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Standorte und Verzeichnisse orientalischer Handschriften

Die Sichtung, Digitalisierung und Erforschung islamischer Manuskripte stellt ein unermessliches Forschungsfeld innerhalb der Islamwissenschaft dar. Die Manuskript Literatur der islamischen Welt beinhaltet eine bisher weitgehend unerschlossene Welt des kulturellen Erbes. Islamische Manuskripte werden seit einiger Zeit studiert und viele Handschriften sind sehr gut erschlossen und erforscht worden. Doch mehr noch sind unbekannt und unzureichend wertgeschätzt. Auch an deutschen Universitäten befinden sich tausende orientalische Handschriften in arabischer, persischer und türkischer bzw. osmanischer Sprache. Es gibt verschiedene Digitalisierungsprojekte und auch Verzeichnisse der unterschiedlichen Bestände. Marburg hat einen kleinen Bestand von 44 Manuskripten, die zukünftig digitalisiert werden sollen.

Bild-Manuskript
Foto: Susanne Saker

Ein Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland (VOHD) wird vom Franz Steiner Verlag herausgegeben. Bisher sind 147 Katalogbände und 52 Supplementbände erschienen. Viele Handschriften und Verzeichnisse von Handschriften sind mittlerweile digitalisiert und auf den jeweiligen Bibliotheksseiten einsehbar. An der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg ist das Oriental Manuscript Resource (OMAR) angesiedelt. Eine digitale Datenbank, in der ca. 2.500 arabische Manuskripte (auf etwa 134.000 Bildseiten) aus Mauretanien als Volltext mit den dazugehörigen bibliographischen Metadaten einsehbar sind. Die Akademie der Wissenschaften in Göttingen beherbergt ein Forschungsprojekt zur Katalogisierung der Orientalischen Handschriften in Deutschland (KOHD), deren Kataloge im VOHD veröffentlicht werden.

Neben solchen einschlägigen Projekten befinden sich bedeutende Sammlungen orientalischer Handschriften an verschiedenen Universitäten Deutschlands. Die Universitäts- und Landesbibliothek Bonn gab im Jahr 2000 eine überarbeitete Bestandsübersicht über alle Bonner orientalischen Handschriften heraus. Die orientalischen Handschriften der Herzoglichen Bibliothek zu Gotha wurden Ende des 19. Jahrhunderts von Wilhelm Pertsch in drei Bänden herausgegeben. Die Verzeichnisse sind über die Universitäts- und Forschungsbibliothek Gotha/Erfurt als PDF abrufbar. Die orientalischen Handschriften an der Staatsbibliothek zu Berlin / Preußischer Kulturbesitz sind seit März 2013 über eine digitale Datenbank einsehbar. Der Bestand arabischer Handschriften an der Staatsbibliothek beläuft sich auf etwa 11.100 Bände. Von frühen Koranfragmenten über illuminierte Prachthandschriften bis hin zur Gebrauchsliteratur aus den islamischen Bildungseinrichtungen. Die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) Dresden verfügt über 448 islamische Handschriften, die großenteils im Gefolge der Auseinandersetzungen mit den Osmanen auf dem Balkan nach Europa gelangten und im 18. und 19. Jahrhundert aus Sammlungen und Gelehrtennachlässen erworben wurden. Durch verschiedene Ankäufe in den vergangenen Jahrhunderten besitzt die Bayrische Staatsbibliothek (BSB) heute ca. 18.200 orientalische und asiatische Handschriften in über 50 Sprachen, besondere Beachtung verdienen die Prachtkorane unter den arabischen Handschriften und die persischen Miniaturhandschriften und Lackeinbände. Die Universitätsbibliothek Leipzig besitzt verschiedene Sammlungen mit insgesamt ca. 1.600 Handschriften. Unter anderem 488 Handschriften der Damaszener Familienbibliothek Refaiya, die 1853 Eigentum der Universitätsbibliothek wurde. Diese Sammlung ist bereits in einer gesonderten Datenbank erschlossen, erforscht und präsentiert worden.

International bedeutsam ist der Fihrist oder „Union Catalogue of Manuscripts from the Islamicate World“, ein online Katalog, in dem Katalogisierungen von über 13.000 Manuskripten an verschiedenen Universitätsbibliotheken Großbritanniens aufgeführt sind. Die „Islamic Manuscript Association“ (TIMA) ist eine internationale und gemeinnützige Organisation zum Schutz islamischer Manuskript Sammlungen und zur Unterstützung derjenigen, die mit diesen arbeiten. TIMA veranstaltet Konferenzen, bietet workshops an und publiziert eine eigene Vorlesungsreihe. Die Organisation ist an der Universität Cambridge mit dem Prince Alwaleed bin Talal Center for Islamic Studies affiliiert.