket, was für mich be-deutet, dass ich meine Wochenenden
kostengünstig nicht nur in Marburg genießen kann, aber dafür die
Wochenenden manchmal zu wenig mit physikalischen Inhalten
fülle…).
Auch wenn die ersten beiden Semester in Physik thematisch nicht
sonderlich „spannend“ sind, das heißt, viele Grundlagen und Methoden
vermitteln, sind sie doch deutlich anspruchsvoller als Physik in der
Schule und gehen weit über die Schulphysik hinaus. Aber gerade deswegen
steigert jede selbst gelöste Aufgabe das Selbstwertgefühl ein bisschen.
;)
Dennoch muss man natürlich vor allem Interesse am Fach und auch ein
bisschen Spaß am „rumknobeln“ mitbringen und zudem etwas
Durchhaltevermögen haben, um auch mal Durststrecken zu überwinden, um
am Ende auch Spaß an einem Physikstudium zu finden.

