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Forschungsprojekte

Die Verwaltung der Kontaktverfolgung unter COVID-19:
Eine Evaluation der Containment Scouts und der Mobile Tracing App

Die Kontaktverfolgung ist zum entscheidenden Faktor in der Bewältigung der COVID-19 Pandemie geworden. Diesbezüglich wurden in Deutschland zwei Maßnahmen ergriffen, welche die Gesundheitsbehörden in die Lage versetzen sollen, Infektionsketten möglichst rasch zu unterbrechen. Zum einen wurden die personellen Kapazitäten in den Gesundheitsämtern durch die Rekrutierung sogenannter ”Containment Scouts“ zeitlich befristet erhöht. Zum anderen wurde die Corona-Warn-App bereitgestellt, um Individuen über Risikokontakte zu informieren. Beide Maßnahmen haben das Potenzial, den Verwaltungsprozess der Nachverfolgung stark zu beeinflussen.

Das Projekt widmet sich den administrativen Herausforderungen, die sich in diesem Zusammenhang ergeben. Nicht nur sehen sich die Gesundheitsämter einem erhöhten Melde-aufkommen und personellen Engpässen gegenüber. Sie bedürfen zudem der Kooperationsbereitschaft der Bevölkerung. Diese ist höchst voraussetzungsvoll: Es gilt, Ängste vor Stigmatisierung, Vorbehalte gegenüber digitalen Technologien sowie politische Ablehnung gegenüber Corona-Schutzmaßnahmen zu berücksichtigen. Die Containment Scouts müssen somit nicht nur in für sie neue Arbeitsabläufe und fremde organisatorische Kontexte eingeführt werden. Um Betroffene zur Mitwirkung bei der Kontaktnachverfolgung zu bewegen, müssen sie sich mit deren Sorgen auseinandersetzen. Im Fall der Corona-Warn-App wird sogar erwartet, dass sich deren Nutzer*innen bei einer Warnung selbstständig bei den Gesundheitsämtern melden. Insgesamt gehen wir davon aus, dass soziale Aspekte wie Vertrauen und Solidarität, aber auch Privatheit, Selbstbestimmung und potentielle Ausgrenzung eine wichtige Rolle bei der Kontaktnachverfolgung spielen.

Es ist das Ziel der soziologischen Studie, diese genuin sozialen Dynamiken besser zu verstehen, von denen der Erfolg der neu eingeführten administrativen Maßnahmen zur
Pandemiebewältigung abhängen wird. Die folgenden Fragen werden untersucht:

1. Wie wirken sich die Containment Scouts einerseits und die Corona-Warn-App andererseits auf die administrativen Routinen der Kontaktnachverfolgung aus?

2. Wie nehmen Gesundheitsämter derzeitig die Bereitschaft in der Bevölkerung wahr, an der Kontaktpersonennachverfolgung mitzuwirken? Verbessern oder belasten die
beiden genannten Maßnahmen die Kooperationsbereitschaft der Bürger*innen?

3. Welche künftigen Anpassungen im Containment Scout Programm sowie in der Ausgestaltung der Corona-Warn-App sind erforderlich? Welche Probleme müssen ausgeräumt werden?

Zur Beantwortung dieser Fragen kombiniert die Studie verschiedene Methoden der qualitativen Sozialforschung. Soweit dies unter den Bedingungen der COVID-19 Pandemie möglich
ist, werden leitfadengestützte Experteninterviews von je ca. einer Stunde mit Amtsärzt*innen, Hygieneinspekteur*innen und Containment Scouts sowie Nutzer*innen der Corona-Warn-App durchgeführt. Mit Hilfe teilnehmender Beobachtungen in Gesundheitsämtern sowie Technologie-in-Praxis Demonstrationen soll untersucht werden, wie einzelne Handlungen in der Nachverfolgung von Kontaktpersonen vor dem Hintergrund der Einführung von Containment Scouts und App ineinandergreifen und sich verändern. Die teilnehmende Beobachtung erlaubt es dabei, Zusammenhänge zu ermitteln, die der Befragung von Akteuren oder der Dokumentenanalyse verschlossen bleiben.

Symbiotische Kollektive

Die VolkswagenStiftung hat am 15. Mai 2018 den Antrag für das Projekt "Symbiotische Kollektive - Die Kultivierung mikrobieller Lebenswelten als Gesatltung bio-sozialer Beziehungen" bewilligt, den Prof. Dr. Opitz gemeinsam mit Dr. Andreas Folkers in der Förderinitiative Originalitätsverdacht gestellt hat. Die Laufzeit ist vom 1. Oktober 2018 bis zum 30. September 2020.

Das Projekt untersucht die aktuelle Konjunktur des Symbiosebegriffs in den Lebenswissenschaften, die sich infolge der Erforschung des Mikrobioms eingestellt hat. Gefragt wird, wie die Erkenntnis und Manipulation von Symbiosen zur Entstehung neuer bio-sozialer Beziehungen führt. Im Fokus der Untersuchung stehen Fälle, in denen die biotechnologische Bearbeitung symbiotischer Beziehungen zwischen Wirtstieren und Mikroben auf die Lösung globaler Probleme abzielt: So soll die Modifikation der Mikrobenkulturen im Pansen von Kühen die Methanproduktion weltweiter Rinderpopulationen reduzieren; und die Erzeugung einer Symbiose zwischen der Bakterienart Woolbachia und der Mückenart Aedes aegypti soll dazu führen, dass die Mücke nicht länger als Überträger („Vektor“) von ansteckenden Krankheiten wie dem Dengue Fiber fungiert. Die Fallanalyse erlaubt es, den Aufstieg eines neuen biopolitischen Interventionsmodus – das symbiotische Engineering – und das Entstehen neuer Relationen zwischen Lebendigem und Gesellschaftlichem aufzuzeigen. Ausgehend von der exemplarischen Kartierung dieser symbiotischen Kollektive soll die in den Sozial- und Geisteswissenschaften vorherrschende Konzeption von Sozialität aktualisiert werden. Dafür wird Symbiose als operativer Begriff mobilisiert, um die in ihrer Allgemeinheit inzwischen zur Phrase gewordene Behauptung einer Hybridisierung von Natur und Kultur zu präzisieren. Das Projekt verklammert somit ein fallbezogen-analytisches Vorgehen mit einem grundlagentheoretischen Anliegen: die Analyse symbiotischen Engineerings mit einer Theorie symbiotischer Kollektive.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website.

Dynamiken der Sicherheit - Die Verwaltung transnationaler Gesundheitskrisen

Prof. Dr. Opitz ist Mitglied des SFB/TRR 138 Dynamics of Security und Leiter des Teilprojekts "Die Verwaltung transnationaler Gesundheitskrisen: Routinen der Sicherheit in der Regierung von Ansteckungsdynamiken", die Laufzeit ist von 2018 bis 2021, Projektmitarbeiterin ist Carolin Mezes.

Das Teilprojekt untersucht das Wechselspiel zwischen der Wahrnehmung transnationaler Gesundheitskrisen und der Herausbildung von rechtlich-administrativen Bearbeitungsprozessen. Es fragt zum einen danach, wie die transnationale Dimension der Gesundheitskrise in sicherheitsrelevanter Weise problematisiert wird – etwa als mangelhafte Kontrolle von Grenzen, Fehlen von medizinischer Versorgung oder als Bedrohung für den Welthandel (Krisenheuristik). Von Interesse sind die Beobachtungsinstanzen, welche die Krisensituation rahmen und anhand entsprechender Formen der Datengenerierung lesbar machen. Zum anderen wird gefragt, welche administrativen Regularien und Techniken zur Bewältigung der Gesundheitskrise eingesetzt werden (Krisenrepertoire).

Weitere Informationen zum Projekt erhalten Sie auf den Seiten der Homepage des Sonderforschungsbereichs / Transregio 138